Gewinner des Börsenjahres 2019: Die Digitalchampions Apple und Facebook, Comeback-Kid Snap – und der Bitcoin

Nils JacobsenWirtschaftsjournalist und Techblogger
Überraschungsgewinner des Jahres: Snap wurde an der Börse wiederentdeckt (AP Photo/Amr Alfiky)
Überraschungsgewinner des Jahres: Snap wurde an der Börse wiederentdeckt (AP Photo/Amr Alfiky)

2019 geht auf die Zielgerade. Die Leitbörsen verbuchten am Ende des Börsenjahres überraschend deutliche Kurszuwächse. Vor allem Besitzer von Technologie- und Internetaktien durften sich erneut über ein sattes Kursplus freuen. Ganz vorne dabei: wieder einmal die wertvollsten Konzerne der Welt. 

Die vergangenen zwölf Monate an den Kapitalmärkten waren fast wie immer: Es kam anders als man vorher dachte. Zu Jahresbeginn noch war die Stimmung apokalyptisch: Nach schockartigen Verlusten in den Vormonaten schien der Börsenhimmel einzustürzen, Anleger preisten nach zehn Jahren auf der Überholspur eine drohende Rezession ein. 

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Danach sieht es jedoch zwölf Monate später nicht mehr aus. Im Gegenteil: Seit Anleger in der zweiten Jahreshälfte realisiert haben, dass der konjunkturelle Abschwung ausfällt (und auch Deutschland nicht in die Rezession gerutscht ist), läuft die Jahresendrally. Um satte 25 Prozent liegt der deutsche Bluechip-Index Dax seit Jahresbeginn vorne, 27 Prozent sind es im Nebenwerte-Index MDax, während Anleger, die seit Januar auf den Technologie-Index Nasdaq 100 gesetzt haben, gar Gewinne von 33 Prozent verzeichnet haben.

Microsoft ist 2019 lange Zeit wertvollster Konzern…

Die Dickschiffe der Digitalbranche schnitten unterdessen wie auch im Vorjahr erneut besser ab. Das packende Duell um die Vorherrschaft im Leitindex Dow Jones war gleichzeitig der Wettkampf um den Börsenthron: der Klassiker Apple vs. Microsoft. Für den Großteil des Börsenjahres sicherte sich der ein Jahr ältere Tech-Pionier aus Seattle den Platz an der Sonne der Wall Street.

Unter Satya Nadella, der 2014 die Amtsgeschäfte von Steve Ballmer übernahm, gelang Microsoft die Befreiung von der langjährigen Abhängigkeit der Cash Cows Windows und Office. Nadella vertiefte die Beziehung zu seinen (Geschäfts-) Kunden unterdessen noch weiter, indem er für die Bürosoftware Office das im Internetzeitalter beliebte Abo-Modell einführte. Gut für Microsoft: Statt wie früher nur einmal für die CD-Version zu zahlen, werden Kunden nun mit Office 365 Jahr für Jahr zur Kasse gebeten.

Zudem punktet Nadella weiter mit der Cloudsparte, die er früher selbst anführte und die sich gerade erst einen 10 Milliarden Dollar schweren Auftrag des US-Verteidigungsministeriums sicherte. Aktionäre elektrisiert Microsofts weiter zweistelliges Umsatz- und Gewinnwachstum: Anteilsscheine liegen seit Jahresbeginn um 49 Prozent im Plus.   

…doch Apple erobert Börsenthron zum Jahresende zurück 


Noch stärker zugelegt hat unterdessen Erzrivale Apple, obwohl der Kultkonzern aus Cupertino nach der Geschäftsentwicklung ein Jahr im Rückwärtsgang vorzuweisen hatte: Die Umsätze gaben im per Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr um zwei, die Nettogewinne gar um sieben Prozent nach. Die Aktie befindet sich nach einem Fehlstart zu Jahresbeginn, als der iKonzern die erste Umsatzwarnung seit 17 Jahren eingestehen musste, indes auf der Überholspur und konnte seit Januar enorme 69 Prozent an Wert zulegen. 

Wie ist die scheinbar paradoxe Entwicklung zu erklären? Mit einem Wort: mit den Erwartungen der Wall Street. Tatsächlich konnte der iKonzern in den vergangenen Quartalen bessere Geschäftsbilanzen vorlegen als prognostiziert. Besonderen Gefallen finden Analysten an Apples jüngster Konzernsparte „Wearables, Home and Accessories”, die beständig um mehr als 50 Prozent wächst.

Mit den Drahtlos-Köpfhörern AirPods und der smarten Digitaluhr Apple Watch scheint der 43 Jahre alte Tech-Pionier endlich ein probates Mitteln gegen den Absatzrückgang beim iPhone gefunden zu haben, das sich wegen der hohe Preise der Premiummodelle über weite Strecken 2019 nicht so verkaufte wie erhofft.

Facebook schüttelt alle PR- und Datenschutzskandale ab

Ganz ähnlich, wenn auch weiter im zweistelligen Wachstumsmodus, verlief auch die Entwicklung bei einem der wohl meistmissachteten Unternehmen der USA: Facebook.  Was für einen Unterschied ein Jahr machen kann:  2018 noch sah es so aus, als ob der Mutterkonzern des weltgrößten sozialen Netzwerks in den unzähligen PR-Krisen im Zuge zahlreicher Datenschutzskandale versinken würde.

Zwölf Monate später jedoch scheint: So heftig die Schelte aus Politik und Medien auch ausfällt, sie findet weiter keinen erkennbaren Niederschlag in der Geschäftsentwicklung. Im Gegenteil: Der 15 Jahre alte Internetpionier aus Menlo Park wächst weiter schneller als die höher bewertete Konkurrenz von Alphabet und Amazon.

Im jüngsten Quartal konnte Facebook einen Umsatzzuwachs von 29 Prozent auf bereits 17,65 Milliarden Dollar und ein Gewinnplus von 19 Prozent auf 6 Milliarden Dollar verbuchen. Anleger feierten eine regelrechte Wiederentdeckung der Facebook-Aktie, die seit Jahresbeginn um 54 Prozent im Plus liegt.  

Comeback des Jahres: Snap is back! 

Deutlich getoppt werden die Schwergewichte der US-Digitalwirtschaft von einem fast abgeschriebenen Herausforderer, der zu Jahresbeginn noch hoffnungslos angeschlagen war.  “Snap ist lächerlich überbewertet und wird sich noch mal halbieren”, legte sich Marketing-Professor Scott Galloway in seinen Prognosen zum neuen Jahr fest – zu Kursen von weniger als 6 Dollar.

Doch auch der Bestseller-Autor („The Four“) liegt mal vollkommen daneben. Nach elf Monaten notiert die Snap-Aktie tatsächlich bei Kursen von mehr als 15 Dollar und hat damit fast den Ausgabekurs von 2017 wieder erreicht. Wer zu Jahresbeginn auf den Stories-Anbieter gesetzt hatte, kann sich über Kurszuwächse von 177 Prozent freuen.

Der Grund: Das acht Jahre alte Internetunternehmen verbrennt zwar immer noch wie verrückt Geld (in den ersten drei Quartalen allein knapp 800 Millionen Dollar), doch die Umsätze ziehen um durchschnittlich 46 Prozent an und damit schneller als von Analysten erwartet. Das Gleiche gilt für die Nutzerentwicklung: Nach einigen Quartalen im Schrumpfkurs, konnte Snap seit Jahresbeginn 20 Millionen neue Snapchatter verzeichnen.

Deutsche Aktienstars: Die alte Wirtschaft schlägt zurück – der Bitcoin auch

An den deutschen Aktienmärkten glänzte unterdessen der Serienmeister und die zweite Reihe. Während Dauer-Champion Adidas seinen Marathon an der Dax-Spitze im dritten Jahr in Folge mit einem Plus von 55 Prozent fortsetzte, folgten auf den Plätzen Versorger RWE (+44 Prozent und Platzhirsch SAP (+41 Prozent), die Münchener Rück (+37 Prozent) und Linde (+35 Prozent)

Eines der ungewöhnlichsten Comebacks des Jahres gelang unterdessen einem altbekannten Hype-Investment, das vor zwei Jahren seinen bisherigen Zenit erreicht hatte und seitdem schwer abgestürzt war: der Bitcoin. 2019 jedoch erlebte die bereits weitgehend abgeschriebene Kryptowährung eine mitunter wundersame Wiederauferstehung mit Kurszuwächsen von in der Spitze über 200 Prozent. Seit dem Sommer zeigt der Trend indes wieder steil nach unten: Für Bitcoin-Besitzer bleibt nach einer wilden Achterbahnfahrt seit Januar ein Kursplus von 95 Prozent.

 

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