Als Criens zur Fohlen-Legende wurde - und einen Begriff prägte

Johannes Fischer
Sport1

Als Hans-Jörg Criens am 1. Mai 1984 im Bökelbergstadion am Seitenrand steht, weiß er noch nicht, dass die kommende knappe halbe Stunde sein Fußballer-Leben verändern wird.

Es läuft die 82. Minute im ersten Halbfinale des DFB-Pokals zwischen Mönchengladbach und Bremen, als Borussias Trainer Jupp Heynckes den 23-jährigen Stürmer einwechselt - und schon da steht fest, dass das Spiel in die Annalen eingehen wird. 


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Zum ersten Mal überträgt die ARD abseits des Endspiels ein Pokal-Spiel live - und es bietet dem Zuschauer die ganze Palette an Emotionen. So sehr, dass später sogar die Tagesschau verschoben werden muss.

Es ist ein Krimi, bei dem auch unschöne Begleitumstände dabei sind. Denn bevor Criens eingewechselt wird, steht die Partie auf der Kippe

Criens mit legendärem Doppelpack

Eine Rauchbombe, aus der Tränengas entweicht, fliegt aus dem Werder-Block aufs Spielfeld. Gladbachs Uwe Rahn und der Bremer Wolfgang Sidka brechen auf dem Platz zusammen und müssen ärztlich versorgt werden.

Nur Augenblicke nach Criens' Einwechslung überschlagen sich die sportlichen Ereignisse dieser ohnehin schon atemberaubenden Partie. Werder, das bereits 1:3 in Rückstand lag, dreht den Spieß um und führt nach drei Treffern innerhalb von fünf Minuten auf einmal mit 4:3. 

Doch die Gastgeber geben nicht auf und schlagen in der Nachspielzeit zurück. Nach einer Flanke in den Strafraum ist es Criens, der mit einem Abstauber per Kopf zum 4:4 ausgleicht und die Verlängerung erzwingt.

"Ich habe mir damals erzählen lassen, dass Tausende schon das Stadion verlassen hatten und beim Jubelschrei zurückgekommen sind. Das beinhaltet alles, was uns dieses Spiel gegeben hat", sagt Criens rückblickend in der ARD.

In der 107. Minute macht sich Gladbachs Einwechselspieler dann zur Fohlen-Legende: Er holt einen langen Pass mit dem rechten Fuß herunter, berührt den Ball im Strafraum noch mit dem Kopf, bevor er ihn per Dropkick in die Maschen zimmert. 

"Die Freude habe ich nie wieder empfunden"

"Die Emotionen und Freude, die ich nach diesem Tor hatte, habe ich in dieser Weise nie wieder empfunden", erinnert sich der Angreifer.  In dieser Partie prägt Criens den Begriff des "Jokers", den der ARD-Kommentator Heribert Faßbender fast beiläufig fallen lässt.


"Wären wir damals schon im digitalen Zeitalter gewesen, hätte ich mir diesen Begriff schützen lassen, weil er auf mich projiziert wurde", sagt Criens mit einem Augenzwinkern. 

Das Pokal-Halbfinale gegen Bremen, das die Borussia am Ende mit 5:4 für sich entscheidet, wird letztlich zum Beschleuniger einer bemerkenswerten Karriere. 


Criens spielt von 1981 bis 1993 für Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga. In dieser Zeit erzielt er in 290 Spielen 92 Tore. Nur Jupp Heynckes (195) und Herbert Laumen (97) erzielten mehr Tore im Trikot der Borussia. Mit Gladbach erreicht er nach 1984 auch 1992 das Pokal-Finale, scheitert aber zwei Mal.  

Von 1993 bis 1995 steht er beim 1. FC Nürnberg unter Vertrag. Nach sieben Jahren bei unterklassigen Vereinen beendet er 2002 seine aktive Laufbahn. Am zweiten Weihnachtsfeiertag stirbt Criens im Alter von 59 Jahren nach einem Herzinfarkt.

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