Gladbach feiert nach Geisterderby mit wartenden Fans

SPORT1, Sportinformationsdienst
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Erst nach dem Schlusspfiff bekamen die Spieler und Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach etwas Derbystimmung zu spüren.

Direkt nach dem 2:1-Sieg gegen den 1. FC Köln im ersten Geisterspiel der Bundesligageschichte schnappte sich Marcus Thuram "seine" Eckfahne und ging mit seinen Teamkollegen die Treppen der Nordkurve empor. Hinter dem Block hatten Hunderte Fans vor dem Stadion ausgeharrt, die die Gladbacher Derbyhelden nicht enttäuschen wollten.

Minutenlang feierten die Fans mit Spielern und Trainerteam, erst danach kamen die Protagonisten wieder ins Innere des Stadions und begaben sich in die Katakomben. Christoph Kramer fühlte sich im Scherz an eine Meisterfeier erinnert und meinte zu seinen Kollegen: "Holt mir mal kurz 'ne Schale."

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Aytekin: "Das ist beängstigend"

"Ich finde es beachtenswert, dass sich viele Fans im Regen hinter die Nordkurve stellen und auf uns warten", sagte Kramer bei Sky. "Es waren sehr viele Fans da, das war ein sehr schöner Moment. Ich bin sehr froh, dass sie da waren."

Die 90 Minuten zuvor waren von gespenstischer Stille und einem freudlosen Kick geprägt: Durch ein 2:1 (1:0) im 90. Rheinderby gegen den 1. FC Köln hatte Gladbach zwar wieder einen Champions-League-Platz erobert, die lange Zeit mäßige Darbietung beider Teams passte aber zur unwürdigen Atmosphäre.

"Das ist schwer, in Worte zu fassen Irgendwas fehlt massiv. Ich kann nur hoffen, dass sich so etwas langfristig nicht durchsetzt. Das ist beängstigend und hat mit Fußball nichts zu tun. Es ist sehr schwierig, sich permanent zu konzentrieren. Ohne Fans ist das Ganze nur halb so viel wert", meinte Schiedsrichter Deniz Aytekin hinterher.

Fans feiern Ankunft der Spieler

Breel Embolo (32.) und ein Eigentor von Jorge Meré (70.) sorgten für den Erfolg des fünfmaligen deutschen Meisters, der sich mit 49 Punkten wieder an Bayer Leverkusen (47) vorbei auf Platz vier schob. Aufsteiger Köln, der durch den starken Mark Uth (80.) zum Anschlusstreffer kam, bleibt im gesicherten Mittelfeld.

"Ein Derby ohne Zuschauer ist nicht schön. Das ist für alle Beteiligten nicht einfach", sagte Kölns Geschäftsführer Horst Heldt nach dem Spiel"Es ist wichtig, sich nicht komplett runterziehen zu lassen. Wir wollen die Saison ordentlich zu Ende spielen."

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Das Spiel sollte ursprünglich am 9. Februar stattfinden, musste aber wegen des Orkans Sabine verlegt werden. Nun sorgte das sich immer weiter ausbreitende Coronavirus für ein Spiel ohne Fans und damit ohne Stimmung. 

Die Fans der Fohlen gaben dennoch ihr Bestes. "Holt den Derbysieg", lautete der klare Auftrag auf einem Plakat auf der leeren Nordtribüne. Als der Gladbacher Bus am Stadion eintraf, feierten einige hundert Anhänger die Spieler, Leuchtraketen wurden abgeschossen.

Köln kommt besser ins Spiel

Zu Beginn des Aufwärmprogramms stimmten sie die Profis mit Gesängen von außerhalb des Borussia-Parks auf die Partie ein, danach war es still. Die Anweisungen der Trainer waren auf der Tribüne ebenso zu verstehen wie die Rufe der Spieler. Lediglich von den Logen auf der Tribüne waren Rufe einiger Fans zu hören.

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Angetrieben von Schalke-Leihgabe Uth waren das zunächst die Gäste, die durch Florian Kainz (2.) und Jhon Cordoba (10.) zu ersten Abschlüssen kamen und denen das Selbstvertrauen nach zuletzt acht Siegen in den vergangenen zehn Partien anzumerken war.

Embolo bringt Gladbach in Front

Die Begegnung blieb aber insgesamt auf einem mäßigen Niveau. Uths gefährlicher Freistoß war zunächst noch der größte Aufreger (21.). Die Gladbacher waren dann zumindest effektiv. Nach der bis dahin schönsten Kombination über Tobias Strobl, Oscar Wendt und Patrick Herrmann traf Embolo zur schmeichelhaften Pausenführung.

"Niederlagen sind immer schlecht. Wir haben aber richtig gut gespielt und waren gegen einen starken Gegner oft auf Augenhöhe. Wir hätten einen Punkt verdient gehabt", sagte Kölns Coach Markus Gisdol. Heldt ergänzte: "Es hatte etwas von Freundschaftsspielcharakter. Es war erwartet skurril. Beide Mannschaften haben es ordentlich gemacht. Ein Unentschieden wäre gerecht gewesen. Wir sind enttäuscht, dass wir das Derby verloren haben."


Die Gastgeber kamen schwungvoll aus der Kabine und schnürten die Kölner kurzzeitig am eigenen Strafraum ein. Herrmann scheiterte aber am gut reagierenden Schlussmann Timo Horn (51.).

Uth verpasst den Ausgleich

Beide Mannschaften schienen sich nun besser auf die besonderen Umstände eingestellt zu haben. Es war trotz des einsetzenden Regens etwas mehr Zug im Spiel. Derbystimmung entwickelte sich aber erst nach der Partie. "Jetzt wissen wir noch mehr, wie wichtig Fans für den Fußball sind", sagte Gladbachs Coach Marco Rose.

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Köln wurde nach der Halbzeit wieder mutiger, Kainz verzog aber aus guter Position deutlich (63.). Es mangelte bei beiden Rivalen aber weiterhin an Präzision und Tempo. Das Eigentor von Meré nach Flanke von Embolo passte ins Bild. Erst nach dem Kölner Anschlusstreffer nach einem Patzer von Gladbachs Yann Sommer erhielt das Spiel eine gewisse Würze - abermals Uth (90.+3) vergab aus kurzer Distanz den Ausgleich.

"Es war der perfekte Tag für uns alle. Wir haben auch kämpferisch eine gute Leistung gebracht", sagte Matchwinner Embolo.

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