Warum Glasner zum zweiten Mal von Rose profitiert

Tobias Holtkamp
·Lesedauer: 3 Min.
Warum Glasner zum zweiten Mal von Rose profitiert
Warum Glasner zum zweiten Mal von Rose profitiert

Im Frühjahr 2019, als Jörg Schmadtke einen Nachfolger für Bruno Labbadia suchte, sollte Marco Rose Trainer des VfL Wolfsburg werden. Die Gespräche liefen gut, auch Schalke war am Salzburger Erfolgscoach Rose dran, doch Schmadtke rechnete sich gute Chancen aus. (Tabelle der Bundesliga)

Bis auf einmal Borussia Mönchengladbach mit Manager Max Eberl aus der Deckung kam. Er gab Rose, was dieser verlangte, vom Stab der Assistenten bis zur Ausstiegsklausel im Vertrag - mithilfe derer der Trainer jetzt im Sommer zur nächsten Borussia weiterzieht, nach Dortmund.

Weil Rose sich für Mönchengladbach und gegen Wolfsburg entschied, nahm Schmadtke seine "2. Wahl" ins Visier: Oliver Glasner, damals Sportdirektor und Trainer des Linzer ASK, der als Vizemeister in Österreich gerade die Qualifikationsrunde zur Champions League erreicht hatte.

Glasner kostete Wolfsburg 1,5 Millionen Euro

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Glasner sagte zu, kostete die Wolfsburger eine Ablöse von bis zu 1,5 Millionen Euro - und wurde zum Volltreffer.

Als Tabellendritter ist der VfL nach aktuellem Stand die Bundesliga-Sensation des Jahres. Dass der FC Bayern und RB Leipzig, mit ihren Möglichkeiten alleine auf dem Transfermarkt, weit vorne stehen, das war im Grunde klar und das ist auch Pflicht für beide.

Dass sich dahinter die Wolfsburger, 2017 und 2018 noch in der Abstiegs-Relegation, festgesetzt haben, mittlerweile sechs Punkte vor Dortmund und sogar 15 Punkte vor Roses Mönchengladbachern, das ist absolut bemerkenswert.

Wolfsburg spielt konstant und modern

Sie sind nicht ansatzweise mit so großen Namen geschmückt wie die anderen Top-Vereine - aber sie haben, unter Anleitung von Vater und Sohn Schmadtke (Jörg ist Geschäftsführer, Nils Chef-Scout), eine Mannschaft gepuzzelt, die geschlossen hochmodernen Fußball spielt. Und das, im Jahr zwei unter Glasner, zudem sehr konstant.

Sowohl Schmadtke als auch Glasner können längst froh sein, dass die Geschichte damals so gelaufen ist. Dass Rose Mönchengladbach dem VfL Wolfsburg vorzog. Denn sie tun sich gut: der detailbesessene und maximal authentische Glasner dem VfL, aber eben auch der extrem unaufgeregte Verein seinem Trainer.

Eberl über Glasner: Macht großartigen Job

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Das Interessante: Ziemlich genau zwei Jahre nach der Rose-Entscheidung damals profitiert Oliver Glasner nun erneut von dem ehemaligen Salzburger Coach. Die Mönchengladbacher haben den Österreicher auf der Liste möglicher Rose-Nachfolger. "Er macht einen großartigen Job in Wolfsburg", lobte Max Eberl Glasner im ZDF. Aber "bis jetzt" habe es keine Gespräche gegeben. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

Glasner zählt dank der starken Arbeit in Wolfsburg jetzt zu den begehrten Kandidaten auf dem Trainermarkt. Auch Schmadtke möchte mit ihm verlängern, der laufende Vertrag endet im nächsten Jahr. Mit wem auch immer sich Glasner bezüglich seiner Zukunft an einen Tisch setzt: Die Position der einstigen Rose-Alternative könnte deutlich schlechter sein.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".