Goldmann: "Söderholm ist auf dem absolut richtigen Weg"

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Ab Donnerstag wird es wieder ernst für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft! Das DEB-Team trifft beim traditionsreichen Deutschland Cup auf Russland, die Schweiz und die Slowakei. (SPORT1 zeigt den Deutschland Cup 2019 LIVE und in Highlight-Sendungen im TV auf SPORT1)

SPORT1-Experte Rick Goldmann spricht im exklusiven Interview über die Ambitionen des deutschen Teams und dessen Entwicklung unter Bundestrainer Toni Söderholm. 

Kurz vor dem Start des Turniers veröffentlicht Goldmann sein Buch "Eiszeit". Bei SPORT1 erklärt er, wie er auf die Idee kam, ein eigenes Buch zu schreiben und warum Eishockey "die geilste Sportart der Welt ist".

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SPORT1: Ab Donnerstag steht der Deutschland Cup an. Was kann man von der deutschen Mannschaft erwarten?

Rick Goldmann: Ich glaube, dass Toni Söderholm einen sehr gut gemischten Kader zusammengestellt hat. Da sind erfahrene Leute dabei wie Felix Schütz, die schon einige Weltmeisterschaften gespielt haben. Es sind aber auch Spieler vertreten, die noch bei keiner Weltmeisterschaft dabei waren wie Simon Sezemsky, der aber momentan der vielleicht beste deutsche Verteidiger ist oder Maximilian Kastner als einer der besten deutschen Stürmer. Dazu kommen noch einige Neulinge, was einen sehr interessanten Mix ergibt. Vom Potenzial her kann die Mannschaft aber um den Turniersieg mitspielen.


SPORT1: Welcher dieser Neulinge könnte die größte Überraschung sein?

Goldmann: Da die Neulinge alle sehr unterschiedlich sind, kann man sie nur schwer miteinander vergleichen. Schon allein vom Alter her sind da große Differenzen. Ein paar Beispiele: ein Daniel Fischbuch hat durch seinen Wechsel zu den Thomas Sabo Ice Tigers richtig Rückenwind erhalten. Er bekommt dort viel Eiszeit, spielt Überzahl und macht viele Punkte. Daher bin ich gespannt darauf, wie er das international umsetzt. Ein Colin Ugbekile hingegen ist mit seinen 20 Jahren noch sehr jung. In Köln hat er aber aufgrund von Verletzungen viel Eiszeit zu Beginn bekommen. Da hat er gezeigt, dass er defensiv sehr kompromisslos agiert und einen starken ersten Pass hat. Für ihn ist das jetzt das nächste Level, auf dem er sich beweisen kann. Auf der Goalie-Position zeigt Kevin Reich in München regelmäßig Top-Leistungen. Statistisch ist er der beste Torhüter der Liga. Daher glaub ich, dass auch er für den nächsten Schritt bereit ist.

Goldmann: Jetzt legt Söderholm erst richtig los

SPORT1: Nach dem Erfolg bei Olympia mit der Silbermedaille gab es einen größeren Umbruch. Ist der erfolgreich verlaufen?

Goldmann: Natürlich wünscht man sich immer, dass noch etwas mehr geht. Aber auch bei der letzten Weltmeisterschaft war das Ergebnis mehr als zufriedenstellend. Allerdings konnte man dort auf NHL-Spieler zurückgreifen. Daher glaube ich, dass es wichtig ist, die Spitze weiter zu verbreitern. Das versucht der DEB-Trainer mit diesem Kader. Um eine Weltmeisterschaft auf höchstem Niveau bestreiten zu können, braucht es Alternativen. Diese werden nun bei dem Deutschland-Cup getestet.


SPORT1: Wie kann man die Arbeit von Toni Söderholm bisher einschätzen?

Goldmann: Er hat die Mannschaft letztes Jahr nach dem Wechsel von Marco Sturm im Februar übernommen. Da war der Fokus komplett auf der Weltmeisterschaft. Eine große Planung und für das Umsetzen und Testen eigener Ideen war da nur sehr wenig Zeit. Dafür ist das Turnier sehr gut verlaufen. In diesem Jahr kann er nun alles nach seinen Wünschen planen. Es hat auch einen Grund, warum er den Spielern aus München und Mannheim mit der Champions-League-Belastung freigibt. So schafft er den Platz im Kader, um andere Spieler zu testen und sie auf dem Eis und in der Kabine zu erleben. Ich denke, dass wir letztes Jahr schon viel Gutes gesehen haben, auch von der Spielweise her. Aber die wahre Spielweise und Mannschaftszusammenstellung von Söderholm werden wir erst jetzt sehen, wo er ein Jahr Vorbereitung auf die WM hat. Aber meiner Meinung nach ist er auf dem absolut richtigen Weg.

"Es kam der Wunsch, die Faszination Eishockey zu transportieren"

SPORT1: Wie kam es zu der Idee, ein Buch zu schreiben?

Goldmann: Zum ersten Mal ist mir dieser Gedanke beim Olympia-Finale 2018 durch den Kopf geschossen. Ursprünglich war meine Absicht, diese historische Leistung aufzuschreiben. Aber in Gesprächen mit dem Verlag kam dann immer mehr der Wunsch auf, die Faszination Eishockey zu transportieren. Daraus ist dann das Buch "Eiszeit! Warum Eishockey der geilste Sport der Welt ist" mit Günter Klein zusammen entstanden.

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SPORT1: Die Umsetzung verlief dann auch recht zügig.

Goldmann: Es ist tatsächlich viel mehr Arbeit in so einem Buch, als ich anfangs erwartet hätte. Richtig gearbeitet wurde etwa ein halbes Jahr an dem Buch. Dazu kommen dann aber noch organisatorische Dinge, weswegen so ein Projekt auch gern mal neun bis zehn Monate braucht.

SPORT1: Wie war die Erfahrung, ein Buch zu schreiben?

Goldmann: Es war sehr interessant. Anfangs haben wir gemeinsam die Themen festgelegt. Uns war wichtig, nicht nur die Vergangenheit zu erzählen. Natürlich gehören autobiographische Geschichten dazu, aber die Gegenwart sollte im Fokus stehen. Da sehe ich nämlich die eigentliche Faszination. Es hat sich so viel geändert, der Sport ist viel dynamischer geworden. Das ist die Geschichte, die es zu erzählen gilt. Dazu wollte ich dann mit jetzt tonangebenden Akteuren noch einen Ausblick geben. Leon Draisaitl kommt zum Beispiel deshalb als Interviewpartner vor. Dazu legen auch Moritz Seider und Toni Söderholm ihre Sichtweise dar. Damit bekommt man einen schönen Einblick von Leuten, die auf ihren Positionen herausragend sind.

"Einige Erlebnisse zum Schmunzeln"

SPORT1: Was wäre denn eine lustige Anekdote aus dem Buch?

Goldmann: Die Themen werden  auch autobiographisch von mir angerissen. Das geht vom Geld verdienen über die Nationalmannschaft bis zum Fighten. Da war ich schon bemüht, das Ganze mit einem Augenzwinkern zu schreiben. Bei der Nationalmannschaft gibt es die schöne Geschichte, wie ein Nationaltrainer mal von innen die Türklinke abgerissen hat und dadurch nicht mehr aus der Kabine kam. Das hat die Situation dann nicht zwingend beruhigt... Aber auch in meiner Kommentatorenzeit gab es Erlebnisse zum Schmunzeln. Einmal habe ich mir während dem Kommentieren den Zeh gebrochen. Diese Geschichten werden im Buch natürlich auch erzählt.


SPORT1: Im Titel wird ja behauptet, dass Eishockey die geilste Sportart der Welt ist. Kann man das kurz und knapp beantworten?

Goldmann: Es gibt keine Sportart, die Schnelligkeit, Dynamik und Härte so verbindet wie Eishockey. Daher auch für alle, die sich für Fußball interessieren, die Dynamik bei einer Fußball-Weltmeisterschaft oder in der Champions League ab dem Halbfinale hat man im Eishockey fast bei jedem Spiel.

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