Goodbye Torrichter: Darum ist eine Schiedsrichter-Revolution überfällig

Michael Long
90Min

Foto: Getty Images

Die Torlinientechnologie ist eingeführt und in den meisten europäischen Profiligen installiert. Dennoch leistet sich der europäische Verband nach wie vor Torrichter, von denen die Spieler wie die Trainer nicht genau wissen, wofür diese überhaupt da sind. Denn dass jemals einer der Torrichter über einen Treffer entschieden hat, ist nicht bekannt.



Man kennt solche Szenen. Europapokal, ein Zweikampf im Strafraum, der Stürmer wird zu Fall gebracht, aber der fällige Strafstoß bleibt aus. Meist steht ein Torrichter unmittelbar daneben, doch der hat nie etwas gesehen. Es vergeht kaum ein Spieltag im internationalen Fußball, wo sich über den Sinn und Unsinn der Torrichter aufgeregt wird. Denn ihrem Namen nach haben die Torrichter inzwischen ihre Berechtigung verloren.

Torlinientechnologie vs. Torrichter



Zwar haben Torrichter außerdem die Aufgabe, alle Spielszenen im Strafraum zu beobachten, um in strittigen Fällen dem Schiedsrichter ihre Beobachtung mitzuteilen, doch es ist in all den Jahren nie dazu gekommen, dass ein Torrichter den Referee davon überzeugen konnte, ein Foulspiel auch wirklich zu pfeifen und entsprechend zu ahnden. Seit der Saison 2009/10 werden die Torrichter inzwischen eingesetzt, für mehr Klarheit in strittigen Situationen haben sie aber nie gesorgt.


Natürlich sind auch die Torrichter nur Menschen und machen genauso Fehler, wie alle anderen auch. Davon sind auch die Spieler, die Trainer, die Manager und die Verantwortlichen in den Klubs ebenso wenig ausgenommen. Aber inzwischen hat man der Technik eine Chance gegeben und siehe da, sie hat sich bewährt. Die Torlinientechnologie löst den Großteil der Situationen inzwischen völlig wertfrei auf, ob der Ball hinter der Linie oder noch vor der Linie war.

Neue Einsatzgebiete



Daher sind auch die Torrichter so gut wie obsolet geworden. Stattdessen könnte man die beiden Unparteiischen in einen Raum setzen, wo sie vor einem TV-Gerät das Spiel schauen und am besten noch mit dem Schiedsrichter per Funk verbunden sind. Dort könnte dann bei anderen strittigen Szenen wie Abseits oder Foulspiele entsprechend eingegriffen werden. Der Firlefanz, der aber rund um den Fünfmeterraum von den Referees immer veranstaltet wird, darf ruhig der Vergangenheit angehören.


Es bleibt abzuwarten, wann die technologischen Möglichkeiten auch im Fußball endlich ausgeschöpft werden, die Einführung der Torrichter aber war kein Glanzmoment. Zwar wollte man damit vieles fairer machen und der Grundgedanke ist für sich genommen nicht falsch, nur wirklich gebracht haben die Torrichter in den bald acht Jahren ihres Bestehens nicht. Daher sollte die Revolution der Torlinientechnologie auch nicht an der Auslinie aufhören, sondern man sollte weiter diesen Weg gehen. Dafür braucht es dann aber keine zwei weiteren Schiedsrichter auf der Torlinie.

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