Die Gründe für Kerbers grandioses Comeback

Tobias Wiltschek
Sport1
Angelique Kerber steht in Melbourne im Halbfinale
Angelique Kerber steht in Melbourne im Halbfinale

Nur ein paar Wochen hat Angelique Kerber gebraucht, um ein ganzes Jahr fast vergessen zu machen.

Bei den Australian Open steht die Kielerin im Halbfinale. In der Nacht zum Mittwoch konnte sie ihre eindrucksvolle Siegesserie in diesem Jahr fortsetzen.

Der Erfolg gegen Madison Keys aus den USA und der damit verbundene Einzug in die Runde der letzten Vier war der 14. Sieg im 14. Spiel im Jahr 2018.

SPORT1 erklärt, was hinter dem atemberaubenden Comeback der ehemaligen Nummer 1 der Weltrangliste steckt.

Trainerwechsel:

Über viele Jahre hinweg waren Kerbers sportliche Leistungen eng verbunden mit Torben Beltz. Der Trainer hatte sie schon betreut, als sie als 16-Jährige in die Damen-Tour einstieg.

Er führte sie 2016 auch zu zwei Grand-Slam-Titeln und an die Spitze der Weltrangliste. Doch im vergangenen Jahr konnte auch er Kerbers dramatischen Abstieg nicht verhindern. Es musste zur Trennung kommen.

So schmerzhaft sie auch war, für ihre Karriere hätte sie keine bessere Entscheidung treffen können. Unter dem neuen Trainer Wim Fissette fand die 30-Jährige die Freude am Tennis wieder - und zurück zu alter Stärke.

Psyche:

Mit dem Belgier, der sehr gut deutsch spricht, hat Kerber ausführlich das völlig missratene Jahr bilanziert. Sie selbst hat 2017 abgehakt, ihre Lehren gezogen und schaut nun nur noch nach vorn.

"Die wichtigste Lektion war, den eigenen Wert als Person nicht über sportliche Erfolge zu definieren und die Weltrangliste nicht zum Maßstab aller Dinge werden zu lassen. Zu verstehen, dass ich der gleiche Mensch bin, ob ich nun gewinne oder verliere", schrieb sie neulich in einem Gastbeitrag für die Zeit.

Diese Erkenntnis brachte sie auch sportlich weiter. Sie kann mit Druck wieder besser umgehen, wie im Achtelfinale gegen Hsieh Su-Wie aus Taiwan. 4:6 und 4:5 stand es aus ihrer Sicht, doch sie behielt die Nerven, kämpfte sich zurück - und zog schließlich mit einem Dreisatzsieg noch ins Viertelfinale ein.


Physis:

Dass sie das Match nach 2:08 Stunden im Glutofen von Melbourne erfolgreich beendete, spricht auch für ihre gestiegene körperliche Fitness. Im Gegensatz zu ihrer Gegnerin konnte Kerber im dritten Satz noch einmal zulegen und gewann klar mit 6:2.

"Das Ziel ist, dass sie wieder um jeden Punkt kämpft", sagt ihr neuer Trainer Fissette. Das tut sie bei den Australian Open bislang eindrucksvoll.

Aufschlag:

Fissette arbeitet mit Kerber aber nicht nur an grundlegenden Aspekten von Psyche und Physis. Auch einzelne Schläge werden genau analysiert, um sie anschließend zu verbessern.

Am auffälligsten ist das derzeit beim Aufschlag zu sehen. Der ist viel stabiler als zuletzt und schon jetzt zu einem entscheidenden Faktor in ihrem Spiel geworden.

Gegen Maria Scharapowa in der dritten Runde hat sie unglaubliche 86 Prozent der Punkte gewonnen, wenn ihr erster Aufschlag ins Spiel kam. In der ersten und dritten Runde landeten jeweils 71 Prozent der Aufschläge im Feld, auch das ist ein außergewöhnlich hoher Wert.


Erinnerungen:

Nicht zuletzt beflügeln Kerber auch die positiven Erfahrungen, die sie in Australien im Laufe ihrer Karriere gemacht hat.

In Melbourne stand sie bereits zum fünften Mal in der Runde der besten 16. Hier erfüllte sie sich vor zwei Jahren erstmals ihren großen Traum von einem Grand-Slam-Triumph.

Noch zwei Siege, und sie könnte am kommenden Samstag in der Rod Laver Arena auch ihr unglaubliches Comeback krönen.

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