Greift die Bundesliga jetzt die Premier League an?

Der Welt-Fußball dreht sich seit Jahren um das Geschehen in der Premier League.

Wenn an den Wochenenden Manchester City, Arsenal, FC Liverpool oder Manchester United ihre Partien austragen, dann schalten global die Massen ein. In England spielt die Elite, dort treffen die Superstars regelmäßig und auf allerhöchstem Niveau aufeinander.

Ein Aufsteiger Nottingham Forest kann über 200 Millionen Euro auf dem Transfermarkt investieren und sich dafür gute Akteure aus Deutschland holen.

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Bundesliga will sich absichern – und Premier League nicht attackieren

TV-Gelder in Höhe von geschätzt 2,64 Milliarden Euro werden pro Saison an die 20 Teams verteilt. Zum Vergleich: Die Bundesliga hat 1,1 Milliarden Euro für 18 Mannschaften zur Verfügung.

Die DFL-Interimsbosse Axel Hellmann und Oliver Leki wollen deshalb in Zukunft mit einem strategischen Partner das eigene Produkt stärken. Bei diesen Planungen geht es weniger darum, die 36 Erst- und Zweitligisten mit Geld für die Kaderstärkung vollzupumpen. Stattdessen rücken die Themen Digitalisierung, Internationalisierung und Infrastruktur in den Fokus.

Leki stellte daher bei der Bekanntgabe unverzüglich klar: „Wir wollen die Liga damit ein Stück weit absichern. Es geht nicht darum, die Premier League anzugreifen. Ansonsten hätte ich mich mit diesem Thema auch nicht näher auseinandergesetzt.“

Das Ziel ist stattdessen, die Bundesliga als Einheit – mit den Zugpferden FC Bayern München und Borussia Dortmund - zu stärken und einen Absturz im Vergleich zu den anderen europäischen Ligen zu verhindern.

PSG bald keine Ausnahme mehr in der Ligue 1?

Dennoch lauern im Vergleich mit den anderen Top-Ligen Frankreich, Spanien und Italien einige Gefahren.

Sascha Empacher, Geschäftsführer der Berateragentur SPOCS, sagte bereits vor Monaten: „Die Bundesliga hat viele gute Transfers aus Frankreich abgewickelt. Die Ligue 1 hat sich jetzt aber auch in Richtung Investoren geöffnet. Deshalb prophezeie ich, dass die Bundesliga in drei Jahren keine Spieler aus der französischen Liga mehr kaufen kann.“

Ist Paris Saint-Germain in der Ligue 1 bald schon keine Ausnahme mehr? Im Dezember vergangenen Jahres etwa wurde auch Olympique Lyon gekauft, ein US-Investor ließ sich diesen Deal rund 800 Millionen Euro kosten.

Ein Vabanquespiel will die Bundesliga aber nicht eingehen. Hellmann und Leki bleiben trotz kritischer Töne einiger Experten weiterhin Befürworter der 50+1-Regel, sie wollen die Basis in den Klubs stärken. Allerdings lässt sich der Fakt, dass auf europäischer Bühne in diesem Jahrtausend erst vier Titel geholt wurden, nicht leugnen.

Dreimal feierte der FC Bayern den Gewinn der Königsklasse (2001, 2013, 2020), vor zwölf Monaten triumphierte Eintracht Frankfurt in der Europa League. In dieser Saison hat nur noch Bayer Leverkusen die Möglichkeit, die Europa League zu gewinnen. Eine schmale Bilanz.

Bundesliga will an gesundem Mittelweg festhalten

Während in anderen Ländern für die Jagd auf Titel unwirtschaftliche Entwicklungen hingenommen und Aufwendungen in Form von Spielergehältern und Ablösesummen erhöht werden, wird die Bundesliga an einem gesunden Mittelweg festhalten.

Die Folge ist, dass Spitzenspieler wie Erling Haaland die Liga schnell wieder verlassen oder Profis dieser Kategorie gar nicht erst den Weg nach Deutschland gehen.

Ob die von der DFL angedachte strategische Partnerschaft etwas daran ändert, wird die Zukunft zeigen.

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