Hummels macht, was Reus nicht kann

Holger Luhmann
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Nach dem 1:2 bei Union Berlin am Freitagabend schlug Mats Hummels erst mit der Faust gegen eine Sponsorenwand, dann haute er im Interview bei DAZN auch verbal auf den Putz.

Dass Borussia Dortmund wie schon gegen den 1. FC Köln ein Spiel durch zwei Gegentore nach Ecken verlor, war dem Abwehrchef bitter aufgestoßen.

Hummels’ Vorwurf: Die Mitspieler lassen in solch entscheidenden Situationen den nötigen Biss vermissen.

SPORT1 zeigt in der zweiten Runde des DFB-Pokals das Duell zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Braunschweig am 22. Dezember ab 18 Uhr LIVE im TV und im STREAM

Der 32-Jährige hat den Finger öffentlich in die Wunde gelegt. Und das ist gut so!

Hummels stellt BVB-Teamkollegen bloß

Dass er dabei Teamkollegen – ohne sie namentlich zu nennen - bloßstellt, ist sicher grenzwertig. Aber: Hummels ist einer, der auch nicht mit Selbstkritik spart, wenn sie angebracht ist. Insofern darf er sich solche Vorwürfe erlauben.

Mehr noch: Dass Hummels die Fehler in aller Offenheit schonungslos anspricht, ist sogar dringend notwendig. Einige Spieler müssen endlich aus der Wohlfühloase gerissen werden, die unter Trainer Lucien Favre viel zu lange Bestand hatte.

Hummels weiß, dass er sich mit dieser Art selbst angreifbar macht. Doch er tut dies nicht, um mit dem Finger auf andere zu zeigen, sondern die Mannschaft aufzuwecken. Und zwar so schnell wie möglich, bevor im DFB-Pokal bei Eintracht Braunschweig das nächste böse Erwachen droht. (Dienstag, ab 18 Uhr LIVE im TV auf SPORT1)

Reus zu sehr mit eigener Leistung beschäftigt

Er geht auch deshalb diesen Weg, weil Kapitän Marco Reus es nicht leisten kann. Reus ist einerseits zu sehr mit seiner eigenen sportlichen Leistung beschäftigt. Zudem ist er von seinem Charakter eher jemand der stilleren Art.

Hummels’ Ausbruch von Berlin offenbart auch ein Hierarchieproblem beim BVB. Von den gestandenen Profis gehen neben Reus auch ein Axel Witsel oder Emre Can zu wenig voran, um die jungen Spieler zu führen und mitzureißen.

Für Dortmunds neuen Trainer Edin Terzic ist ein Wortführer wie Hummels Gold wert, um den alten Schlendrian zu bekämpfen. Dass sich der heimliche Kapitän nun aus der Deckung gewagt hat, kann für Dortmund nur von Vorteil sein.