"Du bist großartig, Kumpel": Viel Zuspruch nach Russells "Anfängerfehler"

Norman Fischer
·Lesedauer: 5 Min.

Den Spott hatte George Russell nach seinem Abflug hinter dem Safety-Car in Imola sicher: "Oops, ich habe es wieder getan", twitterte Marcus Ericsson nach dem Vorfall in Anspielung auf einen ähnlichen Unfall in Baku von Romain Grosjean. Die Reaktion seines Renningenieurs damals ("Ich glaube, Ericsson hat uns getroffen") ist mittlerweile zum Running Gag unter Formel-1-Fans geworden.

Grosjean weiß daher, wie sich Russell nun fühlt, nachdem er seine möglichen ersten Formel-1-Punkte weggeworfen hat. "Ich kenne das Gefühl. Es wird einige Zeit brauchen, um das zu vergessen, aber was du machst ist mega", spendet der Haas-Pilot unter einem Entschuldigungs-Post auf Instagram Trost.

Und der Franzose ist nicht der einzige, der Russell nach dieser Szene in Schutz nimmt. Auch Weltmeister Lewis Hamilton springt ihm zur Seite: "George, du hast dein Bestes gegeben. Es ist okay, Fehler zu machen, und es ist okay, den Schmerz zu spüren. Ich habe mehr gemacht, als ich mich erinnern kann. Du bist großartig, Kumpel. Lass den Kopf nicht hängen und mach weiter", schreibt er.

Wolff: "Jeder muss mal ein Auto in die Wand schmeißen"

Für Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff gehört es für einen heranwachsenden Topfahrer dazu, auch mal einen groben Fehler zu machen: "Ich glaube, jeder muss mal ein Auto hinter dem Safety-Car in die Wand schmeißen", sagt der Österreicher. "Was George passiert ist, ist auch schon den Besten passiert."

Paddy Lowe, ehemaliger Technikchef bei Mercedes, verweist in diesem Zusammenhang auf Alain Prost, der sich in Imola 1991 in der Einführungsrunde gedreht hatte - und das bereits als dreimaliger Weltmeister. "Du bist daher in bester Gesellschaft", schreibt er.

Für Wolff ist das ein Teil des Entwicklungsprozesses, den auch etwa Hamilton, Valtteri Bottas und Nico Rosberg durchlaufen hätten: "Es fühlt sich jetzt scheußlich an, aber es wird sich legen und wie eine Narbe sein und ihn in Zukunft zu einem besseren Rennfahrer machen."

Russell ärgert sich: Größter Fehler der Karriere"

Russell selbst war nach seinem Fehler sauer auf sich selbst. Auf Platz zehn liegend hätte er seinen ersten WM-Punkt in der Formel 1 holen können, bevor er das Auto wegwarf. "Ich konnte es nicht glauben", sagt er. "Das war so ein Anfängerfehler, dass ich fast nicht glauben konnte, dass das passiert ist. Das war einfach purer Frust und Ärger."

Er selbst meint, dass es der "größte Fehler war, den ich in meiner Karriere gemacht habe". Russell wollte alles geben, um den zehnten Platz zu behalten. "Das hat uns erst in diese Position gebracht, aber genau aus diesem Grund ist es auch so geendet."

Ob er Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel hätte hinter sich halten können, das weiß er nicht. "Es wäre schwierig geworden", meint der Williams-Pilot. "Darum habe ich auch so hart gepusht, denn ich konnte sehen, dass die Reifentemperaturen in den Keller gingen - und die anderen waren auf neuen heißen Reifen."

Dennoch glaubt er, dass sein erster WM-Punkt möglich gewesen wäre: "Ich denke, wir hatten genügend Pacevorteil auf der Gerade, um sie hinter uns halten zu können", so Russell. "Es wäre zwar sehr, sehr schwierig geworden, aber ich glaube, wir hätten sie abwehren können."

Russell sieht das Positive: Aus eigener Kraft gekämpft

Umso enttäuschter war er natürlich, als ihm dieser "Schülerfehler" passierte. Trotzdem versucht er positiv nach vorne zu blicken: "Es gibt vieles, worüber wir an diesem Wochenende glücklich sein können. Wir waren unheimlich schnell - zumindest relativ -, und ich habe definitiv aus dieser Erfahrung gelernt. Die Autos sind brutal und können dich in jedem Moment erwischen."

Vier Rennen stehen in dieser Saison noch aus, und Russell glaubt, dass man dauerhaft vor Alfa Romeo und Haas landen kann - und wenn es andere wie Sebastian Vettel oder Lance Stroll in Imola nicht richtig hinbekommen, dann sieht er auch diese in Reichweite.

Dass er nun noch weiter auf seinen ersten Punkt warten muss, belaste ihn aber nicht. Zwar wäre der erste Punkt großartig, in erster Linie wolle man aber aus jedem Wochenende einfach das beste Ergebnis herausholen. "Als Rennfahrer muss man auf das große Ganze schauen. Und als Rennteam wollen wir aus eigener Kraft in diesen Positionen sein - so wie heute."

Ohne die Ausfälle von Max Verstappen und Pierre Gasly hätte man das ganze Rennen um Platz zwölf gekämpft. "Und darauf können wir stolz sein, denn im vergangenen Jahr waren wir nicht einmal nah dran, das 18. schnellste Auto zu haben. Und jetzt hatten wir ein Wochenende, an dem wir uns aus eigener Kraft auf Rang 13 qualifiziert haben und knapp außerhalb der Punkte gefahren sind."

"Und ich bin sicher: Wenn wir die Möglichkeit haben, jede Woche in die Punkte zu fahren, dann blicken wir auf diese Momente zurück und sagen: Es waren schwierige Jahre, aber sie haben uns stärker gemacht", so Russell. "Wenn ich vielleicht in fünf Jahren zurückschaue, dann kann auch ich sagen: Das hat mich zu einem besseren Fahrer gemacht."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.