Vettels Prognose und eine Überraschung: So stark sind die Teams

Franziska Wendler, Patrick Hauser
Sport1

Der Countdown vor dem Saisonstart in der Formel 1 läuft.

Am 15. März startet Lewis Hamilton in seine mögliche Rekordsaison, an deren Ende er mit Rekordweltmeister Michael Schumacher gleichziehen und seinen siebten WM-Titel einfahren will.

In den vergangenen beiden Wochen hatten die Teams bei den Testfahrten in Barcelona insgesamt sechs Tage lang Zeit, um ihre Form zu testen und sich für den Start im australischen Melbourne in Topform zu bringen.

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Auffällig ist schon jetzt die Zuverlässigkeit der Boliden. "Es ist erstaunlich, wie wenig rote Flaggen wir in diesem Jahr hatten", sagte Haas-Teamchef Günther Steiner bei motorsport-total.com.

Obwohl im Vergleich zum vergangenen Jahr zwei Tage weniger Zeit zum Testen war, absolvierten alle Teams problemlos lange Stints und kamen auf insgesamt 7.744 Runden (Vorjahr: 8.774).

SPORT1 fasst die wichtigsten Erkenntnisse der Testfahrten zusammen:

Mercedes erneut Topfavorit

Nach sechs Weltmeister-Titeln in Folge gelten die Silberpfeile auch in diesem Jahr als bestes Team. "Mercedes sind die Favoriten. Ihre Form sah sehr stark aus", sagte Red-Bull-Boss Christian Horner.

Und auch Sebastian Vettel ist von den Silberpfeilen überzeugt. "Im Moment ist Mercedes absolut top. Wann immer sie rausfahren, sind sie ganz locker vorne", sagte der viermalige Weltmeister und prognostiziert für den Saisonauftakt: "Ich sehe Mercedes als Favorit in Melbourne."

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Vor allem mit der neuartigen zweiaxialen Lenkung - genannt DAS - haben die Silberpfeile die Konkurrenz überrascht.

Wofür genau die neue Konstruktion gut ist, ist noch nicht hundertprozentig klar. Experten vermuten aber, dass Mercedes damit die Reifentemperatur besser managen kann. In der modernen Formel 1 wäre das ein großer Trumpf, welcher einen entscheidenden Vorteil im Titelrennen bescheren könnte.

"Auf einigen Strecken wird es sich kaum auswirken, auf anderen Strecken könnte es ein paar Zehntel bringen", mutmaßt Racing-Point-Technikchef Andrew Green.

Doch ganz ohne Probleme gingen die Tests auch bei Mercedes nicht über die Bühne. Hamilton wurde am vorletzten Tag durch Motorprobleme gestoppt und auch Bottas haderte diverse Male mit dem Motor. 


"Das ist ein Problem, ganz sicher. Normalerweise sind wir bei den Testfahrten in Bezug auf die Zuverlässigkeit deutlich zuversichtlicher. Es ist kein entspanntes Szenario für uns, aber ich habe vollstes Vertrauen in die Jungs im Werk", äußerte sich Hamilton.

Red Bull schnell – aber instabil?

Red Bull gehört sein jeher zu den Teams, die bei den Testfahrten mit offenen Karten spielen.

Christian Horner zeigte sich mit der Performance des neuen Autos "ziemlich zufrieden". Pilot Max Verstappen beteuerte, dass sich das Auto "gut angefühlt und es definitiv eine Verbesserung" gegenüber dem vorherigen Auto sei.

Bemerkenswerterweise erzielte Red Bull, im Gegensatz zu den meisten anderen Teams, nicht mit den schnellen weichen, sondern mit den härteren Reifen seine Bestzeiten.

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Allerdings sorgte das Team aus Österreich mit seinen vielen Drehern für Fragezeichen. Verstappen verlor innerhalb von sechs Tagen ganze sechs Mal die Kontrolle über sein Auto und damit dreimal so oft wie jeder andere Fahrer.

Beobachter vermuten eine Problematik mit der Stabilität, Verstappen wollte davon jedoch nichts wissen. "Sie fahren nicht das Auto, also wissen sie es nicht", konterte er.

In Sachen Zuverlässigkeit hatte Red Bull mit dem Honda-Motor zumindest bei den Tests Vorteile gegenüber Mercedes.

Das große Rätsel namens Ferrari 

Die Leistung der Scuderia sorgte für reichlich Irritationen. Lange Zeit hinkten die Italiener weit hinter Mercedes hinterher. Teamchef Mattia Binotto unterstrich mit seinen Aussagen die vermeintlich schwachen Leistungen.

"Wir sind sicherlich nicht das schnellste Auto bei den Tests. Unsere Hauptkonkurrenten sind schneller, aber es ist nur der Beginn einer langen Saison", sagte Binotto. 

Bei der Konkurrenz glaubt man diesen Worten jedoch nicht. Viele Teams vermuten, dass Ferrari sein wahres Tempo verheimlicht.


Schließlich zeigte die Scuderia gute Ansätze. Die Motoren liefen zuverlässig und gegen Ende der Testfahrten waren die Zeiten von Leclerc ähnlich denen der Silberpfeile. Gerade bei Longruns ist das Team wohl auf Augenhöhe mit Mercedes.

Im vergangenen Jahr brillierten die Roten bei den Testfahrten, während Mercedes bluffte. Gut möglich, dass Ferrari nun die Rollen tauschen will. Die Medien-Vertreter in Barcelona berichteten jedenfalls von einer entspannten Stimmung in der Ferrari-Box.

Das Mittelfeld - wer wird "Best of the Rest"?

Hinter den drei Topteams kämpfen seit Jahren die anderen Teams um den Titel "Best of the Rest". In diesem Jahr wird vermutlich Racing Point das Überraschungsteam werden, welches den größeren Teams McLaren und Renault ein Schnippchen schlagen könnte.

Deren neues Auto bekam schnell den Titel "rosa Mercedes", weil der Bolide auffällige Ähnlichkeiten mit dem Silberpfeil aus dem vergangenen Jahr hat. Mehrere Mittelfeld-Rivalen äußerten Bedenken, wie es Racing Point gelungen ist, ein Auto ähnlich dem Mercedes zu konzipieren.


Zwar wird der rosa Rennstall in Sachen Motor und Getriebe von den Silberpfeilen beliefert - ein Austausch über die Aerodynamik ist aber verboten. Bei Racing Point versteht man die Aussagen der Rivalen als Kompliment.

"Es ermutigt mich, dass sich die Leute über uns beschweren. Das ist für mich ein guter Hinweis darauf, dass wir etwas wirklich Gutes tun. Wären wir am unteren Ende der Skala, würde niemand erwähnen, was wir überhaupt tun", sagte Green.

Das Coronavirus

Auch in der Formel 1 spielt das Coronavirus eine große Rolle. Die Probleme betreffen aber nicht nur die Gesundheit von Teams und Zuschauern - auch die Logistik kann zum Problem werden. Italien und Japan gehören zu den Ländern, in denen das Virus am stärksten grassiert.


Japan ist die Heimat von Honda, das Red Bull und Alpha Tauri mit Motoren beliefert. Italien wiederum nicht nur die Heimat von Ferrari, die zudem auch noch Haas und Alfa Romeo unterstützen, sondern auch Heimat von Alpha Tauri und Reifenhersteller Pirelli.

Was passiert also, wenn eines der Länder, die die ersten Saisonrennen veranstalten, Japanern, Italienern oder Angehörigen anderer Länder die Einreise verbietet? Ferrari soll deshalb sogar bereits über einen Verzicht des Australien-GP nachdenken.

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