Gucken oder nicht? So gut ist die Amazon-Serie über den BVB

Matthias Becker
Sport1

Die Augen von Marco Reus hängen an den Lippen von Dr. Markus Braun.

Als das magische Wort von der "Freigabe" fällt, entspannt sich die Stimmung in dem kleinen Behandlungszimmer, in dem BVB-Kapitän Reus in Unterhosen und schwarzem T-Shirt auf der Behandlungsliege liegt.


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Es sind Szenen wie diese, die Fans und Medien normalerweise nicht zu sehen bekommen. Sie finden die positive Meldung, dass Reus nach seinem Muskelfaserriss wieder ins Mannschaftstraining einsteigen darf, üblicherweise auf den vereinseigenen Social-Accounts.

Man habe "das Schlüsselloch mal ein bisschen aufdrehen" wollen, sagt Carsten Cramer. Er ist bei Borussia Dortmund einer von drei Geschäftsführern, das Marketing ist eines seiner Fachbgebiete. Deshalb ist es kein Wunder, dass Cramer am Mittwochabend einen sehr zufriedenen Eindruck machte im Signal Iduna Park.

Da feierte der BVB mit vielen glücklichen Fans, Partnern und weiteren geladenen Gästen die Premiere der Doku-Serie "Inside: Borussia Dortmund", die in der Rückrunde gemeinsam mit Partner Amazon Prime Video umgesetzt wurde.


Global Player Amazon, der vergangenes Jahr mit "All or Nothing: Manchester City" die erste große Doku über einen europäischen Spitzenverein aufgelegt hatte, zieht jetzt also auch in Deutschland nach. SPORT1 war bei der Premiere dabei und erklärt Ihnen, ob die Serie nur etwas für BVB-Fans ist, die mal durchs Schlüsselloch gucken wollen - oder auch für alle anderen Fußballbegeisterten.

- Wie ist die Serie entstanden?

In der Rückrunde der vergangenen Saison wurde der BVB-Tross intensiv von Aljoscha Pause und dessen Team begleitet. Der prämierte und erfahrene Filmemacher (u.a. "Trainer!", "Being Mario Götze", "Tom meets Zizou") durfte überall dort hin, wo normalerweise nur der engste Zirkel des Vereins Zugang hat: In die Kabine, in Mannschaftsbesprechungen, zum Meeting des Ärzte- und Reha-Teams und eben sogar bis ins Arztzimmer von Dr. Braun.


Aus dem umfangreichen Material ist eine vierteilige Serie entstanden, die Amazon Prime Video ab dem Tag des Bundesliga-Saisonstarts am Freitag weltweit seinen Kunden zugänglich machen wird. Vom 16. August an wird es jede Woche eine neue Folge geben.  

- Was bekommen die Zuschauer zu sehen?

Vieles, was sie kennen, aber auch einiges, was in Deutschland so von einem Bundesliga-Team noch nicht zu sehen war. Grundsätzlich orientiert sich der Hauptstrang der Serie an den Spielen der Rückrunde. Deshalb gibt es ausgiebige Spielszenen und Interviews rund um die Partien.


Immer wieder verlässt Pause aber auch den normalen Spiel-Alltag, um eben genau die Schlüsselloch-Momente zu schaffen, die die Folgen auch für Nicht-BVB-Fans interessant machen können.

Da sehen die Zuschauer, was in der Halbzeit in der Kabine wirklich los ist, was es bedeutet, wenn ein Spieler wie Reus sich im Individualtraining fit macht und wie detailliert das tägliche Leben der Profis vom Verein begleitet wird. Sei es bei der Ernährung oder beim Sprachkurs.

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- Was sind die stärksten Szenen?

Die spannendsten Momente entwickelt die Dokumentation immer dann, wenn der Blick hinter die Kulissen über das Interview mit Verantwortlichen oder Spielern hinausgeht. Für den größten Lacher beim Premieren-Event sorgten die Bemühungen von Axel Witsel und Paco Alcácer, gemeinsam mit ihrer Deutsch-Lehrerin den Satz 'Sie geht in den Hühnerstall' sauber auszusprechen.

Wenn die Ernährungsberaterin mit dem Teamarzt und dem Lizenzspieler-Abteilungsleiter Sebastian Kehl darüber diskutiert, warum das Handy-Verbot beim Team-Essen manchmal gelockert werden müsste, damit die Spieler ihr Fotos ihrer Mahlzeiten und Getränke schicken können, hat man fast schon ein bisschen Mitleid mit den Profis.


Und die Emotionen kommen ohnehin nicht zu kurz. Sei es bei den Spielszenen aus dramatischen Partien der vergangenen Saison oder beim historischen Rückblick auf den Weg des BVB von den Gründerzeiten der Bundesliga bis heute. Hier können BVB-Fans tief abtauchen in herrliche, alte Bilder und nochmal in Erinnerung schwelgen an frühere Helden und große Erfolge.

- Was sind die Schwächen?

Beim historischen Rückgriff und auch bei den Spiel-Sequenzen bewegt sich die Doku - zumindest in Folge 2, die am Mittwoch vorab gezeigt wurde - auf einem schmalen Grat. Diese Parts haben für das allgemeine Publikum womöglich einige Längen.

Geplant waren vier Folgen à 45 Minuten, gesendet werden nun aber insgesamt etwa 240 Minuten. Für Fans der Borussia ist das sicher eine gute Nachricht. Wie es bei allen anderen ankommt, wird sich dann ab Freitag zeigen.

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- Was sagen die Spieler?

Die Hauptdarsteller von "Inside: Borussia Dortmund" fühlten sich durch die permanente Begleitung durch Kameras nach eigener Aussage nicht beeinflusst. "Irgendwann hast Du dich dran gewöhnt", sagte Marco Reus vor der Premiere: "Es war schon eine andere Situation, weil die Kamera tagtäglich dabei war, in der Kabine – die eigentlich das Heiligtum einer großen Mannschaft ist. Von daher war das eine Anpassung, aber später hat es dann keine Rolle mehr gespielt."


Angst, dass unerwünschte Szenen auf dem Bildschirm landen, habe man nicht gehabt, versicherte Torwart Roman Bürki. "Die Verantwortlichen hätten schon einen Riegel vorgeschoben, wenn etwas wirklich nicht okay gewesen wäre", erklärte er.

- Ist die Serie nur etwas für BVB-Fans?

Nein, das sicher nicht. Natürlich werden die Abrufzahlen unter Schalke- oder Bayern-Fans nicht astronomisch hoch sein. Aber die Abläufe innerhalb eines Profi-Vereins genauer kennenzulernen, zu sehen, wer eigentlich gemeint ist, wenn immer vom "Team hinter dem Team" oder dem "Staff" gesprochen wird, ist spannend. Zumal es diese Einblicke bei einer Bundesliga-Mannschaft in dieser Form noch nicht gab.


Anhänger anderer Sport-Dokumentationen wie "Hard Knocks", "All or Nothing" oder auch des großartigen "Sunderland 'til I Die" von Netflix werden sich womöglich aber noch etwas mehr Zugang durch sonst verschlossene Türen erwarten.

Dafür, dass der BVB gewagt hat, diesen Schritt zu gehen, ist es aber eine gelungene Premiere. Und dass Aljoscha Pause mit dem Thema Fußball wunderbare Filme machen kann, bestätigt er auch hier.  

"Inside: Borussia Dortmund" gibt es ab Freitag, 16. August zum Abruf bei Amazon Prime Video

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