Haas vor dem Rätsel: Mit welcher Spec geht es weiter?

Norman Fischer
motorsport.com

"Das ist das seltsamste Auto, mit dem ich je gearbeitet habe", sagt Haas-Teamchef Günther Steiner. Der VF-19 gibt dem Rennstall weiter Rätsel auf - auch nach dem intensiven Testwochenende von Hockenheim. Dort hatte Haas erneut die alte Melbourne-Spec gegen die brandneue Hockenheim-Version antreten lassen und im Training zudem noch die Barcelona-Variante getestet.

Doch die Erkenntnisse sind weiterhin verwirrend: Am Freitag war Romain Grosjean mit dem Melbourne-Auto deutlich schneller, am Samstag-Vormittag schien Kevin Magnussen mit der neuen Variante besser zu sein. Im Qualifying hatte wieder Grosjean die Nase vorn, bevor sich beide im Rennen bei schwierigen Bedingungen ungefähr auf Augenhöhe begegneten.

Hinzu kommt, dass man im Qualifying weiter zu den schnellsten Teams im Mittelfeld gehört, im Rennen aber teilweise höchstens die Williams bezwingen kann. "Das ist erstaunlich", sagt Steiner. "Ich kann mich nicht an so etwas erinnern. Das macht es noch schwieriger, denn man kann nicht sagen, dass man einfach zurückwechselt, weil man immer langsam ist ...", hadert er. "Ich bin perplex."

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Steiner: Es geht in die richtige Richtung

Der Grundbaustein liegt im Europaauftakt: "Irgendetwas muss mit dem Barcelona-Update passiert sein", sagt Grosjean, der schon frühzeitig auf das alte Fahrzeug umsteigen wollte, um die Probleme zu analysieren. In Silverstone wurde dann der erste Test mit unterschiedlichen Autos gefahren, doch nach der Kollision in der ersten Runde kam man nicht weit.

Grosjean wird wohl auch in Budapest auf das Melbourne-Auto setzen

Grosjean wird wohl auch in Budapest auf das Melbourne-Auto setzen <span class="copyright">LAT</span>
Grosjean wird wohl auch in Budapest auf das Melbourne-Auto setzen LAT

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"Ich habe keine Ahnung", wirft Magnussen ein. "Wenn es kalt ist, ist das Auto echt phänomenal. Es ist ein komplett anderes Auto", so der Däne, der daraus schließt, dass das Melbourne-Fahrzeug etwas konstanter mit den Temperaturen umzugehen scheint.

Grosjean ist mit seinem alten Auto auf jeden Fall sehr glücklich, wie er sagt, auch wenn ihm etwas an Abtrieb fehlt. Für ihn ist dabei vor allem der Reifen der limitierende Faktor: "Auf einem neuen Reifen kannst du seine Arbeit leisten, aber wenn der Effekt von neuen Reifen erst einmal weg ist, wird es schwierig, denn es ist halt einfach ein neun Monate altes Auto. Trotzdem ist das Gefühl sehr gut."

Ungarn als weiterer Test

Das scheint auch Magnussen bemerkt zu haben, der in Ungarn gerne auch auf die Melbourne-Spezifikation wechseln würde. Das ist jedoch für Teamchef Steiner keine Option, auch wenn man in Budapest aller Voraussicht nach weiter auf die unterschiedlichen Chassis setzen wird, um vor der Sommerpause weitere Erkenntnisse zu gewinnen.

Welche Spezifikation dann in der zweiten Saisonhälfte zum Einsatz kommt, steht noch nicht fest: "Erst müssen wir verstehen, was hier vor sich geht", sagt Steiner. "Dann können wir eine Lösung finden."

Günther Steiner versteht die Animositäten des VF-19 auch nicht so recht

Günther Steiner versteht die Animositäten des VF-19 auch nicht so recht <span class="copyright">LAT</span>
Günther Steiner versteht die Animositäten des VF-19 auch nicht so recht LAT

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Bis zum Saisonende auf zwei unterschiedliche Specs zu setzen, sei aber kein Teil der Lösung. Haas muss sich auch im Hinblick auf die Zukunft auf eine Richtung festlegen - selbst wenn das im Zweifel bedeutet, dass man das neue Konzept komplett kippt und als Fehlschlag abstempelt. "Wenn wir zu dem Schluss kommen, dass das Melbourne-Auto schneller ist, würden wir auf das Melbourne-Auto wechseln", betont der Teamchef.

"Wir müssen mutig genug sein, um zu sagen, dass wir vielleicht in die falsche Richtung gegangen sind", meint er weiter. "Du musst ehrlich sein. Du kannst nicht einfach sagen, dass etwas besser ist, nur weil es neu ist. Besser ist das, was schneller fährt. So einfach ist es."

Weiterer Co-Autor: Jonathan Noble, Stuart Codling. Mit Bildmaterial von LAT.

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