Halbjahresbilanz an der Börse: GAFAM-Aktien, Tesla und Zoom trotzen Corona

Nils JacobsenWirtschaftsjournalist und Techblogger
Yahoo Finanzen
Bär und Bulle: Lieferten sich im ersten Halbjahr 2020 ein episches Duell an der Börse (Foto: © Deutsche Börse AG)
Bär und Bulle: Lieferten sich im ersten Halbjahr 2020 ein episches Duell an der Börse (Foto: © Deutsche Börse AG)

Was waren das für sechs Monate an den Weltbörsen! Das Coronavirus versetzte die Märkte rund um den Globus zunächst in Schockstarre, die sich jedoch noch schnell wieder löste. Vor allem die GAFAM-Aktien überstrahlten wieder einmal alles. 

“Prognosen sind äußerst schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“, pflegte der große amerikanische Schriftsteller Mark Twain einst zu sagen. Zu Beginn des neuen Jahrzehnts rechneten Auguren mit vielem – nur nicht mit einer globalen Pandemie.

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Wäre auf einer Silvesterparty ein Satz gefallen wie „Müssen wir bei einer zweiten COVID-19-Welle wieder in den Lockdown?" – er wäre nicht einmal mit überhöhtem Alkoholgenuss zu erklären gewesen. Doch Menschen und Märkte gewöhnen sich bekanntlich an vieles.    

Das Coronavirus trat praktisch mit Neujahr in China auf den Plan – und wurde von den westlichen Kapitalmärkten zwei Monate lang komplett ignoriert. Mitte Februar fragte ich noch an dieser Stelle, ob Anleger angesichts der aufziehenden Pandemie das Black Swan-Risiko ignorieren? Gut eine Woche später riss der Schwarze Schwan die Märkte dann wie noch nie in die Tiefe. 

Börsen auf Speed: Schneller Kurssturz und schnellste Kurserholung aller Zeiten 

36 Prozent büßte der US-Leitindex Dow Jones binnen vier Wochen, 40 Prozent gar der Dax ein – größere Kursverluste hatte es nie in einem schnelleren Zeitraum gegeben. Und eine schnellere Erholung ebenfalls nicht. Mitte März noch notierte der Dax nach dem schnellsten Absturz in den Bärenmarkt bei rund 8000 Zählern und der Dow Jones bei 18.000 Punkten.

Wie Anleger von Trends profitieren können

Elf Wochen später haben Anleger dies- und jenseits des Atlantiks zwischen 50 und 60 Prozent an Kurszuwächsen verbucht, wenn sie lediglich auf die Leitindizes gesetzt haben. Auf den dramatischsten Crash aller Zeiten folgte damit die spektakulärste Erholung aller Zeiten

Allein: Die Flut hob nicht alle Boote gleichmäßig – einige wurden nach kurzen Turbulenzen regelrecht weiter nach oben gespült. Während Dax und Dow Jones trotz der furiosen Aufholjagd zwischen 8 und 10 Prozent im Minus notieren, haben die üblichen Verdächtigen erneut zugelegt. 

GAFAM weiter auf der Überholspur

Das Tech-Quintett um Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet und Facebook zählt zu den großen Gewinnern der Corona-Krise. Am schwächsten performte noch Google-Mutter-Alphabet, brachte Anleger aber dennoch seit Januar ein Plus von knapp 5 Prozent ein. Um 7 Prozent seit Jahresbeginn liegen die Anteilsscheine von Facebook vorn. Ein größeres Plus hatte der jüngste Werbeboykott zunichtegemacht, der die Aktie am Freitag allein um acht Prozent in die Tiefe zog.  

Bemerkenswert unbeschadet ist unterdessen der nach Saudi Aramco zweitwertvollste Konzern der Welt durch die erste Phase der Corona-Zeit gekommen: Obwohl Apple bereits im ersten Quartal durch den Lockdown in China die iPhone-Absätze wegbrachen und der iPhone 12-Launch in Zeiten wirtschaftlicher Herausforderungen kaum zum Selbstläufer werden dürfte, legten die Anteilsscheine des Kultunternehmens aus Cupertino seit Jahresbeginn um 23 Prozent zu.      

Amazon und Netflix nicht aufzuhalten

Mit einem Plus von 26 Prozent noch dynamischer performte der ewige Rivale aus Redmond. Microsoft setzte seinen enormen Aufwärtstrend unter CEO Satya Nadella vor allem wegen der immer wieder wachsenden Bedeutung des Cloudgeschäfts fort und knackte erstmals in der 45-jährigen Konzerngeschichte die Bewertungsmarke von 1,5 Billionen Dollar. 

Microsoft dicht auf den Fersen ist der Überflieger der GAFAM-Gruppe – Amazon. Der E-Commerce-Pionier legte seit Jahresbeginn enorme 45 Prozent an Wert zu und klettert von Woche zu Woche auf neue Allzeithochs. Kaum zu glauben: Vor dreieinhalb Monaten waren die Anteilsscheine noch für Kurse unter 1600 Dollar zu haben, nun müssen 2700 Dollar bezahlt werden, um Besitzer auch nur einer einzigen Amazon-Aktie zu werden.     

Zu den absoluten Krisengewinnern avancierte neben Amazon auch eine weitere Aktie aus dem FANG-Komplex: Netflix, das 2020 bislang um 38 Prozent zulegte. Beide Internetunternehmen profitieren als Stay-at-Home-Aktien direkt von den Folgen des Lockdowns sowie der zu Hause verbrachten Zeit.

Tesla, Shopify und Zoom Überflieger 

Mit ausgewählten Tech- und Internetaktien konnten Anleger gar Kursgewinne einstreichen, die für Jahre reichen. E-Commerce-Plattform-Anbieter Shopify, der vom deutschen CEO Tobias Lücke gegründet und geführt wird, legte seit Jahresbeginn enorme 132 Prozent zu und stieg zum wertvollsten Konzern Kanadas auf. 

Ebenfalls mehr als eine Kursverdopplung gelang dem glamourösesten und nach Toyota inzwischen zweitwertvollsten Autobauer der Welt – Tesla. Nach einer Schlingerfahrt im vergangenen Jahr startete der von Elon Musk geführte Elektroautopionier auf der Überholspur durch und knackte nach einem Kursplus von 140 Prozent dabei gar erstmals die Marke von 1000 Dollar. 


Den Jackpot hätten Anleger indes mit Zoom geknackt: Der Anbieter von Videokonferenzen wurde zum Synonym der in der Corona-Zeit im Lockdown zu Hause verbrachten Arbeitszeit – und konnte seit Jahresbeginn enorme 266 Prozent an Wert gewinnen. 

Lesen Sie auch