Hamann und Salihamidzic im Streit: Dem FC Bayern nicht würdig

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Yahoo Sport Deutschland

Der FC Bayern München steckt im Clinch mit TV-Experte Didi Hamann. Die Antwort von Sportdirektor Hasan Salihamidzic war in ihrer Härte völlig überzogen. Das sollte nicht das Niveau des deutschen Rekordmeisters sein. Ein Kommentar von Yahoo-Autor Ben Barthmann.

FC Bayern Münchens Sportdirektor Hasan Salihamidzic hat auf Didi Hamann geantwortet. (Bild: Getty Images)
FC Bayern Münchens Sportdirektor Hasan Salihamidzic hat auf Didi Hamann geantwortet. (Bild: Getty Images)

Es könnte alles so gut sein zum Wochenstart in München. Der FC Bayern hat die Patzer der Konkurrenz genutzt, um der Tabellenspitze etwas näher zu kommen, gegen Schalke wurde manches Problem immer kleiner. Und doch sieht Ruhe beim Trainingsstart anders aus.

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Hasan Salihamidzic steckt im Streit mit TV-Experte Didi Hamann. Dieser hatte Stürmer Robert Lewandowski öffentlich für seine mangelnde Team-Fähigkeit kritisiert, mit etwas Verspätung lederte Bayerns Sportdirektor plötzlich los und legte Pay-TV-Sender Sky sogar nahe, Hamann vor die Tür zu setzen.

Die Reaktion von Salihamidzic fiel dabei deutlich zu heftig aus und unterstrich das Bild des unerfahrenen Funktionärs, der sich in seiner Rolle noch immer zurechtfindet. Zumal die Hamann-Kritik eigentlich keiner objektiven Überprüfung standhält.

FC Bayern hätte Kritik von Hamann aussitzen können

Eine nüchterne Betrachtung der Lage hätte die Aussagen von Hamann innerhalb weniger Stunden vergessen gemacht. Zu unfundiert, zu sehr auf Krawall ausgerichtet. Lewandowski hat in einer schwierigen Saison bislang 21 Tore in 26 Spielen erzielt und weitere sieben Assists gegeben – warum sollte es ihn interessieren, was im TV gesprochen wird?

Der FC Bayern hätte die Diskussion einfach auslaufen lassen können. Hamann hätte kurz seine Aufmerksamkeit gehabt und wäre danach wieder in der Versenkung verschwunden, wie die zig anderen TV-Experten, die täglich ihre Meinung zum Geschehen in der Bundesliga abgeben.

Wirklich entsichert wurde das gesamte Thema erst durch die Reaktion Salihamidzics. Klar, natürlich darf ein Verein seine eigenen Spieler in der Öffentlichkeit schützen und muss das vielleicht manchmal auch. Aber Lewandowski ist nun kein junges Talent mehr, das vor Kritik aus der Presse abgeschirmt werden muss, sondern ein mündiger und eigenständiger Profi.

Antwort von Salihamidzic war dem FC Bayern nicht würdig

Nun hat Lewandowski in der Vergangenheit Rückendeckung vom Verein gefordert. Und Salihamidzic wird eine Gelegenheit wahrgenommen haben, sein Profil endlich zu schärfen und den ihn seit Monaten begleitenden Ruf des kaffeekochenden Hoeneß-Gehilfen, der er sicherlich nicht ist, loszuwerden.

Diesen wird er aber nicht mit derart plumpen Worten wie vom Samstag ablegen. Die Wutrede von Salihamidzic wirkte wie ein beleidigender Ruf durch eine im Streit fast schon zugedonnerte Tür: Des Rekordmeisters und auch dem Sportdirektor des größten deutschen Klubs nicht angemessen.

Natürlich muss sich Lewandowski nichts gefallen lassen.  Aber Hamann hat niemanden beschimpft, er hat keine Entlassung gefordert, sondern lediglich eine kontroverse Meinung in seiner Funktion als TV-Experte bekanntgegeben. So läuft das Geschäft, auch davon lebt der Fußball.


Lewandowski hatte eigentlich schon alles gesagt

Es hätte den Bayern, gerade mit den Reaktionen auf die historische Pressekonferenz aus dem Oktober 2018, besser zu Gesicht gestanden, hätte der Klub die persönliche Ebene gemieden und eine professionelle, nüchterne oder vielleicht auch augenzwinkernde Antwort gegeben.

Salihamidzic aber schoss weit, weit über das Ziel hinaus. Nicht zum ersten Mal wurde deutlich, dass er als Sportdirektor in der Öffentlichkeit nicht funktioniert. Angesichts derartiger Szenen wie am Samstag wird sich das Bild der Unerfahrenheit weiter verfestigen.

“Es interessiert mich nicht, was jemand über mich sagt. Ganz besonders nicht, wenn es totaler Blödsinn ist”, hatte Lewandowski auf Hamanns Kritik geantwortet. Das hatte eigentlich gereicht. Vielleicht hätte es Salihamidzic nur wiederholen sollen.

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