Hamburger Polizei-Tweet sorgt für Rassismus-Debatte

Moritz PiehlerFreier Autor
Yahoo Nachrichten Deutschland

Es sollte ein Scherz sein, um die aufgeheizte Stimmung zu lockern. Doch ein Tweet der Hamburger Polizei löste so heftige Kritik aus, dass er inzwischen gelöscht wurde.

Dieser Tweet der Polizei Hamburg kam angesichts der aktuellen Rassismus-Debatte bei vielen Menschen nicht gut an. (Quelle: Twitter / Polizei Hamburg)
Dieser Tweet der Polizei Hamburg kam angesichts der aktuellen Rassismus-Debatte bei vielen Menschen nicht gut an. (Quelle: Twitter / Polizei Hamburg)

Auch die Polizei setzt inzwischen gerne auf Soziale Medien, um sich bürgernah und freundlich zu zeigen. Ideal geeignet dafür sind Tiergeschichten. Eigentlich völlig unverfängliches Terrain, sollte man meinen. Doch so einfach ist es in der momentanen Lage nicht, in der sich die Polizei weltweit heftigen Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt sieht.

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In Hamburg postete die Polizei nun also ein Foto auf ihrem Twitter-Account von einer ordentlichen kleinen Reihe weißer Schwäne, die auf einem Bürgersteig im Hamburger Stadtteil Billstedt von einer Polizeistreife begleitet werden. “Immer schön der Reihe nach” stand in der Bildbeschreibung. So weit wäre es wohl ein unproblematischer Post gewesen. Doch irgendwer in der Social Media Abteilung kam auf die Idee, noch einen Satz hinzuzufügen: “Hätten wir übrigens auch für schwarze Schwäne gemacht.” Der Satz traf mitten ins Herz der aktuellen Polizeidiskussion.

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Sensibilität des Themas merklich unterschätzt

Denn dieser Versuch viralen Humors kam just, während viele Menschen auf die Straße gehen, um gegen Polizeigewalt zu demonstrieren. Und während wegen einer satirischen taz-Kolumne über die Polizei gerade ein aufgeregter Diskurs innerhalb der Zeitung und öffentlich ausgetragen wird, in den sich sogar Horst Seehofer einmischte. Erwartungsgemäß ging das Vorhaben der Hamburger Polizei ziemlich nach hinten los. Die Reaktionen auf den inzwischen gelöschten Tweet zeigen auch, wie empfindlich die Stimmung momentan ist.

Auch die heftigen Ausschreitung in Stuttgart zeigen ein tieferliegendes Problem, selbst wenn sich dort eine Mischung aus verschiedensten Faktoren entlud. In jedem Fall ist es ein Klima, in dem die Polizei behutsam mit ihren öffentlichen Äußerungen umgehen sollte. Das sah man auch in Hamburg ein und ersetzte den Schwanen-Tweet durch eine Entschuldigung. Der Tweet habe lediglich das “Selbstverständnis unseres Polizeialltags betonen” sollen. Man habe die Sensibilität des Themas aber offenbar unterschätzt.

Doch auch die Reaktionen auf dieses Zurückrudern fielen unterschiedlich aus. Während einige Twitter-User das Löschen des Original-Tweets und die Erklärung ausreichend fanden, sahen andere das Grundproblem dadurch nicht adressiert.

Allerdings gab es auch viele User, denen die Aufregung um den Tweet zu weit ging und die dahinter vorauseilenden Gehorsam der Political Correctness gegenüber sahen.

Der Polizei-Tweet und die nachfolgende Reaktionen zeigen, wie weit der Weg in der gemeinsamen Debatte noch ist.

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