Hamilton verrät Erfolgsgeheimnis: Wie er sechsfacher Weltmeister wurde

Maria Reyer

Lewis Hamilton ist der Gejagte in der Formel-1-Saison 2020. Der Mercedes-Pilot steuert in der bevorstehenden Weltmeisterschaft seinen siebten WM-Titel an, er würde damit mit Rekordchampion Michael Schumacher gleichziehen. Am Rande der "Gran Turismo World Finals" in Monaco hat der Brite über seinen Schlüssel zum Erfolg gesprochen.

Schon vor dem Rennstart entscheidet sich viel. Die Vorbereitung habe er über die Jahre stark umgestellt, verrät Hamilton. "Da hat jeder so seine Eigenheiten. Ich mache jetzt vor dem Start auch ganz andere Dinge, als ich noch in meiner Kartzeit gemacht habe. Das ist ein Lernprozess", weiß der Titelverteidiger.

"Im Endeffekt geht es darum, entspannt zu sein." Um "in die Zone" zu kommen und mental und körperlich auf den bevorstehenden Wettkampf völlig fokussiert zu sein, verbringt der Brite vor dem Start einige Zeit damit, Dehnübungen durchzuführen. "Das wird immer wichtiger, je älter man wird."

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Vor dem Rennen: "In die Zone" kommen mit Dehnübungen

Der 35-Jährige achtet außerdem auf seinen Atem und Herzrhythmus. "Es geht auch darum, dass ich weiß, was auf mich zukommt. Ich stelle immer sicher, dass ich den Kurs gut studiert habe und die Einstellungen, die ich auf einer Runde oder auch mit der Strategie ändern muss. Dieser Prozess ist mir persönlich sehr wichtig."

Ist der Rennstart geglückt, dann muss sich Hamilton auf das Fahren konzentrieren. In den vergangenen Jahren habe er sich deshalb immer tiefer in die technische Materie der Formel 1 eingearbeitet, betont er. "Was den Fahrstil betrifft, muss ich den jedes Jahr ein wenig anpassen aufgrund der neuen Reifen."

Zwar werden auch 2020 die Pirelli-Pneus des Vorjahres verwendet, sein Auto wird jedoch definitiv neu sein. "Manchmal hast du ein Auto, das zu Übersteuern neigt, manchmal eines, das zu Untersteuern neigt. Zum Beispiel war [der W10 2019] eher ein untersteuerndes Auto."

Fahrstil jedes Jahr anpassen: Bremspunkte der Schlüssel

Er habe daher an den 21 Rennwochenenden vor allem versucht, mit der richtigen Balance gegen das Untersteuern anzukommen. Allerdings sei das je nach Streckenlayout und Beschaffenheit ein schwieriger Akt gewesen.

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Schließlich brauche ein Pilot viele Kapazitäten, um den Fokus zu bewahren und gleichzeitig Einstellungen zu ändern und sich auf die Duelle auf der Strecke zu konzentrieren. Hinzukommen außerdem Funksprüche von der Kommandozentrale, die einen Fahrer ebenso wenig aus der Fassung bringen dürfen.

Während der Qualifyings sprechen die Ingenieure nur in ausgewählten Streckenabschnitten mit den Fahrern, bevorzugt auf langen Geraden. "Ich mag es gar nicht, wenn jemand am Teamfunk mit mir in der Kurvenmitte spricht, denn da habe ich sowieso alle Hände voll zu tun."

"Denn wenn sie mit dir sprechen und du bremst gerade eine Kurve an, dann ist das eine Ablenkung. Manchmal habe ich schon zwei Zehntel oder eine halbe Sekunde dadurch verloren, das kann sehr frustrierend sein." Die Kommunikation mit den Ingenieuren möge demnach möglichst klar besprochen sein, rät er.

Strategie: "Ich hinterfrage alles, was sie mir sagen"

Nach dem Zeittraining habe er besonders viel Zeit, um viele Dokumente zu studieren, verrät der Weltmeister. Am Sonntagvormittag bespricht er dann mit seinen Strategen mögliche Szenarien. "Ich hinterfrage ständig alles, was sie mir sagen."

Nicht immer ist der Brite überzeugt von den Vorschlägen seines Teams, am Boxenfunk äußerte er sich in der vergangenen Saison mehrfach kritisch. Bei seinem Heimrennen in Silverstone überstimmte er gar seine Mannschaft. "Sie verlangten einen zweiten Stopp, aber ich dachte, dass einer schneller wäre. Ich blieb draußen und es hat funktioniert."

Nicht nur das Reifenmanagement ist eine hohe Kunst, auch das Spritsparen müssen Formel-1-Fahrer beherrschen. "Das ist relativ einfach", stellt er fest. "Ich denke, ich wurde über die Jahre einfach besser." Generell hält er außerdem fest: "Es gibt so viele verschiedene Aspekte an meinem Job, nicht nur das Fahren."

Teamwork: Der Fahrer als Motivator und Vorbild

Auch die Arbeit mit dem Team ist wichtig, gleichsam auch die PR-Arbeit. "Und ganz am Schluss versuche ich auch noch ein wenig zu trainieren und Zeit mit der Familie zu verbringen. Diese Balance zwischen all den verschiedenen Aufgaben zu finden, ist aber nicht einfach."

Hamiltons oberstes Prinzip lautet: "Ich gebe alles, damit ich in allem, was ich tue, auch Spaß habe - auch wenn es sehr hart ist." Als Fahrer agiert er außerdem als Motivator und Vorbild für seine Kollegen im Team. Die Chemie scheint zu stimmen: "Ich versuche immer, ein bisschen Spaß reinzubringen."

Als Beispiel nennt er einen Mitarbeiter im Team, der immer sehr negativ und pessimistisch an ein Rennwochenende herangegangen sei. "Ich habe ihm gesagt, dass seine negative Energie sich auf unser Projekt überträgt und dass er seine Einstellung überdenken soll. Jetzt lächelt er jeden Tag, das hat wirklich einen Unterschied gemacht."

Und so reflektiert Hamilton auch seine eigene Wahrnehmung: "Wenn ich irgendwo hinkomme, wo ich nicht sein will, dann spürt jeder meine Negativität. Daher versuche ich immer, die beste Version meiner selbst zu sein." Auch im Team sei das der Fall. An schlechten Tagen baue er seinen Renningenieur Peter Bonnington auf, oder umgekehrt. "Das macht wahres Teamwork aus."

Mit Bildmaterial von LAT.

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