Hamilton-Vertrauter rügt Kritiker: "Er ist ein sehr warmherziger Mensch"

Juliane Ziegengeist
motorsport.com

Auch wenn seine sportlichen Erfolge für sich sprechen, ist Lewis Hamilton ein Fahrer, der polarisiert. Sein Hang zur Selbstinszenierung schmeckt nicht jedem. Einer, der in der Formel 1 eng mit ihm zusammenarbeitete und ihn auch von seiner anderen Seite kennt, ist Matt Bishop, langjähriger PR-Chef bei McLaren.

"Es ist ein sehr warmherziger Mensch", schwärmt der Brite noch heute im Podcast 'In The Pink'. Oft würden das die Menschen nicht realisieren. "Sie sehen nur die Instagram-Version mit seiner exzentrischen Kleiderwahl. Was mir übrigens völlig egal ist. Ist doch seine Sache, was er trägt. Und ich finde das sogar ganz cool."

Dass Hamilton sein Herz am rechten Fleck trägt, illustriert Bishop an einer ganz besonderen Geschichte aus seiner Formel-1-Zeit. "Ich hatte ihm gerade ein Medienbriefing gegeben, musste dann aber aus dem Raum gehen", erinnert er sich. "Ich sagte zu ihm: 'Lewis, warte hier, ich muss kurz weg.' Ich war damals bei McLaren."

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Und auf einmal ist Lewis Hamilton am Telefon

Als er weg war, klingelte sein Telefon. Auf dem Display stand "Mama". "Also nahm er den Anruf an: 'Hallo. Sie müssen Matts Mama sein. Ich bin Lewis.' Sie brauchte ein Weilchen, um zu kapieren, dass sie nicht auf den Arm genommen wird. Sie hatte damals schon Krebs, war aber geistig noch voll da - wenn auch körperlich eingeschränkt."

Bishops Mutter realisierte schließlich, dass da wirklich Lewis Hamilton am anderen Ende der Leitung war - "und sie hatten eine nette Unterhaltung". Als Bishop zurückkam, hatte Hamilton schon aufgelegt. Er erzählte ihm nichts vom Plausch mit der Mutter. "Erst als ich am nächsten Tag mit ihr telefonierte, erfuhr ich davon."

Vor allem zu Beginn von Hamilton Karriere verbrachte Bishop viel Zeit mit ihm

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Vor allem zu Beginn von Hamilton Karriere verbrachte Bishop viel Zeit mit ihm Motorsport Images

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"Sie erzählte mir: 'Nett von Lewis, dass er mit mir gesprochen hat.' Ich dachte zuerst: 'Oje, jetzt fängt sie an verrückt zu werden.' Aber sie erklärte mir dann alles", rekapituliert der Brite die kuriose Situation. Später erlag seine Mutter ihrem Krebsleiden. Die Formel 1 gastierte zu dem Zeitpunkt - 2013 - gerade am Hockenheimring.

Als Bishops Mutter starb, nahm Hamilton Anteil

"Lewis fuhr da schon für Mercedes-Benz, ich war noch bei McLaren", blickt Bishop zurück. "Wir waren nicht einmal mehr im gleichen Team. Ich war nicht bei dem Rennen, weil meine Mama am Donnerstag davor gestorben ist." Stattdessen nahm er in England im Kreise seiner Familie, Nachbarn und Freunde Abschied von ihr.

Und wieder klingelte das Telefon: "Um 22 Uhr unserer Zeit, 23 Uhr deutscher Zeit. Es war Lewis. Ich ging ran, war aber sehr überrascht. Wir arbeiteten ja nicht mehr zusammen. 'Lewis, ich bin nicht in Deutschland.' Da sagte er: 'Ich weiß, Matt, ich weiß. Ich habe gerade in diesem Moment erfahren, dass deine Mutter heute gestorben ist."

Hamiltons Worte hat er noch genau in Erinnerung. "'Ich wollte dir und deiner Familie nur mein Beileid aussprechen. Und falls du gerade bei deiner Familie bist, sag ihnen bitte, dass ich deine Mutter heute Abend in meine Gebete einschließen werde. Gott beschütze sie, Gott beschütze dich'", sagte er zu seinem einstigen PR-Manager.

Bishop weiß, dass nur wenige so aufrichtig sind und betont: "Das ist die Seite von Lewis, die die Menschen nicht immer sehen und von der sie oft gar nichts wissen. Ich erzähle die Geschichte aber gern, wenn mir jemand weismachen will, dass er kein guter Mensch ist. Er ist ein fantastischer Kerl, für den ich mir immer gern Zeit nehme."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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