Hamilton wäre nicht mehr am Leben, hätte man auf ihn gehört

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Hamilton wäre nicht mehr am Leben, hätte man auf ihn gehört
Hamilton wäre nicht mehr am Leben, hätte man auf ihn gehört

Dass die Formel 1 ein lebensgefährlicher Sport ist, ist gemeinhin bekannt.

Auch die Fahrer werden durch schwere Unfälle immer wieder daran erinnert, dass ihr Leben vergänglich ist. Umso wichtiger daher das Engagement der Königsklasse, die Sicherheitsvorkehrungen immer weiter zu verbessern. Doch nicht alle Maßnahmen sind über die Jahre gut angekommen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Vier Jahre ist es inzwischen her, dass die Formel 1 beschlossen hat, mit Beginn der Saison 2018 den Sicherheitsbügel „Halo“ einzuführen. Eine Vorrichtung, die den Fahrer im Cockpit schützen soll.

Einer der größten Gegner seinerzeit war Lewis Hamilton. Bei Instagram schrieb er: „Bitte nicht!“. Man solle doch lieber auf „die hässlichste Modifikation in der Formel-1-Geschichte“ verzichten. „So, wie es ist, ist es völlig in Ordnung.“

Von dieser Ansicht dürfte inzwischen absolut nichts mehr übrig geblieben sein, musste der Brite doch am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn einem der Heiligenschein das Leben rettet.

Halo hat Hamilton das Leben gerettet

Beim Großen Preis von Italien in Monza kam es in der 26. Runde zwischen ihm und Max Verstappen zu einer Auseinandersetzung.

Der Crash der beiden Top-Fahrer war an sich gar nicht so spektakulär und gefährlich, beide Boliden verkeilten sich aber so unglücklich, dass der Red Bull von Verstappen ausgehebelt wurde und auf dem Mercedes seines Konkurrenten landete.

Spätestens das später von FIA-Präsident Jean Todt gepostete Foto machte eines deutlich: Hätte der Cockpitschutz nicht Schlimmeres verhindert, wäre Hamilton erst vom Unterboden und dann vom rechten Hinterrad des Niederländers mit voller Wucht getroffen worden.

„Halo hat Lewis definitiv das Leben gerettet. Es wäre ein ganz fürchterlicher Unfall gewesen, wenn wir Halo heute nicht gehabt hätten. Ich will gar nicht dran denken“, erklärte Mercedes-Teamchef Toto Wolff nach dem Rennen.

Auch die internationale Presse stellte die Bedeutung der Vorrichtung heraus. „Es wurde kritisiert, dass er von der Ästhetik der Autos mit offenem Cockpit ablenkt - aber er hat wiederholt Leben gerettet“, schrieb der Guardian. Die Sun konstatierte, dass Hamilton „dem Tod von der Schippe gesprungen“ sei.

Hamilton mit Schmerzen im Nacken

Noch demütiger gab sich der siebenmalige Weltmeister selbst. Als er sich den Fragen der Journalisten stellte, berichtete er von Schmerzen im Nacken, die er von einem Spezialisten behandeln lassen will. Dabei hatte er zunächst gar nicht gemerkt, was ihm gerade widerfahren war.

„Es ist alles so schnell gegangen. Im ersten Moment dachte ich nur daran, wie ich da wegkommen und wie viele Positionen ich verliere.“ (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

Wenig später wurde dem 36-Jährigen aber mehr als nur bewusst, wie viel Glück er hatte. „Ich danke Gott für Halo, der hat mich gerettet. Wir nehmen immer Risiken in Kauf, aber das zeigt, wie fragil wir sind. Heute muss jemand von oben auf mich herabgeblickt und mich beschützt haben“, schrieb er in den sozialen Netzwerken.

Große Hilfe bei Feuer-Crash in Bahrain

Ganz neu ist die Erkenntnis, dass er mit seiner Einschätzung aus dem Jahr 2017 falsch lag, aber nicht. Denn bereits im November 2020 erwies sich der aus der Flugzeugindustrie übernommene Titan-Bügel, der in Büren bei Paderborn gebaut wird, und der auf eine Belastung von bis zu 27 Tonnen ausgelegt ist, als Lebensretter. (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

Beim Bahrain-Grand-Prix erlitt Romain Grosjean seinerzeit einen der schlimmsten Unfälle seit langem. Mit Höchstgeschwindigkeit prallte sein Auto in die Leitplanke und ging in Flammen auf. Erst nach 27 Sekunden konnte sich der Pilot aus der Feuerhölle befreien.

Doch dazu wäre es nie gekommen, hätte ihn nicht zuvor der Halo das Leben gerettet. „Ohne das System wäre Romain Grosjean vermutlich geköpft worden“, konstatierte Hamilton nach dem Rennen.

Grosjean überlebte dank Halo

Auch Grosjean selbst, der ursprünglich gegen die Einführung gewesen war, revidierte seine Meinung: „Heute denke ich, es ist das großartigste Ding, was die Formel 1 entwickeln konnte. Ohne Halo könnte ich euch jetzt nicht mehr diese Nachricht senden“, sagte er in einem Twitter-Video aus dem Krankenhaus.

Die Liste der Piloten, die sich einst gegen die Einführung des Bügels wehrten, ist lange. Nico Hülkenberg sprach damals davon, dass man „den Motorsport nicht komplett sterilisieren“ sollte, Max Verstappen erklärte, dass die „ohnehin schon sehr gute Sicherheit dadurch nicht erhöht“ werde.

Aussagen und Meinungen, die längst ihre Gültigkeit verloren haben.

Verstappen erkundigte sich nicht

Nach dem Crash in Monza herrschte bei Hamilton derweil vor allem Erleichterung. Auf dem langen Fußmarsch in die Boxengasse hatte der Brite Zeit zum Nachdenken. Dass Kontrahent Verstappen sich nach dem Crash nicht nach dem Wohlbefinden des Mercedes-Piloten erkundigte, fand dieser “ein bisschen überraschend. Wenn wir solche Unfälle haben, dann ist doch das Erste, dass ich mich danach erkundige, ob es dem anderen gut geht, ob er okay ist.“

Der Niederländer verstand die Aufregung um seinen Abgang wenig überraschend nicht. „Lewis hat versucht, mit dem Rückwärtsgang wegzufahren. Wenn es dir nicht gut geht, machst du das nicht“, erklärte er. (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Mit der Startplatzstrafe gegen Verstappen beim nächsten Grand Prix dürfte aber auch bei Hamilton der Ärger verraucht sein.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die „hässlichste Modifikation der Formel-1-Geschichte“, wie Hamilton den Schutzbügel einst nannte, ihm nun das Leben gerettet hat.

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