Dieser Sieg zeigt auch ein großes Problem des BVB

Jonas Nohe
·Lesedauer: 3 Min.

Drei Spieler hatte BVB-Trainer Edin Terzic in der Startformation für das Champions-League-Spiel beim FC Sevilla im Vergleich zum müden 2:2 gegen die TSG Hoffenheim ausgetauscht.

Drei, nicht elf.

Und doch schien es am Dienstagabend, als stünde da beim 3:2-Sieg auf dem Rasen des Estadio Ramón Sánchez Pizjuán eine komplett neue Mannschaft.

Marwin Hitz, der gegen Hoffenheim mehrfach gewackelt und einmal übel gepatzt hatte, war ein sicherer Rückhalt.

Vor ihm stimmte die defensive Grundordnung, die in den vergangenen Wochen allenfalls sporadisch zu erkennen war, bis auf die Standardsituation zum späten 2:3 plötzlich beinahe lückenlos.

Jadon Sancho dribbelte und trickste auf einmal wieder wie der alles überragende Offensivkünstler, der in der vergangenen Saison 40 Scorerpunkte gesammelt hatte.

Kapitän Marco Reus ging mit konsequentem Anlaufen als leuchtendes Dortmunder Pressing-Beispiel vorneweg und bereitete das 3:1 perfekt vor.

So wie zuletzt immer spielte eigentlich nur einer: Erling Haaland - was in seinem Fall ausdrücklich positiv gemeint ist. (Spielplan und Ergebnisse der Champions League)

Hat das BVB-Team plötzlich Terzic verstanden?

Woher aber die plötzliche Leistungsexplosion?

"Wir sind auf dem Weg der Besserung. Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass wir das noch in dieser Saison sehen werden", hatte Mats Hummels nach dem biederen Auftritt gegen die TSG fast schon trotzig prophezeit.

Ist jetzt also ausgerechnet in den vergangenen vier Tagen der Knoten geplatzt? Hat die Mannschaft Terzics Idee von Fußball plötzlich verstanden?

Abwarten.

Kritiker werfen den BVB-Profis schon seit längerem vor, ihr Potenzial oftmals nur in den Spielen gegen größere Gegner abzurufen - die Angsthasen-Auftritte gegen die Bayern unter Lucien Favre mal ausgenommen.

Ein K.-o.-Spiel in der Königsklasse, das ist so ein typisches BVB-Spiel. Man erinnere sich nur zurück an das begeisternde Achtelfinal-Hinspiel gegen den späteren Finalisten Paris Saint-Germain vor ziemlich genau einem Jahr.

Im Derby gegen Schalke zählt es für Dortmund

Nach dem Spektakel von Sevilla steht jetzt aber wieder Liga-Alltag an: Erst das Derby bei Schlusslicht Schalke 04 am Samstag, eine Woche später das Heimspiel gegen den Tabellen-16. Arminia Bielefeld.

Glänzen kann man da kaum, zu gewinnen gibt es diesmal aber deutlich mehr als nur sechs Punkte und einen Derbysieg.

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Zum einen das zuletzt verloren gegangene Vertrauen der eigenen Fans.

Zum anderen die Chance, diese Saison auch in der Bundesliga doch noch zu einem versöhnlichen Abschluss zu bringen und sich für die Champions League zu qualifizieren.

Auch wenn zuletzt vermehrt Zweifel an der Zusammenstellung des Dortmunder Kaders aufkamen, ein größerer Umbruch im Sommer von vielen Experten als alternativlos angesehen wird: Auch dieses aktuelle Team gehört zweifelsfrei zu den vier besten deutschen Fußballmannschaften.

Ihm bleiben 13 Bundesliga-Spieltage, um eine Serie zu starten und das unter Beweis zu stellen.

Dass es möglich ist, hat der BVB in Sevilla eindrucksvoll gezeigt. Jetzt muss er es auch gegen Schalke, Bielefeld und Co. auf den Rasen bringen.