Darum hat Klose das Zeug zum Top-Trainer

Martin Hoffmann
Sport1

Als Spieler entwickelte er sich zum Rekord-Torjäger der deutschen Nationalmannschaft. Entwickelt er sich nun auch zum Rekord-Trainer?

Seit mittlerweile dreieinhalb Jahren feilt Miroslav Klose an seiner Karriere nach der Karriere, beim DFB und beim FC Bayern München - wo er nach Wunsch von Hansi Flick in der kommenden Saison zum Co-Trainer aufsteigen soll.

Klose wird auch Teilnehmer des kommenden Trainerlehrgangs an der DFB-Akademie sein, dem "Ort, an dem die Weltspitze entwickelt wird". So zumindest lautet der Anspruch, den Lehrstättenleiter Tobias Haupt im SPORT1-Interview formuliert hat. Klose solle "bestmöglich" ausgebildet werden, um diesen Anspruch zu erfüllen.

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Hat Klose das Format, zum Welttrainer zu werden? Es gibt durchaus Gründe, die dafür sprechen.

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Miroslav Klose beflügelt Fantasien

Bislang hat der 41-Jährige das große Scheinwerferlicht zwar gemieden, trotzdem oder gerade deswegen beflügelt der U17-Coach der Bayern schon viele Fantasien.

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Flick preist ihn als potenzielle "Bereicherung" seines Stabs, Jupp Heynckes' langjähriger Co-Trainer Peter Hermann bei SPORT1 als "super Wahl" des FCB-Coachs.

Kloses Herangehensweise, als Jugendcoach klein anzufangen, den Job "von der Pike auf" und fernab der großen Medienaufmerksamkeit zu lernen, überzeuge ihn.

Karriere-Plan ist lang gereift

"Mit dem Gedanken, Trainer zu werden, beschäftige ich mich schon sehr lange", berichtete Klose SPORT1 schon vor seinem Karriere-Ende bei Lazio Rom 2016: "Die Philosophien und Taktiken der unterschiedlichen Trainer, die ich in meiner Karriere erleben durfte, haben mich immer fasziniert. Ich bin überzeugt, dass ich mit diesen Einflüssen und einigen neuen Ideen viel bewirken kann."

Klose spielte unter anderem unter Ottmar Hitzfeld, Jürgen Klinsmann und Louis van Gaal, bei Werder Bremen jahrelang unter Thomas Schaaf.

Als großen Lehrmeister betrachtet Klose vor allem aber auch Bundestrainer Joachim Löw - an dessen Seite er auch seine ersten Schritte ins Trainerleben machte.


Von Joachim Löw beim DFB viel gelernt

Im Herbst 2016 startete Klose ein individuelles Ausbildungsprogramm beim DFB, lief bei den U-Mannschaften mit, diente Joachim Löw als Stürmertrainer - und lernte nach eigenen Angaben viel, trotz der missglückten WM-Kampagne 2018.

"Ich nehme die taktische Finesse mit, die Jogi Löw hat. Da ist er ohnehin die Nummer eins", zog er nach seiner Zeit beim DFB Bilanz: "Dazu kommt das Zwischenmenschliche. Er hat ein Gespür für Spieler, für den Zusammenhalt in der Gruppe."


Ähnliches wird nun auch Klose attestiert. Flick - Löws Co-Trainer, als Klose 2014 mit ihm den WM-Titel in Brasilien holte -, strich vor kurzem auch die "hohe Sozialkompetenz" seines Wunsch-Assistenten heraus.

Klares Konzept beim FC Bayern München

Nach der WM 2018 folgte Kloses Wechsel zur U17 des FC Bayern, die er in der vergangenen Saison auf den ersten Platz der B-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest führte - und sich dabei ebenfalls Zeit nahm, sich das Handwerk in Ruhe anzueignen. Die größten Schlagzeilen gab es, als er im Sommer 2019 das Angebot von Sportdirektor Hasan Salihamidzic ablehnte, schnell in die U19 aufzusteigen.

Klose wollte aber eben nichts überstürzen. "Wenn ich etwas anpacke, muss ich zu 100 Prozent überzeugt sein, um die optimale Leistung zu bringen", sagte er damals dem kicker.


Über seine Schwächen redete Klose dabei so offen, dass es schon wieder Selbstbewusstsein ausstrahlte. Zum Beispiel hatte er den Eindruck, dass er auf "Änderungen im Spiel zu spät" reagierte, wollte deshalb lernen, "noch schneller eingreifen zu können".

Akribie und Gewissenhaftigkeit eine Stärke

Klose will es genau wissen und gewissenhaft machen. So war er schon immer.

In seiner Biografie "Miro" beschrieb Autor Ronald Reng 2019, wie Klose selbst bei Physiotherapeut Klaus Eder nachbohrte, ob er gerade einen Muskel oder einen Nerv in Bearbeitung habe.

Die Anekdote ist beispielhaft für die Akribie, mit der Klose als Spieler an sich gearbeitet hat - und sich so als Spätstarter, der mit Anfang 20 noch in der Regionalliga-Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern spielte, zum Weltstar entwickelte.

Ebendiese Akribie offenbart Klose nun auch. Er habe einen "klaren Plan für seine Karriere", betonte er einmal. Man darf es als Verheißung betrachten.

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