Das Hauen und Stechen in Bayerns Abwehrzentrum

Florian Plettenberg, Jona Gollwitzer
Sport1

Alphonso Davies kam als Linksaußen und spielte sich als Linksverteidiger in die Herzen der Bayern-Fans.

Eine Position, die er erstmals unter Niko Kovac eingenommen hatte und auf die er sich unter dessen Nachfolger Hansi Flick zur Stammkraft entwickelt hat. Mit nunmehr 45 Millionen Euro Marktwert ist er laut transfermarkt.de bereits der drittwertvollste Linksverteidiger der Welt.


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"Ich sehe mich auch in der Zukunft als Linksverteidiger und glaube nicht, dass sich daran so schnell etwas ändern wird", ließ Davies Anfang der Woche auf SPORT1-Nachfrage aufhorchen. Zudem unterzeichnete er einen richtungsweisenden neuen Vertrag bis 2025.

Eine interessante Ansage des Kanadiers, die für die Defensiv-Planungen des FC Bayern nicht unwesentlich ist.

Was passiert mit Alaba?

Davies kam hinten links zunächst nur deshalb zum Zug, weil die Bayern in der Innenverteidigung massive Verletzungssorgen hatten und David Alaba dort aushelfen musste.

Der Österreicher, für Davies ein "Weltklasse-Spieler", wurde in den vergangenen Monaten wiederum zum Abwehrboss im Defensiv-Zentrum auserkoren und ist dort eigentlich nicht mehr wegzudenken. Er akzeptiert seine neue Rolle, liebt sie aber nicht.

Bekanntlich flirtet Alaba noch immer mit einem Sommer-Wechsel zum FC Barcelona, sollte er sich in den kommenden Wochen nicht auf eine Vertragsverlängerung mit den Münchner einigen. Da ihn auch sein Berater Pini Zahavi als einen der weltbesten Linksverteidiger betrachtet, dürfte klar sein, auf welcher Position sich Alaba künftig wieder sehen dürfte. 

Bleibt Alaba unter Flick aber in der Innenverteidigung, wird es richtig spannend. 

Hernández droht Rolle des Backups

Niklas Süle, Abwehrboss unter Kovac, arbeitet nach seinem zweiten Kreuzbandriss im linken Knie am Comeback. Wird der 24-jährige wieder topfit, möglicherweise noch in der laufenden Spielzeit, wird er nach SPORT1-Informationen unter Flick gesetzt sein. Nicht zuletzt aufgrund seiner Schnelligkeit und Zuverlässigkeit.

Im Mitgliedermagazin "51" sagt Süle: "Ich bin hundertprozentig der Meinung, dass ich nach der Reha wieder gestärkt zurückkomme. Ich werde meine Zeit brauchen, aber ich zweifle nicht." Der Abwehr-Hüne selbstbewusst: "Ich werde hart an mir arbeiten, dann habe ich es ganz allein in der Hand, ob ich einer der besten Innenverteidiger der Welt werde oder nicht."

Alaba und Süle könnten das Innenverteidiger-Duo der Zukunft bilden.

Nicht zu vergessen ist allerdings Rekordtransfer Lucas Hernández.

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Der Franzose kam im Sommer für 85-Millionen-Euro Ablöse von Atlético Madrid, konnte sich aufgrund von Verletzungen aber noch keinen Stammplatz erarbeiten. Mannschaftsintern genießt der Weltmeister von 2018 hohes Ansehen, eine Weltklasse-Qualität wird ihm aber nicht bescheinigt. Durchweg überzeugen konnte er in seinen bisher 14 Pflichtspiel-Einsätzen für den FCB auch nicht.

Dauerhaft wird sich Hernández jedenfalls nicht mit der Bank zufrieden geben. Möglich wäre, dass er auf die Position des Außenverteidigers ausweicht - wenn er sich denn dort gegen Davies durchsetzen kann. Bei der WM in Russland war er ein überzeugender Linksverteidiger.


Unvergessen ist allerdings, wie ihn Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge im Juni 2019, bei seiner Präsentation, als "besten Innenverteidiger der Bundesliga" angepriesen hat. Den Beweis blieb Hernández bislang allerdings schuldig.

Wie Alaba ist er ein Linksfuß. Das Experiment mit zwei Linksfüßen in der Innenverteidigung, wie am 22. Spieltag in Köln, hat sich aber nicht bewährt. Bleibt Alaba dem FC Bayern erhalten und setzt Flick auch weiterhin im Zentrum auf ihn, bliebe für den Ex-Madrilenen wohl nur die Rolle des Backups.  

Findet Boateng einen Abnehmer?

Und dann gibt es ja auch noch Jérôme Boateng, der zuletzt neben Alaba wieder zu alter Stärke zurückfand. Sein Vertrag läuft 2021, Boateng gilt auch als möglicher Verkaufskandidat nach dieser Saison. Die Corona-Krise wirbelt den Transfermarkt allerdings kräftig durcheinander. Zudem kassiert der 31-Jährige beim deutschen Rekordmeister ein üppiges Gehalt, was potentielle Abnehmer erstmal aufbringen müssten. Soll heißen: Findet sich kein passender Verein für Boateng, ist es möglich, dass er auch im kommenden Jahr in München spielt. 

Javi Martínez, der sowohl in der Innenverteidigung als auch im defensiven Mittelfeld spielen kann, gilt ebenfalls als möglicher Verkaufskandidat.

Auch Pavard drängt in die Innenverteidigung

Sogar der Kauf eines weiteren Innenverteidigers gilt bei den Bayern keineswegs als ausgeschlossen. Ein Kandidat ist weiterhin Dayot Upamecano von RB Leipzig.

Vernommen haben dürfte man beim FC Bayern auch, dass sich Benjamin Pavard nicht dauerhaft als Rechtsverteidiger sieht. "Wenn ich auf dem Platz stehe, bin ich glücklich - egal, ob als Rechts- oder als Innenverteidiger. Aber davon abgesehen spiele ich lieber in der Innenverteidigung", sagte der Franzose zuletzt im SPORT1-Interview.

Flick ist mit Pavard auf der Außenbahn zufrieden. Er weiß aber auch, dass der 24-Jährige auf dieser Position noch viel Luft nach oben hat.


Auch deshalb wird zur neuen Saison händeringend nach einem Rechtsverteidiger gesucht. Bestenfalls technisch perfekt ausgebildet und schnell. 

Zumal Álvaro Odriozola den FC Bayern nach dieser Saison verlassen und vorerst zu Real Madrid zurückkehren wird. Nach SPORT1-Informationen wollen die Münchner die Leihgabe nicht fest verpflichten, eine Kaufoption gab es ohnehin nicht.

Doch man stelle sich vor: Davies überzeugt weiter auf der linken Abwehrseite, ein neuer Rechtsverteidiger kommt hinzu - dann könnten in Alaba, Süle, Hernández, Boateng, Pavard und vielleicht auch Upamecano gleich sechs Spieler um die zwei Plätze in der Abwehrzentrale konkurrieren.

Ein Hauen und Stechen wäre vorprogrammiert.

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