Havertz-Häme! DFB-Star im Zentrum der Chelsea-Krise

Einst ließ Kai Havertz in einem Interview tief blicken. Der deutsche Nationalspieler ließ die Fans in seine Gefühlswelt eindringen, und da wurde der Druck offenbar, den Havertz ertragen muss.

„Die Leute erwarten, dass du der neue Ronaldo bist“ meinte der 23-Jährige im Mai 2021 im Gespräch mit der SZ. Da hatte er den FC Chelsea bereits zum Sieg der Champions League geschossen.

Friendly fire für Kai Havertz

Wer für 80 Millionen Euro den Klub wechselt, der hat im europäischen Klubfußball die oberste Ebene erreicht. Im Sommer 2020 wurde das Kai Havertz zuteil - mit gerade einmal 21 Jahren.

Für einen jungen Erwachsenen sind derartige Summen wohl kaum zu verkraften, noch schwerer lastet allerdings der Erfolgsdruck auf den schmalen Schultern.

Denn trotz seines heldenhaften Siegtreffers im Finale gegen Manchester City waren die eigenen Anhänger in Wahrheit selten zufrieden mit dem früheren Leverkusener

Noch schlimmer: Die latente Unzufriedenheit verwandelte sich in der laufenden Spielzeit langsam in Häme.

Das „friendly fire“, der Beschuss aus dem eigenen Lager, kulminierte bei der 0:4-Niederlage im FA-Cup gegen Manchester City am Sonntag, als Havertz einen Handelfmeter im „Superman-Stil“ verursachte.

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Kai Havertz schoss Chelsea zum Champions-League-Sieger

Sollte Havertz noch einen Bonus von seinem Finaltreffer 2021 gehabt haben - nun hat er ihn verbraucht.

Dabei hatte noch nie hat ein Deutscher vor ihm einen englischen Klub in seiner Debütsaison zum Titel schießen können. Seine Reaktion nach dem goldenen Tor steht aber wohl stellvertretend für das Verhältnis: Gedämpft, kühl, fast distanziert.

Denn angekommen ist Havertz in London nie so wirklich. Zwar absolvierte der DFB-Star in der vergangenen Spielzeit 47 Pflichtspiele für den FC Chelsea, doch 14 Tore und sechs Assists waren nicht das, was sich viele Blues-Fans versprochen hatten

Auf der Position des falschen Neuners sehen ihn manche Experten als „verschenkt“, der wahre Goalgetter ist er wohl nicht. An die deutschen Stürmerlegenden um Miroslav Klose oder gar in alten Zeiten Uwe Seeler erinnert Havertz auch nicht. Aber muss er das?

Wohl nicht, und doch ist sein Auftrag Tore zu schießen. Und zwar möglichst viele. Kommt er dieser Jobbeschreibung nicht nach, ist objektive Kritik angemessen.

MANCHESTER, ENGLAND - Kai Havertz  (Photo by Matthew Ashton - AMA/Getty Images)
MANCHESTER, ENGLAND - Kai Havertz (Photo by Matthew Ashton - AMA/Getty Images)

WM-Aus, Torflaute und Zehnter der Premier League

So wie in dieser Saison. Mit vier Toren aus 16 Spielen ist Havertz nicht einmal der beste deutsche Torschütze der Premier League. Selbst Mittelfeldmann Pascal Groß von Brighton Hove and Albion übertrumpft den 23-Jährigen.

Ganz zu schweigen von den 21 Haaland-Treffern bei Manchester City, die noch vor der Saison als einer der ärgsten Konkurrenten gehandelt wurden.

Gerade als Havertz im letzten Gruppenspiel der WM dann mit seinem Doppelpack gegen Costa Rica vermeintlich auf die Gewinnerstraße einbog, sich am Boxing Day den Frust des Ausscheidens von der Seele schoss und es bergauf zu gehen schien, folgte das neue Jahr. Und mit ihm die alten Probleme.

So finden sich die Männer von der Stamford Bridge auf Tabellenplatz zehn wieder, zeigen teils desaströse Leistungen und blamierten sich im FA-Cup bei der 0:4-Niederlage gegen ebenjene Skyblues.

Beißende Ironie der Chelsea-Fans

Dabei verschuldete Havertz nach einer gegnerischen Ecke einen Handelfmeter, indem er mit der Hand voraus zum Ball hochstieg und den Ball mit seiner Faust vor dem Kopf des Gegenspielers traf. Der enttäuschte und zugleich verwirrte Blick konstatiert die aktuelle Gemütslage.

In den Sozialen Medien äußern viele Fans ihren Unmut, einige würden Havertz am liebsten wieder loswerden.

In Anlehnung an den deutschen Ex-Trainer Thomas Tuchel sangen sie beim 0:4 im Etihad Stadium: „Wir haben Super Tommy Tuchel“. Und fast wünschte man sich, die Ironie würde in diesen Liedern keinen Platz benötigen. Doch Havertz und Co. liefern aktuell jedweden Grund dafür. Graham Potter muss sich also etwas einfallen lassen, um das Umfeld des Klubs zu besänftigen.

Und Havertz? Der muss einstweilen darauf hoffen, dass er sich mit den Blues aus der Krise windet. Und dass der Spott der eigenen Fans bald der Vergangenheit angehört.