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Doping-Experte fordert Aufklärung von Nadal

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Doping-Experte fordert Aufklärung von Nadal
Doping-Experte fordert Aufklärung von Nadal

Bei den French Open kämpfte sich Rafael Nadal trotz schwerer gesundheitlicher Probleme noch auf unglaublich anmutende Weise zu seinem 22. Grand-Slam-Titel. In Wimbledon musste er nun vor dem Halbfinale gegen Nick Kyrgios aufgeben.

Ein Riss im Bauchmuskel, der schon den Viertelfinalsieg gegen Taylor Fritz zur Qual gemacht hatte, hat ihn veranlasst die Notbremse zu ziehen: „Es macht keinen Sinn zu spielen, wenn ich meine Karriere fortsetzen will.“

Der 36-Jährige will also trotz des Rückschlags nicht aufhören, mit sportlichen Höchstleistung, die mit Blick auf seinen massiv angeschlagenen Körper für weltweite Verblüffung Sorgen - aber zum Teil auch für kritische Debatten.

Nachdem es schon um die Art und Weise, wie sich Nadal in Paris fitspritzen ließ, Diskussionen gab, kamen rund um Wimbledon aufsehenerregende neue Einschätzungen zu der chronischen Krankheit auf, die als Wurzel von Nadals Problemen gilt.

In diesem Zusammenhang spricht nun auch Doping-Experte Fritz Sörgel im Gespräch mit SPORT1 von offenen Fragen - und seiner Verwunderung, warum Nadal sie nicht beantwortet.

Seltenes Syndrom? Deutsche Ärzte melden Zweifel an

Wie sich inzwischen herumgesprochen hat, wurde bei Nadal 2005 das Müller-Weiss-Syndrom diagnostiziert, eine degenerative Erkrankung des Kahnbeins, die zu einer Deformierung dieses Knochens im Mittelfuß führt - und deren Folgen den Spanier zuletzt mehr und mehr belastet haben. Die Rede war zuletzt gar von einer Knochennekrose, einem Absterben des Knochens.

Zu diesem Thema haben sich zuletzt deutsche Mediziner zu Wort gemeldet - und in Zweifel gezogen, ob Nadal wirklich unter diesem Syndrom leidet.

„Ich kann mir schwer vorstellen, dass er einen strukturellen Schaden im Knochen hat, wenn er sich immer wieder dieser enormen Belastung als Spitzensportler aussetzt“, zitierte die Süddeutsche Zeitung den auf Sportverletzungen spezialisierten Münchener Orthopäden Hartmut Gaulrapp: „Diese Erkrankung, wenn sie es denn ist, und Leistungssport - das ist ein Widerspruch in sich.“ Verwunderlich sei außerdem, dass nur Nadals linker Fuß betroffen scheine - das Syndrom trete „eigentlich immer beidseitig auf“.

Ähnlich skeptisch äußerte sich Marcus Schiltenwolf, Leiter der Abteilung für Konservative Orthopädie und Schmerztherapie an der Uniklinik Heidelberg: „Ich glaube nicht, dass Rafael Nadal eine Knochennekrose hat“, sagte er, „denn die schreitet voran und ist mit Hochleistungssport über Stunden nicht vereinbar.“

Das Betäuben der Schmerzen durch Spritzen, das in Paris passiert sein soll, sei eigentlich keine Lösung, Nadal müsste da so hoch dosieren, dass er „keinen Ball mehr treffen und nicht einen Satz durchhalten“ würde.

Spritz-Therapie in Paris sorgte für Wirbel

Nadals Spritzentherapie in Paris sorgte schon nach Roland Garros für Wirbel: Die französischen Radprofis Guillaume Martin und Thibaut Pinot verwiesen auf die strengere „No Needle Policy“ in ihrer Sportart und dass der Vorgang dort wohl als leistungssteigerndes Doping beurteilt würde.

Wichtig zu wissen ist: Nadal ließ sich lediglich bei den French Open spritzen, hat dies selbst als sehr riskant bezeichnet und als Lösung für weitere Turniere kategorisch ausgeschlossen.

Und der Nürnberger Pharmakologe Fritz Sörgel hat bei SPORT1 auch bereits erklärt, dass er sich nicht vorstellen könne, „dass ein Profi wie Rafael Nadal auf schmerzhemmende und zeitgleich leistungsfördernde Substanzen wie beispielsweise Tramadol zurückgegriffen hat“.

Nichtsdestotrotz ergänzt Sörgel nun die Frage, warum Nadal bei dem Thema nicht selbst für Klarheit sorgt.

Doping-Experte Sörgel fordert mehr Transparenz

„Mich überrascht nach wie vor, dass er nicht angibt, was in den Spritzen drin ist“, sagt Sörgel zu SPORT1: „Wenn es etwas ist, was auf der WADA-Liste steht, er es aber für seinen angeblich kranken Fuß braucht, dann muss er ja eine TUE haben, eine Ausnahmegenehmigung. Da wird die Diagnose geprüft. Dann kann er das doch sagen. Es ist dann doch kein Medikament, das ein schlechtes Licht auf ihn wirft.“

Und wenn doch? „Ja, dann muss das diskutiert werden. Seine Gegner und die Öffentlichkeit müssen das wissen dürfen, so verstehe ich den Umgang mit Arzneimitteln bei Leistungssportlern. Jeder und die Öffentlichkeit kennt die Mittel des anderen, sonst ist es doch kein fairer Wettkampf mehr. Warum darf die Öffentlichkeit von so wirklich Privatem wie dem Müller-Weiss-Syndrom wissen, nicht aber wie er es behandelt?“

Personen des öffentlichen Lebens, „die zig Millionen verdienen, weil sie Ungewöhnliches leisten“, könnten sich da nicht auf ihre Privatsphäre berufen, sie müssten „die spezielle medizinische Situation erklären, die das ermöglicht“.

Ein Sportler, „der seinen Sport nur noch ausüben kann, weil er sich tonnenweise Medikamente spritzen lässt, der ist aus meiner Sicht schon dazu verpflichtet, zu sagen, wie das geht“.

Er hätte von Nadal „schon erwartet, dass dort ein klareres Wort kommt“, Sörgel wundert sich außerdem, „dass die internationale Presse darüber nicht so diskutiert. Ich finde das ein bisschen schade.“

Es stelle sich in jedem Fall „die Frage, ob Nadal wirklich noch so ein Vorbild ist, wenn Sport nur noch mit diesen Mitteln stattfinden kann“.

Vorbild Nadal? Ärzte warnen Hobbysportler

Die Frage nach der Vorbildwirkung Nadals hatten zuletzt auch andere Mediziner formuliert - nicht als persönlichen Vorwurf an Nadal, da nicht nur dieser große Risiken für seine Gesundheit für den Erfolg in Kauf nimmt, sondern als Warnung an andere Sportler.

Im Hobbybereich seien „viele mit Schmerzmitteln unterwegs, und das ist eine falsche und oftmals richtig blöde Herangehensweise“, mahnte zuletzt der Wiener Sportarzt Robert Fritz im Standard: „Viele nehmen sogar prophylaktisch etwas, weil sie Angst haben, dass sie Schmerzen bekommen könnten. Und den meisten ist nicht bewusst, welche Nebenwirkungen das haben kann.“

Auch Novak Djokovic ließ sich fitspritzen

In Wimbledon hat sich nun in jedem Fall gezeigt, dass auch Rafael Nadal kein Übermensch ist, der weiter und immer weiter machen kann, was immer passiert.

Womöglich hat auch er bereits aus dem Paris-Kapitel gelernt und zog lieber zurück, statt seine Verletzung schlimmer zu machen wie es Novak Djokovic seinerseits bei den Australian Open in 2021 in Kauf genommen hatte.

Djokovic sagte kurz vor seinem Wimbledon-Sieg rückblickend dazu: „Ich habe damals jedes Schmerzmittel getrunken, das es auf dieser Welt gibt, hatte jede mögliche Therapie und Behandlung, war an Maschinen angeschlossen.“ All dies werde man in einer Dokumentation über ihn zu sehen.

Die Diskussionen, wie die beiden den Tennissport dominieren und die Grenzen des Machbaren verschieben, werden sie wohl weiter begleiten.

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