Das war eine ziemlich üble Nummer

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Das war eine ziemlich üble Nummer
Das war eine ziemlich üble Nummer

Vor einem Jahr verlängerte der 1. FC Köln den Vertrag von Geschäftsführer Horst Heldt vorzeitig bis 2023.

Vereinspräsident Werner Wolf lobte Heldt für seine "Erfahrung, Teamfähigkeit und Klarheit bei Analysen und Entscheidungen". Der Ex-Manager von Stuttgart und Schalke bringe "alles mit, um den FC auch mittel- und langfristig auf einen guten Weg zu bringen." Er, Wolf, sei "ein großer Fan von Kontinuität".

Sonntag, nach dem gelungen Bundesliga-Klassenerhalt, schmiss der 1. FC Köln Heldt raus. Und das war eine ziemlich üble Nummer - eher eines schwach geführten Amateurvereins würdig!

Parallelen zum HSV

Es scheint in Köln wie über Jahre auch beim Hamburger SV: Die, die am lautesten nach Kontinuität schreien - leben sie selbst am wenigsten! Begriffe wie Geduld und Aufbau verschwinden, wenn es mal heiß wird, ganz schnell wieder im Fremdwörterbuch.

In der sportlichen Führung des 1. FC Köln herrscht seit einigen Jahren das Gegenteil von Beständigkeit. Hätte der traditionsreiche Verein vom Rhein im wirtschaftlichen Bereich mit Alexander Wehrle nicht einen der stärksten - und längst auch anderswo hoch geschätzten - Experten am Ruder, wäre mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit schon das komplette Chaos ausgebrochen.

Wehrle lenkt den FC und ist längst der so wichtige Pol, an dem sie sich - bei allen Personalwechseln im Führungsbereich - immer wieder ausrichten. Die Trennung von seinem Geschäftsführer-Kollegen Heldt war, das wird im Verein offen so besprochen, auch nicht Wehrles Einfall.

Kein würdiger Abschied

Dass es nach der gewonnenen Relegation gegen Kiel so schnell ging, war seit Wochen vorbereitet - nur Heldt war nicht im Boot. Es gab keine gemeinsame Saisonanalyse mehr, kein Gespräch über die Zukunft. Stattdessen eine Bekanntgabe, in dem der Betroffene nicht mal mehr selbst zu Wort kam.

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Aber, auch das ist im Grunde ein unkluger Akt, den neuen Trainer Steffen Baumgart hat Horst Heldt noch ausgewählt und geholt. Baumgart, so zitierte der Verein Heldt am 11. Mai, sei "der richtige Mann für den Weg, den wir in den nächsten Jahren gehen müssen". Wir? Wirr. (Das sagt Baumgart zum Heldt-Aus)

Auch Themen wie Kaderplanung und mögliche Neuzugänge besprach Heldt mit Baumgart schon, mit Beratern unterhielt er sich ebenfalls über mögliche Wechsel. Doch jetzt ist mal wieder alles spürbar anders. Auch im Verein, im Team um das Team, selbst in der Mannschaft, schütteln viele mit dem Kopf.

Vertrauen muss wachsen

Heldt war nicht irgendein Vertreter, der mal eben in die Verantwortung gekommen war, sondern hatte schon als Profi 130 Spiele für den FC gemacht. Zumindest eine saubere Trennung hätte man hinbekommen müssen.

Dass es über die vergangene Saison Gründe gegeben hat, die grundsätzlich auch eine Trennung zur Folge haben können - das war für viele am Ende gar nicht das Thema. Dem 1. FC Köln ist Ruhe und vor allem Ausdauer zu wünschen.

Heldts Nachfolger kennen den Verein, kommen nicht von extern, das ist jetzt eine gute Entscheidung. Ein gefestigtes Umfeld, in dem man sich vertraut, wirklich vertraut - so etwas muss wachsen. Das dauert. Und dass man diese Geduld auch hat, davon sollte man als Anführer nicht immer nur sprechen. Das muss man zeigen.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".

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