Helmut Marko: Gasly ist "im Gegensatz zu Kwjat" wiederauferstanden

Maria Reyer
motorsport.com

Red Bull hat es 2019 schon wieder getan. Zum zweiten Mal in der jüngeren Teamgeschichte wurde ein Pilot mitten in der Saison vom Topteam zu Toro Rosso degradiert. Traf es 2016 noch Daniil Kwjat, war 2019 Pierre Gasly der Leittragende. Die Red-Bull-Teamführung wehrt sich gegen das Wort "Degradierung" und erklärt, warum der Fahrerwechsel von Gasly und Alex Albon notwendig und richtig war.

"Jetzt muss ich mich zunächst einmal gegen das Wort 'Degradierung' wehren", entgegnet Helmut Marko im exklusiven Interview mit 'Motorsport-Total.com' auf die Fahrerwechsel von Kwjat/Verstappen 2016 und Gasly/Albon 2019 angesprochen. "Wir reden von Formel 1."

"Wie viele tausende Fahrer träumen und arbeiten, um in die Formel 1 zu kommen? Und jetzt kommt einer von einem Formel-1-Team, das an der Spitze fährt, in ein Team, das im Mittelfeld fährt. Er verdient immer noch Geld und ist auch immer noch in der Königsklasse. Ich würde sagen, das ist ein Eröffnen neuer Chancen und keine Degradierung", verteidigt der Red-Bull-Motorsportkonsulent die Fahrerentscheidungen.

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Wie Gasly im Toro Rosso wieder zu alter Form fand

Aus Sicht der Teamspitze kann Gasly froh sein, bei Toro Rosso eine neue Chance erhalten zu haben. Der Franzose selbst habe das im ersten Moment allerdings nicht so gesehen, weiß auch Marko. "Aber er sieht das jetzt zwischenzeitlich schon anders", berichtet der Grazer.

Er holte den Franzosen nach zwei Jahren im Juniorteam 2019 in die Topmannschaft, dort folgte er auf Daniel Ricciardo nach. Den Platz im Juniorteam besetzte Red Bull mit Alexander Albon neu. Nach zwei schweren Unfällen in den Wintertests war Gaslys Selbstvertrauen allerdings schon vor Saisonbeginn angeknackst.

"Für Pierre war der Saisonstart nach den zwei Unfällen in den Wintertests sehr schwierig", berichtet Christian Horner. "Das hat sein Selbstbewusstsein definitiv beeinträchtigt." Daher gestaltete sich die erste Saisonhälfte "sehr schwierig". Gasly blieb deutlich hinter den Erwartungen, während Teamkollege Max Verstappen Siege und Podestplätze einfuhr.

Brasilien 2019: Gasly feiert sein erstes F1-Podium

Brasilien 2019: Gasly feiert sein erstes F1-Podium <span class="copyright">LAT</span>
Brasilien 2019: Gasly feiert sein erstes F1-Podium LAT

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"Das war ein Missverständnis", klärt der Österreicher auf. Denn in einem Interview am Rande des Grand Prix von Großbritannien wurde er gefragt, ob Kwjat kein Kandidat mehr für den Red-Bull-Sitz 2020 sei. Kurz davor war er noch sensationell in Deutschland auf das Podium gefahren, dennoch wurden Markos Aussagen als Absage interpretiert.

"Wir wussten von all den Daten, was Kwjat kann. Er hat in der ersten halben Saison gute Leistungen hingelegt." Auch in Abu Dhabi sei der 25-Jährige ein gutes Rennen gefahren. Ohne die Kollision von Gasly mit Racing-Point-Fahrer Lance Stroll hätte Toro Rosso gar die Chance gehabt, Renault in der Konstrukteurs-Wertung zu überholen.

"Das wäre natürlich eine späte Genugtuung gewesen", merkt Marko schmunzelnd in Anspielung auf die zerrüttete Beziehung mit dem ehemaligen Motorenlieferanten des Teams an. Was die Entscheidung über das Cockpit 2020 betrifft, habe man sich alle drei Kandidaten (Kwjat, Gasly und Albon) angesehen.

Albon bleibt im Topteam: "Recht einfache Entscheidung"

Anfang November gab das Topteam schließlich die Vertragsverlängerung mit dem Thailänder bekannt. "Albon hat eine unglaubliche Steigerung von Rennen zu Rennen hingelegt. Das, was schlussendlich sehr überzeugend war, war seine Stärke im Rennen, wie er überholt."

Der Rookie sei "außergewöhnlich gut" gefahren in der zweiten Saisonhälfte, wirft Horner ein. "Sein Feedback ist toll, seine Pace verbessert sich ständig, auch auf Strecken, auf denen er zuvor noch gar nie gefahren ist. Er hat sich den Sitz aufgrund seiner Leistung verdient."

Mit Ausnahme von Brasilien (Kollision mit Lewis Hamilton) schaffte es Albon in allen Rennen mit Red Bull unter die Top 6. In Interlagos lag er auf Podestkurs, als ihn der Weltmeister von der Strecke drehte. "Wir sind sehr aufgeregt über sein Potenzial in Zukunft. Das war eine recht einfache Entscheidung, seinen Vertrag mit dem Team als Teamkollege von Max 2020 zu verlängern."

Kwjat: Hat er noch eine Chance auf das Red-Bull-Cockpit?

Kwjat: Hat er noch eine Chance auf das Red-Bull-Cockpit? <span class="copyright">LAT</span>
Kwjat: Hat er noch eine Chance auf das Red-Bull-Cockpit? LAT

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Mit 49 Jahren hat das Toro-Rosso-Duo mehr Jahre auf dem Buckel wie die Red-Bull-Stammfahrer (45 Jahre), auch verfügen sie über die meiste Erfahrung. Könnte es daher sogar möglich sein, dass Daniil Kwjat noch einmal den Sprung in ein Topteam schafft?

"Das glaube ich schon", antwortet der Red-Bull-Motorsportkonsulent bedacht. "Wie gesagt, er muss noch konstanter werden, aber wie schon erwähnt, das letzte Rennen in Abu Dhabi war eines seiner stärksten."

Mit Bildmaterial von LAT.

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