Helmut Marko: "Max Verstappen ist eine Ausnahme-Erscheinung"

Maria Reyer
motorsport.com

"Max ist eine Ausnahme-Erscheinung - in vielen Bereichen", kommt Helmut Marko ins Schwärmen. Der Red-Bull-Motorsportkonsulent blickt im Interview mit 'Motorsport.com' auf die Saison 2019 und die Leistungen seines Schützlings zurück. Dabei verrät der Grazer, wie das erste Aufeinandertreffen mit dem Niederländer verlaufen ist und warum ihn der damals 15-Jährige von Anfang an überzeugt hat.

Verstappen besitze nicht nur ein "außerordentliches fahrerisches Talent", sondern sei auch mental sehr stark, präzisiert Marko. In seinem Büro in der Grazer Innenstadt mit Blick auf den Schlossberg sitzt der 76-Jährige dabei an jenem Tisch, an dem er Verstappen das erste Mal gegenüber saß.

"Da war er ungefähr 15 Jahre [alt]. Normalerweise rede ich rund 20 Minuten mit einem Fahrer, damit ich ein Bild von der Persönlichkeit und der ganzen Struktur bekomme", erzählt der Österreicher. Bei Verstappen war das anders: "Mit Max bin ich eineinhalb Stunden gesessen."

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Formel-1-Einsatz "kein unwesentliches Risiko"

Auch heute noch kann sich Marko an seinen ersten Eindruck erinnern: "Da sitzt ein ganz junger Körper, aber mit einem Geist, der sicher drei bis fünf Jahre voraus war." Mittlerweile habe sich der heute 22-Jährige so weit entwickelt, dass sich Alter und Reife angeglichen haben. "Aber beides ist weit über dem Durchschnitt."

Dem Ex-Rennfahrer war von vornherein klar, dass ihm ein außergewöhnlicher Junge gegenüber saß. Das Gespräch habe deshalb länger gedauert, weil Marko im Hinterkopf schon an einen Formel-1-Einsatz dachte. "Und natürlich, wenn einer 15 Jahre alt ist und nur ein Jahr in einer Formelkategorie hinter sich hat, dann ist das schon ein gewagter Schritt und auch ein nicht unwesentliches Risiko."

Daher musste er sich zunächst einmal länger mit Verstappen unterhalten, um mehr über den jungen Mann zu erfahren. "Ich habe ja dann gesehen, welche Reife er hat und wie viel er in dieser Kartzeit gelernt hat und mit welchem Einsatz er diesen ganzen Rennsport angeht."

Marko: "Ich würde es wieder tun"

Das sei auch Voraussetzung für Red Bull gewesen, um Verstappen schon 2015 das Formel-1-Debüt mit Toro Rosso zu ermöglichen. Damals war der Sohn von Jos Verstappen gerade einmal 17 Jahre und 163 Tage alt - ein neuer Rekord. Begleitet wurde diese Personalentscheidung von viel Kritik.

Red Bull wurde vorgeworfen, unverantwortlich zu handeln. Doch letztlich habe das Experiment gezeigt, dass es sich gelohnt hat - "und auch gut ausgegangen ist". Die Reaktion der FIA ließ nicht lang auf sich warten. Mittlerweile müssen alle Piloten mindestens 18 Jahre alt sein.

Marko spricht von einer "überzogenen Reaktion" und kritisiert das Punktesystem für die Superlizenz. "Ich hoffe, dass das überarbeitet wird, denn es gibt viele Fahrer, die 40 Punkte haben, aber nicht das Potenzial, um in der Formel 1 zu reüssieren und es gibt viele Junge, die den Speed hätten, aber nicht die nötigen Punkte."

Schon einige Formel-1-Fahrer vor Verstappen wären an den 40 Punkten gescheitert, unter anderem Kimi Räikkönen, Jenson Button oder auch Pascal Wehrlein. Verstappen hat vor seinem Formel-1-Debüt nur eine Saison Erfahrung im Formelsport (Formel-3-EM) sammeln können. 2016 wurde er schließlich ins Topteam Red Bull befördert.

"Also Max hat unglaubliche Emotionen und Reaktionen ausgelöst, aber im Nachhinein würde ich es wieder tun", betont Marko. Mittlerweile durfte er mit dem Niederländer acht Grand-Prix-Siege und 23 weitere Podestplätze feiern.

Verstappen ist außerdem zum Teamleader bei Red Bull aufgestiegen. 2019 schlüpfte der Niederländer bei Red Bull in diese Rolle. Nach dem Abgang von Daniel Ricciardo war er plötzlich die klare Nummer 1 im Team. Abgesehen von ein paar wenigen Ausnahmen habe das sehr gut "geklappt", ist Marko erfreut.

Mit Bildmaterial von LAT.

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