Hertha-Präsident trotzt hohen Verlusten

Präsident Kay Bernstein von Hertha BSC hat nach 140 Tagen im Amt eine positive Bilanz gezogen.

„Wir müssen diesen Verein einen. Ich finde, dass wir das gemeinsam bravurös geschafft haben“, sagte der frühere Berliner Ultra. Der Verein sei „nahbarer und demütiger geworden“.

Immer wieder stellte Bernstein das "ganzheitliche Miteinander" heraus. "Wir sind wie eine Familie, wir sind Herthaner", betonte er und erntete großen Applaus der 1502 anwesenden Mitgliedern in der Messehalle 21 in der Hauptstadt.

Dazu setzt sich Bernstein insbesondere für die Gründung einer Frauenfußball-Abteilung und den Blindenfußball ein. "Wir wollen uns daran messen, weil es uns wichtig ist, Frauenfußball zu etablieren", sagte er und scherzte: "Wir sind die Letzten, die starten. Wir brauchen die Fehler der anderen nicht nochmal machen."

Im vergangenen Jahr wuchs die Mitgliederzahl der Hertha auf 44.211 an. Diese sollen in Zukunft eine neue Heimat erhalten. Die Pläne für ein neues, eigenes Stadion werden vorangetrieben. Im kommenden Sommer steht eine Machbarkeitsprüfung im Olympiapark an. Bis 2030 soll die Arena stehen.

Trotz aller Euphorie schließt Hertha das abgelaufene Geschäftsjahr 2021/22 mit einem satten Verlust von 79,8 Millionen Euro abgeschlossen. Das gab Geschäftsführer Thomas E. Herrich auf der Mitgliederversammlung der Berliner am Sonntag bekannt.

Damit wuchs der Schuldenberg erneut deutlich an, allein in den vergangenen drei Jahren erwirtschaftete der Klub ein Minus von 211 Millionen Euro.

„Es ist eine herausfordernde Situation“, sagte Herrich: „Es bedarf einer wirtschaftlichen Konsolidierung. Wir müssen Kosten in allen Bereichen reduzieren. Nicht nur im Personaletat, sondern auch in allen anderen Bereichen.“

Mit Blick auf mögliche Spielertransfers in der Winterpause sei die „Handlungsfähigkeit von Fredi Bobic erheblich eingeschränkt“.

Die seit 2019 von Windhorst investierten 375 Millionen Euro waren vor allem ins Eigenkapital geflossen. Dieses wurde aufgrund des Verlusts um fast 80 Millionen Euro auf 29,5 Millionen „erheblich reduziert“, wie Herrich anmerkte.

Windhorst hatte Anfang Oktober im Zuge der Spionage-Affäre um Ex-Präsident Werner Gegenbauer erklärt, sein Engagement als Investor beenden zu wollen.

Dem Verein bot Tennor an, die Mehrheits-Anteile in Höhe von 64,7 Prozent zum Kaufpreis zurückzukaufen - die Hertha müsste dafür 374 Millionen Euro aufbringen.