Herve Poncharal: Wie für Tech 3 der Wechsel von Yamaha zu KTM war

Gerald Dirnbeck
motorsport.com

Das französische Tech-3-Team wurde im Jahr 1989 gegründet und ging ab 1990 in der 250er-Klasse an den Start. Nachdem in den ersten Jahren Motorräder von Honda und Suzuki eingesetzt wurden, erfolgte 1999 der Wechsel zu Yamaha. Im Jahr 2000 lieferten sich die Tech-3-Fahrer Olivier Jacque und Shinya Nakano ein Duell um die Weltmeisterschaft. Jacque holte sich den Titel. 2001 wechselte Tech 3 mit beiden Fahrern in die Königsklasse. Weiterhin war Yamaha der Partner.

Diese Zusammenarbeit mit Yamaha endete mit Saisonende 2018. Poncharal entschied sich für einen Wechsel zu KTM. Wie schwierig war es für das Team und die Mechaniker, nach so vielen Jahren mit einem komplett anderen Motorrad zu arbeiten? "Als wir begonnen haben mit KTM zu arbeiten, war klar, dass das Konzept komplett anders ist", sagt Poncharal im Gespräch mit 'Motorsport.com'. "Wir haben etwas anderes erwartet und es war auch sehr anders."

"Wir haben gesehen, dass es länger gedauert hat, etwas am Motorrad zu verändern, als bei der Yamaha. Das war interessant, KTM mitzuteilen. Bei Yamaha war es so, dass wir etwas bekommen und genutzt haben. Yamaha hat sich um unsere Aussagen nicht gekümmert, weil es für sie ein Motorrad der Vergangenheit war. Seit wir bei KTM sind, kommen sie zu uns, fragen uns und hören zu. Wir haben Meetings mit dem Werksteam, die Crew-Chiefs tauschen sich aus. Jeder kann seine Meinung vertreten."

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Herve Poncharal hat den Wechsel von Yamaha zu KTM in die Wege geleitet

Herve Poncharal hat den Wechsel von Yamaha zu KTM in die Wege geleitet <span class="copyright">LAT</span>
Herve Poncharal hat den Wechsel von Yamaha zu KTM in die Wege geleitet LAT

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"Wir sehen auch, dass es eine Reaktion gibt", sagt Poncharal. "Seit unserem ersten Test im November hat sich das Motorrad stark weiterentwickelt. Ich meine damit gar nicht die Performance auf der Strecke, sondern Dinge wie Zugänglichkeit, um rascher etwas am Set-up zu ändern. Wenn man in der Box Zeit spart, gewinnt man Zeit auf der Strecke. Das war sehr wichtig. Die Arbeit für die Mechaniker wurde erleichtert. Ich glaube, das hat sich KTM gewünscht. Mit vier Fahrern hat man vier Feedbacks."

Pit Beirer: Viele Wünsche von Tech 3 fließen ins Motorrad ein

Diesen Eindruck bestätigt auch KTM-Motorsportchef Pit Beirer im Gespräch mit 'Motorsport.com': "Herve und seine Truppe hat unglaublich viel MotoGP-Erfahrung. Die Servicefreundlichkeit am Fahrzeug kann ich nur bestätigen. Seine Mechaniker haben viele Wünsche geäußert, die jetzt schon ins Motorrad einfließen."

Auch für den erfahrenen Crew-Chief Guy Coulon ist es eine neue Herausforderung

Auch für den erfahrenen Crew-Chief Guy Coulon ist es eine neue Herausforderung <span class="copyright">LAT</span>
Auch für den erfahrenen Crew-Chief Guy Coulon ist es eine neue Herausforderung LAT

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Insgesamt hat sich KTM bezüglich der Entwicklung mit vier Fahrern besser aufgestellt. Die Testarbeit kann aufgeteilt werden und es werden mehr Informationen gesammelt. Von der Logistik her war es für KTM keine einfache Aufgabe, inklusive Ersatzmotorrädern insgesamt acht Bikes an die Strecke zu bringen. Die Vorbereitung im Hintergrund nahm fast ein Jahr in Anspruch.

Auch weiterhin ist die Teileversorgung am Limit. Tech 3 erhält neue Entwicklungen oft ein paar Rennen später, wie zuletzt zum Beispiel die Carbon-Schwinge. "Wir haben bei allen Fahrern das Verständnis für die Situation geschaffen", hält Beirer fest. "Die Materialentwicklung basiert auf Pol, weil er die Resultate bringt und sie bestätigt. Unser Ziel ist es aber schon, im Herbst alle Motorräder auf den gleichen Stand zu bringen."

"Das ist schon eine Mammutaufgabe, denn es geht auch um die Ersatzteile und die Logistik dahinter. Das Rohmaterial von unseren Lieferanten, mit dem wir Teile produzieren, wird manchmal schon knapp. Wir greifen auf einen Pool von Lieferanten zu, mit denen wir auch Motocross, Rallye, Enduro, Moto3 und Moto2 bauen. Wir sind mittlerweile schon an den Grenzen unserer Lieferanten angekommen. Sie stellen sich auch neu auf und heuern neue Leute an."

Alles ist anders, aber es ist immer noch ein MotoGP-Bike

Und wie ist es für das Tech-3-Team, an der Strecke mit der KTM zu arbeiten? "Es ist trotzdem immer noch ein MotoGP-Bike", so Poncharal. "Man hat die gleichen Reifen und die gleiche ECU. Es war anders, aber es gab auch die gleichen Probleme bei der Arbeit. Die Daten-Ingenieure müssen die Elektronik anders nutzen. Aber wir haben jetzt zwei zwei Daten-Ingenieure pro Fahrer. Bei Yamaha war es nur einer. Mit WP haben wir eine komplett andere Dämpfung, die sehr wichtig für die Performance ist. Das Chassis ist ganz anders. Alles ist anders."

Langfristig soll Tech 3 auf dem gleichen Stand wie das Werksteam sein

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Langfristig soll Tech 3 auf dem gleichen Stand wie das Werksteam sein LAT

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Die Umstellung erforderte von allen Teammitgliedern eine neue Herangehensweise. "Für unsere Mechaniker ist das eine aufregende Zeit. Klar sind wir momentan nicht so schnell wie mit Yamaha. Aber wir haben das Gefühl, dass unser Feedback zur Weiterentwicklung beiträgt", betont Poncharal. "Natürlich will man als Racer auch Resultate sehen." 18 WM-Punkte hat Tech 3 bisher mit Miguel Oliveira und Hafizh Syahrin gesammelt. Damit ist man Zehnter der Teamwertung.

"Ich habe mich aus vielen Gründen für KTM entschieden. Ein Grund ist, dass ich großen Respekt vor Stefan Pierer als Unternehmer habe. Ready to race ist die Realität. Wenn man sich die Größe der Firma und die Größe der Rennabteilung ansieht, dann kann man nur beeindruckt sein. Ich habe auch eine besondere Beziehung zu Pit Beirer. Wir sind Freunde und tauschen uns oft zwischen den Rennen aus. Mir gefällt es, wie er die Dinge und den Rennsport sieht."

Mit Bildmaterial von LAT.

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