Wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld

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Wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld
Wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld
Wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld

Die armen Dortmunder!

Kaum sind sie endlich Schalke los, haben sie den VfL Bochum an der Backe. Bochum liegt noch näher als Gelsenkirchen, könnte also mittelfristig noch lästiger werden. Nur 20 Minuten Autofahrt trennen die beiden Städte, und beide Klubs holten bisher drei Punkte. Hier hat es sich schon mit den Gemeinsamkeiten. Dortmund holte nämlich NUR drei Punkte, Bochum holte SCHON drei Punkte. Alle reden deswegen gerade über der VfL.

Zum Beispiel über Gerrit Holtmann. Den schnellsten Mann des deutschen Profifußballs. 36,4 km/h erreicht der Linksaußen, wenn man ihn richtig ärgert. Beim 2:0 gegen Mainz schoss der 26-Jährige das designierte Tor des Monats nach einem herzzerreißenden Solo. Jetzt mal ganz ehrlich: Wer kannte Gerrit Holtmann vor sechs Monaten? Erling Haaland vielleicht?

Bochum ist vor allem Grönemeyer

Natürlich erwartet jetzt niemand, dass der kleine, viermalige deutsche Zweitligameister VfL Bochum an den großen Dortmundern vorbeischießt und nächstes Jahr gegen Paris St. Messi antritt. Aber es ist schön zu wissen, dass er’s theoretisch könnte. Nach elf Jahren Jammertal darf Bochum wieder mit den Großen spielen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Dass ein generalüberholter Traditionsklub von sich reden macht in einer Liga, die gerade ein Gelddiskussions- und Imageproblem hat und bezeichnenderweise vom Dreigestirn Wolfsburg-Hoffenheim-Leverkusen angeführt wird, ist eine schöne Sache. Es wird einem richtig warm ums Herz.

Für mich ist Bochum vor allem Grönemeyer. (An die jüngeren Leser: Gemeint ist HERBERT Grönemeyer. Der kleine Bruder des berühmten Arztes.) Er sang viele schöne Lieder. Unter anderem den Gänsehautklassiker “Bochum”, der seit 29 Jahren vor jedem Heimspiel des VfL läuft:

“Bochum, ich komm aus dir, Bochum ich häng an dir. Du Blume im Revier.”

Tief im Westen freuen sich die Menschen, dass es den VfL wieder gibt auf der einzigen Landkarte, die wirklich zählt. Und ich freue mich mit. Aber mehr über all die kleinen Geschichten und Erinnerungen und Kuriositäten als über die Punkte.

Bochumer als Antwort auf Geld und Scheichs

Wenn einem etwa der leicht überbäuchige Thomas Reis mit seinem weißen T-Shirt und den lustigen Tattoos in einer Fußgängerzone begegnen würde, man käme nie auf den Gedanken, dass der mal Bundesligaprofi war und jetzt als Trainer den VfL nach oben geführt hat. Man würde ihn eher mustern und fragen: Na, wie war’s auf Malle?

Reis hat als Spieler und Trainer 15 Jahre Bochum auf dem Buckel. Fast so viel wie die größte Bochum-Legende nach Ata Lameck (gefühlt 24 Millionen Einsätze für den VfL) und Dariusz Wosz (Zaubermaus): Hermann Gerland.

Tiger Gerland wurde in Bochum geboren, er spielte und arbeitete 19 Jahre lang beim VfL. Dann ging er hinaus in die weite Welt, kam aber nur bis zur Säbener Straße. Zum FC Bayern, ans andere Ende der Nahrungskette. Bochum gibt diese Saison 23 Millionen Euro für Spielergehälter aus. Das ist in etwa der Monatsetat der Bayern.

Wir reden in diesen Tagen ja viel über Geld und Scheichs, Plastikklubs und 50+1. Die Bochumer sind die heißeste Antwort darauf. “Hier, wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld”, singt Herbert Grönemeyer. Schön, dass es sie gibt.

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