"Die! Herz! Schlag! Show!": Bittere Blamage zum Abschluss

Jürgen Winzer
·Lesedauer: 4 Min.

Panda-Attacken, kotende Hundewelpen, Prügeleien im Boxring - bei der vorerst letzten Ausgabe von "Die! Herz! Schlag! Show!" (ProSieben) war eine Menge geboten. Doch für ein Team endete das Ganze mit einer Blamage sondergleichen.

Leg dich nicht mit Legat an! Das war schon zu Bundesligazeiten ein ungeschriebenes Gesetz, als Thorsten "Kasalla" Legat wenig Unterschiede zwischen Ball und gegnerischen Fußballerbeinen zu machen pflegte. Und ausgerechnet so einer, in Shows wie "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!", "Ninja Warrior Germany" und "Schlag den Star" realitymäßig gestählt, soll seinen Puls kontrollieren? Witzige Idee von ProSieben und "Die! Herz! Schlag! Show!"

In der letzten Sendung: Verona Pooth legt Chaos-Auftritt in ProSieben-Show hin

Kein Wunder, dass Kollege Kasalla gleich mit mehreren Protagonisten aneinandergeriet. Komisch nur, mit wem: Das Duell im Boxring gegen Christina Hammer, die jüngste deutsche Box-Weltmeisterin aller Zeiten, klingt noch logisch. Dass Thorsten dann mit einem widerborstigen Teddybär rang, war schon überraschender. Und dass er seiner Teamkapitänin Ruth Moschner beim High-Five-Abklatschversuch eine semmelte, war ein Zufall - und trotzdem Labsal auf die Wunden der Ruth-Kritiker, die ihre hibbeligen Jury-Auftritte bei "The Masked Singer" nicht vergessen haben.

"Raumpatrouille Orion 4.0": Verona Pooth in optischer Hochform

Eigentlich schade, dass die Show ausgerechnet jetzt in die Pause (auf unbestimmte Zeit) geht. Die vierte Ausgabe war genauso liebenswert nervig wie die davor, aber die Kandidaten waren bestens gelaunt - und sogar Moderator Steven Gätjen pushte seinen Ausgangspuls auf für ihn ekstatische 132 Herzschläge.

Lag's an Verona Pooth? Die ging nicht nur als erster Promis bereits zum zweiten Mal bei "DHSS" an den Start, sondern tat es in einem beeindruckenden Outfit. Irgendwo zwischen lachsfarbener Jogging-Presswurst und Weltraum-Uniform im Stile von "Raumpatrouille Orion 4.0" angesiedelt, führte "La Pooth" ihr Team mit Hollywood-Hero Ralf Moeller und Moderator Jochen Schropp mit liebenswerter Ausstrahlung.

Dass Letzterer um seine Kronjuwelen bangte, lag dann auch nicht an Verona, sondern an den Gegnern Thorsten Legat und Sänger und "Kinderfernsehonkel" (Selbstbezeichnung!) Ben. Die warfen nämlich mit Medizinbällen auf Jochens Bälle - naja, eigentlich nur auf die Pappwand, auf der er saß, aber da ging halt Ball mancher ungelenk fehl.

"Gladiator" Ralf Moeller enttäuscht gegen "Frau Dr. Hammer"

Ungelenk, daneben, verfehlt. Gute Stichworte für "Team Ruth" - denn das war nicht gut! Ruth Moschner, Thorsten Legat und Ben brachten es fertig, kein einziges Spiel zu gewinnen. In den neun Vorrunden-Matches kamen sie auf einen Zähler - aufgrund eines Unentschiedens, bei dem jede Mannschaft einen Punkt kassierte. Und im Finale zog Teamchefin Ruth (Tipp von Steven: "Ruth, kontrolliere die Wut!") dann gegen Verona beim Sushitürmchenstapeln den Kürzeren. "Läuft bei uns", hatte Ruth beim Stande von 1:7 mal sarkastisch geknirscht. Und Ralf Moeller von gegenüber feixte: "Das macht so einen Spaß! Hoffentlich dauert's noch ganz lange."

Erstaunlich nur: Thorsten Legat wird offenbar altersmilde! Zwar ging sein Puls in den Spielen (zu) hoch, generell aber blieb er zahm. Früher hätte er bei solchen Pleiten mindestens die Schienbeinschoner dreier Gegenspieler durchgebissen. Aber wenigstens lehnte er sich auf. Im Boxring mit Christina Hammer schlug er sich "stärker als erwartet" (Frau Dr. Hammer). Besser jedenfalls als "Gladiator"-Recke Ralf, der sich defensiv und clever, weil pulsschonend über die Zeit taktierte. Aber kämpferisch attraktiv? "Ist das alles?", forderte die Boxerin mehrfach vergeblich. Keine Zierde war im Ring auch Ben. Der klammerte sich gegen die Boxerin ("Ich kenne mich aus mit Leute weghauen!") über die Runden und setzte einmal sogar - heimtückisch von hinten - einen zarten Schulterstreichler!

Kritik der Vierbeiner

Sportlich war die Sache also einseitig. Aber es gab doch Sensationen. Zum Beispiel schaffte Verona Pooth, landesweit als putzige Plaudertasche bekannt, tatsächlich Erstaunliches: Sie kann den Mund halten! Als sie im Hängekorsett baumelte, blieb sie (wie von den Regeln befohlen) stumm und stoisch, griff sich mehr Kuscheltiere als Thorsten Legat und rang sogar einen Menschen im Panda-Kostüm nieder, der sich im Stofftierbecken verschanzt hatte. Jochen Schropps Würdigung als "heißester Greifarm der Welt" war mehr als verdient.

Und trotzdem: Bei aller menschlicher Mühe waren doch Tiere die wahren Helden des Abends. Und zwar nicht die Kuscheltiere, sondern ein Rudel wuscheliger Hundewelpen, die den Stars im "Friedhof der Kuscheltiere" als Partner zugewiesen wurden. Und das war dann doch zu drollig, sodass Legats Puls beim Balgen mit den Wuffis höher ging als beim Hauen im Ring oder beim Ringkampf mit dem menschlichen Teddybär im "Greifarm"-Spiel.

Ben wird vom Hundewelpen nass gemacht!

Wenn man die Wauwis als Showkritiker interpretieren würde, stünde es schlecht um eine zweite Staffel von "DHSS". Nach dem Motto "Wir sch... auf die Show!" ließen die Fellknäuel ihrer Meinung (oder Nervosität vor Saalpublikum) freien Lauf. Erst jubelte Ben noch "Oh, wie süß, er hat mich angepi...!", dann stöhnte er hinterher: "Oh, er hat auch Kaka gemacht!" Und so wie bei "DHSS" alle Kandidaten ihren Puls kontrollieren müssen, setzen bei diesem Spiel fast alle Vierbeiner ein knöddeliges Ausrufezeichen. Gut, dass es noch kein Geruchsfernsehen gibt.

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