Löw, DFB, Geldgier: Heynckes' vernichtendes EM-Fazit

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Trainer-Legende Jupp Heynckes hat nach dem EM-Finale ein weitgehend vernichtendes Fazit gezogen: Zum deutschen Team, Joachim Löw - aber auch den Zuschauer-Massen und der UEFA.

Heynckes kritisiert die Euro 2020 scharf. (Bild: Sport1)
Heynckes kritisiert die Euro 2020 scharf. (Bild: Sport1)

Beim Blick auf das deutsche Abschneiden sparte Heynckes nicht mit Kritik, die sich vor allem an den mittlerweile verabschiedeten Bundestrainer Joachim Löw richtete. Andere Trainer wie Italiens Roberto Mancini oder der Däne Kasper Hjulmand "haben vorbildlich ein Team vorbereitet: Das habe ich bei der deutschen Mannschaft vermisst". 

Löw habe Thomas Müller und Mats Hummels zu spät zurückgeholt und hätte auch noch Jérôme Boateng, "den besten Innenverteidiger der vergangenen Liga-Saison", reaktivieren müssen. Auch das System mit der Dreierkette habe Löw zu spät einstudieren lassen.

Heynckes malte ein düsteres Zukunftsbild. "Im deutschen Fußball ist es ein eklatantes Problem, dass wir keine Außenverteidiger mehr ausbilden", sagte er: "Zudem haben wir keine Innenverteidiger mit Weltklasseformat und keinen Mittelstürmer mit internationaler Klasse. Große Mannschaften brauchen einen Zielspieler."

Die WM 2022 sollte daher nur "ein Zwischenziel sein, mehr nicht. Wichtiger ist, dass die Mannschaft erneuert wird."

"Da schlägt eben die Geldgier durch"

Nicht nur die DFB-Elf, auch das EM-Geschehen abseits der Spielfelder missfiel Heynckes extrem: "Sehr kritisch bewerte ich, dass die UEFA und einzelne Länder in dieser Pandemie so viele Zuschauer zuließen, vor allem in London und Budapest. Über 60.000 Menschen im Stadion sind inakzeptabel. Aber da schlägt eben die Geldgier der UEFA durch", sagte Heynckes. 

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Für ihn "unverständlich" sei zudem, "dass in Ländern gespielt wurde, in denen Menschenrechte verletzt werden", ergänzte Heynckes, der auch an der FIFA kein gutes Haar ließ. Dass die nächste WM 2022 in Katar stattfinde, sei "grenzwertig", betonte er.

Laut Heynckes gab es aber auch positive Aspekte beim Kampf um den EM-Titel: So lobte der 76-Jährige den Italien-Coach Mancini in den höchsten Tönen. "Wie Arrigo Sacchi bei Milan den Fußball in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre revolutioniert hatte, so tat es nun Mancini", sagte er.

Der Coach sei "genauso stilbildend, wie es einst Sacchi, Johan Cruyff, Sir Alex Ferguson, Ernst Happel, Louis van Gaal, Jose Mourinho, Ottmar Hitzfeld oder Pep Guardiola waren."

Heynckes: Flick muss auf das Menschliche setzen

Einen ähnlich positiven Effekt erhofft er sich vom neuen Bundestrainer Hansi Flick.

"Die deutsche Nationalmannschaft braucht eine Erneuerung. Sie braucht junge, hochtalentierte Spieler, die sich noch entwickeln können. Sie muss den Weg der Italiener gehen", sagte Heynckes dem "kicker" und forderte: "Man muss den jungen Spielern vertrauen und vor allem mit ihnen arbeiten."

Als Beispiele nannte Heynckes die EM-Teilnehmer Kai Havertz und Jamal Musiala sowie Florian Wirtz und Ridle Baku. "In der U21, die Anfang Juni Europameister wurde, bieten sich einige interessante Jungs an", ergänzte er.

Von Flick erwartet er mehr Präsenz als sie dessen Vorgänger Joachim Löw gezeigt hatte. "Als Bundestrainer muss ich in die Klubs gehen, mit den Trainern und Spielern Kontakt pflegen. Ein Bundestrainer muss inspirierend für die ganze Bundesliga sein und ein Beispiel geben. Hansi Flick wird das machen." 

Im Umgang mit den Spielern müsse Flick "die menschliche Komponente fördern", betonte Heynckes, "wie er es bei Bayern praktizierte." (mit Sport-Informations-Dienst)

Im Video: Joachim Löw übernimmt nach dem Ausscheiden bei der Euro 2020 die Verantwortung

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