Die Hintergründe zur neuen WWE-Horrorfigur

Martin Hoffmann
Sport1

Wir dieser Horror-Charakter WWE revolutionieren?

Sein Darsteller ist davon schon einmal überzeugt. "Glückwunsch, Bruder. Wir haben das Wrestling für immer verändert", schrieb Bray Wyatt im Mai, nach dem ersten Auftritt seines neuen Alter Egos an einen Mann, der entscheidend dazu beitrug, die Showkampf-Fans in Begeisterung und gespannte Erwartung zu versetzen.

Ebendieser Mann hat danach einige Hintergründe zu der Schock-Aktion enthüllt, bei der sich Wyatt von einem nur scheinbar harmlosen Kindershow-Moderator in "The Fiend" verwandelte (deutsche Übersetzung: Unhold, Unmensch, Teufel), einen dämonisch-vogelhaften Horrorclown.

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Schon bevor der "Fiend" zwei Monate später, mit einer Attacke auf Finn Balor, erstmals auch im Ring auftauchte und beim SummerSlam schließlich ein effektvolles Ring-Debüt feierte, lieferte der Schöpfer von Wyatts Maske via Facebook seltene Einblicke in das Räderwerk von WWE - und in das enorme Maß an Herzblut, das der 32 Jahre alte Wyatt in seinen Neustart investiert hat.

Bray Wyatt: "Du hast meine Karriere gerettet"

"Er hat mich angerufen und mit mit kindlicher Begeisterung eine lange Liste von Beschreibungen und Konzepten vorgetragen, hat meinen Messenger überflutet mit Bildern und Skizzen", berichtete Kyle A. Scarborough, ein Tätowierer und Illustrator aus Washington im US-Bundesstaat Missouri. Wyatts Gedanken seien "um es milde zu formulieren, so verrückt wie sein Charakter".


Der Maskenentwurf sei dann auch auf dem Schreibtisch von WWE-Boss Vince McMahon gelandet und hätte entscheidend dazu beigetragen, dass Wyatt grünes Licht für seinen Charakter bekommen hätte.

Skulptiert hätte die Maske dann Jason Baker, ein Schüler von Splatterfilm-Legende Tom Savini. Gemeinsam hatten sich die beiden bei WWE unter anderem schon durch die Gruselmasken von Wyatts Ex-Partner Erick Rowan verdient gemacht haben - und auch um die aktuelle Maske von Corey Taylor von der Metalband Slipknot.


Savini war in Hollywood verantwortlich für das Make-up in "Freitag, der 13." und viele andere Genre-Filme, spielte auch in vielen davon selbst mit, unter anderem war er "Sex Machine" in "From Dusk till Dawn".


Nach Scarboroughs Angaben hätte Wyatt ihm schließlich voll Begeisterung über das fertige Kunstwerk geschrieben, dass er mit dem Entwurf dazu "seine Karriere gerettet hätte".

WWE-Karriere geriet ins Stocken

Tatsächlich war die Laufbahn des früheren WWE-Champions zuletzt ins Stocken geraten, vor seiner Wiederkehr war er als Tag-Team-Champion an der Seite von Veteran Matt Hardy nur noch Nebendarsteller.

Der Sohn von WWE-Legende Mike Rotunda (Irwin R. Schyster) hat nun aber offensichtlich noch einmal dasselbe Maß an kreativer Energie in seinen Neustart gesteckt, das er schon bei der Schöpfung des ursprünglichen Wyatt-Charakters gezeigt hatte.


Basierend auf der Robert de Niros Filmfigur Max Cady ("Kap der Angst") - die bei WWE schon für das legendär unvollendete Neunziger-Jahre-Gimmick Waylon Mercy Pate stand - schuf er damals die Rolle eines unheimlichen Südstaaten-Kultführers. Wyatt mixte unzählige weitere Elemente aus der Horror-Kultur hinein, bediente sich unter anderem bei Autor H.P. Lovecraft, bei "Der Exorzist" (der Spinnengang) oder auch bei Steve Buscemis Serienkiller-Charakter aus "Con Air" ("He's got the whole world in his hands ...").

"Firefly Fun House" - ein detailverliebtes Horror-Kunstwerk

Die Videoreihe "Firefly Fun House", mit der er sich nun neu erfand, glänzte nun auch wieder durch eine Detailverliebtheit und ein Anspielungsreichtum, das um Welten über dem gewohnten WWE-Standard schwebt.


Wyatt präsentierte sich als vermeintlich von allen bösen Umtrieben geläuterter Moderator einer Kindershow (erinnernd an das "Playhouse" von Pee Wee Herman oder auch "Blue's Clues") - durch den dann doch immer wieder sein psychopathisches Alter Ego durchschimmerte. In der Transformation einer Kinderfigur zur clownesken Horrorgestalt klingt Stephen King's "Es" an, dem Wyatt schon seinen Spitznamen "Eater of Worlds" entliehen hat - und das für WWE in den Neunzigern schon als Vorbild für den (ursprünglich) bösen Clown "Doink" diente.


Auch der Spitzname "The Fiend" tauchte schon im dunklen Literatur-Kanon auf, im Frankenstein-Roman von Mary Shelley war er ein Synonym für das berühmte Monster.

Wyatt verarbeitete in seinem Funhouse auch Versatzstücke aus der Trauma-Therapie - die Bezeichnung des Funhouse als "special place" und diverse seiner Aktionen dort sind typische Behandlungselemente - und aus Vampir-Mythen: Die immer wiederholte Formel "Let me in" spielt darauf an, dass die düsteren Wesen fremde Häuser der Legende nach nur dann betreten können, wenn sie hereingebeten werden.

Man darf gespannt sein, was der neue, noch düsterere Bray Wyatt entfesseln wird, nachdem die WWE-Boss ihm Einlass gewährt haben.

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