So entstand das Horror-Universum um Bray Wyatts "Fiend"

Martin Hoffmann
Sport1

Als Bray Wyatt war er zuletzt Randfigur, als The Fiend ist er wieder an die Spitze von WWE aufgestiegen - und er schien es schon früh zu wissen.

"Glückwunsch, Bruder. Wir haben das Wrestling für immer verändert", schrieb Wyatt im Mai, nach dem ersten Auftritt seines neuen Alter Egos an einen Mann, der entscheidend dazu beitrug, ihn kein halbes Jahr später zum Universal Champion zu machen.

Ebendieser Mann hat danach einige Hintergründe zu der Schock-Aktion enthüllt, bei der sich Wyatt von einem nur scheinbar harmlosen Kindershow-Moderator in den "Fiend" verwandelte (deutsche Übersetzung: Unhold, Unmensch, Teufel), einen dämonisch-vogelhaften Horrorclown.

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Schon leinige Zeit, bevor der "Fiend" den WWE-Ring eroberte und bei Crown Jewel Ende Oktober schließlich Universal Champion Seth Rollins entthronte, lieferte der Schöpfer von Wyatts Maske via Facebook seltene Einblicke in das Räderwerk von WWE - und in das enorme Maß an Herzblut, das der 32 Jahre alte Wyatt in seinen Neustart investiert hat.

Bray Wyatt: "Du hast meine Karriere gerettet"

"Er hat mich angerufen und mit mit kindlicher Begeisterung eine lange Liste von Beschreibungen und Konzepten vorgetragen, hat meinen Messenger überflutet mit Bildern und Skizzen", berichtete Kyle A. Scarborough, ein Tätowierer und Illustrator aus Washington im US-Bundesstaat Missouri. Wyatts Gedanken seien "um es milde zu formulieren, so verrückt wie sein Charakter".


Der Maskenentwurf sei dann auch auf dem Schreibtisch von WWE-Boss Vince McMahon gelandet und hätte entscheidend dazu beigetragen, dass Wyatt grünes Licht für seinen Charakter bekommen hätte.

Skulptiert hätte die Maske dann Jason Baker, ein Schüler von Splatterfilm-Legende Tom Savini. Gemeinsam hatten sich die beiden bei WWE unter anderem schon durch die Gruselmasken von Wyatts Ex-Partner Erick Rowan verdient gemacht haben - und auch um die aktuelle Maske von Corey Taylor von der Metalband Slipknot.

Savini war in Hollywood verantwortlich für das Make-up in "Freitag, der 13." und viele andere Genre-Filme, spielte auch in vielen davon selbst mit, unter anderem war er "Sex Machine" in "From Dusk till Dawn".


Nach Scarboroughs Angaben hätte Wyatt ihm schließlich voll Begeisterung über das fertige Kunstwerk geschrieben, dass er mit dem Entwurf dazu "seine Karriere gerettet hätte".

WWE-Karriere geriet ins Stocken

Tatsächlich war die Laufbahn des früheren WWE-Champions zuletzt ins Stocken geraten, vor seiner Wiederkehr war er als Tag-Team-Champion an der Seite von Veteran Matt Hardy nur noch Nebendarsteller.

Wyatt, Wrestler in dritter Generation (Hall-of-Fame-Mitglied Blackjack Mulligan war sein Großvater, Mike Rotunda alias Irwin R. Schyster ist sein Vater, WWE-Kollege Bo Dallas sein jüngerer Bruder) hat sein Schicksal nun aber gewendet: Er hat noch einmal dasselbe Maß an kreativer Energie in seinen Neustart gesteckt, das er schon bei der Schöpfung des ursprünglichen Wyatt-Charakters gezeigt hatte.

Wyatt, der im Jahr 2010 als Husky Harris Teil des ursprünglichen NXT und der Gruppierung The Nexus war, schaffte es damals, von der wenig beachteten und fast gefeuerten Randfigur in den Rang eines Superstars aufzusteigen.


Basierend auf der von Robert Mitchum und Robert de Niro verkörperten Filmfigur Max Cady ("Kap der Angst") - die bei WWE schon für das legendär unvollendete Neunziger-Jahre-Gimmick Waylon Mercy Pate stand - schuf er damals die Rolle eines unheimlichen Südstaaten-Kultführers. Wyatt mixte unzählige weitere Elemente aus der Horror-Kultur hinein, bediente sich unter anderem bei Autor H.P. Lovecraft, bei "Der Exorzist" (der Spinnengang) oder auch bei Steve Buscemis Serienkiller-Charakter aus "Con Air" ("He's got the whole world in his hands ...").


2014 bestritt er eine große, mit Begeisterung aufgenommene Fehde gegen Liga-Aushängeschild John Cena, 2017 rückte er zwischenzeitlich an die Spitze des SmackDown-Kaders und wurde WWE-Champion.

The Fiend - ein detailverliebtes Horror-Kunstwerk

Die Videoreihe "Firefly Fun House", mit der er sich nun nochmal neu erfand, glänzte nun auch wieder durch eine Detailverliebtheit und ein Anspielungsreichtum, das um Welten über dem gewohnten WWE-Standard schwebt.


Wyatt präsentierte sich als vermeintlich von allen bösen Umtrieben geläuterter Moderator einer Kindershow (erinnernd an das "Playhouse" von Pee Wee Herman oder auch "Blue's Clues") - durch den dann doch immer wieder sein psychopathisches Alter Ego durchschimmerte. In der Transformation einer Kinderfigur zur clownesken Horrorgestalt klingt Stephen Kings "Es" an, dem Wyatt schon seinen Spitznamen "Eater of Worlds" entliehen hat.

Auch der Spitzname "The Fiend" tauchte schon im dunklen Literatur-Kanon auf, im Frankenstein-Roman von Mary Shelley war er ein Synonym für das berühmte Monster - das Motiv des unheimlichen Alter Ego wiederum geht natürlich auch auf Robert Louis Stevensons "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" zurück. Passend auch: Den Finisher des Fiend, die von Mick Foley popularisierte Mandible Claw, erfand einst der Ex-Arzt Sam Sheppard, vor seiner kurzen Wrestling-Karriere Hauptverdächtiger eines weltweit beachteten Mordfalls.

Anspielungen auf Wyatts eigene Vorgeschichte finden sich im Funhouse ebenfalls: "Abby the Witch" repräsentiert Wyatts mystische Gefährtin "Sister Abigail", das verfressene Schwein Huskus seine Zeit als Husky Harris, in der er wegen seines Übergewichts in der Kritik stand. Bussard "Mercy" eine Verneigung vor dem schon erwähnten Vorbild Waylon Mercy.

Im Funhouse stecken auch Versatzstücke aus der Trauma-Therapie - die Bezeichnung des Funhouse als "special place" und diverse seiner Aktionen dort sind typische Behandlungselemente - und aus Vampir-Mythen: Die immer wiederholte Formel "Let me in" spielt darauf an, dass die düsteren Wesen fremde Häuser der Legende nach nur dann betreten können, wenn sie hereingebeten werden.

Man darf gespannt sein, was Wyatt noch entfesseln wird, nachdem die WWE-Boss ihm Einlass gewährt haben.

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