Hitzeschlacht! Tokio wird zum Glutofen

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Hitzeschlacht! Tokio wird zum Glutofen
Hitzeschlacht! Tokio wird zum Glutofen

Hockeyspielerinnen werden auf dem Feld gebraten wie Spiegeleier, Beachvolleyballer versengen sich im brennend heißen Wüstensand die Füße, selbst auf dem Wasser ist der Hitzschlag stets gefährlich nahe!

Olympia ächzt unter brutalen Verhältnissen und sehnt sich nach Abkühlung. Diese soll es in Tokio zwar bald in Form eines Taifuns geben. Dort der schafft einerseits neue Probleme und bringt andererseits leidenden Sportlern wie Nike Lorenz keine Akuthilfe. (NEWS: Alles zu Olympia 2021)

„Der Kopf glüht. Aber auch die Füße - der Boden ist so heiß“, sagte die deutsche Hockey-Kapitänin dem SID nach dem Sieg am Sonntag gegen Großbritannien.

Bei Anpfiff um 9.30 Uhr zeigte das Thermometer bereits 31 Grad. Weil es viele Unterbrechungen gab, mussten Lorenz und Kolleginnen weit über ihrem Garpunkt auf der 91x55 Meter großen Herdplatte ausharren. „Das hält man keine zwei Wochen aus“, sagte Lorenz: „Die Spiele dürfen nicht so lang werden, das muss besser reguliert sein.“

Immerhin: Die Hockeyspielerinnen dürfen Schuhe tragen - die Beachvolleyballer spielen ohne. Fast 50 Grad betrug mitunter die Sandtemperatur, Trainingseinheiten wurden wegen verbrennender Fußsohlen unterbrochen. Weil zudem Zuschauer fehlten, wähnte sich Olympiasiegerin Laura Ludwig im Karl-May-Film: „Man hörte Grillen zirpen, es war wie in der Wüste.“

Freiluft-Athleten aller Disziplinen leiden unter der Hitze

Die Hitze plagt Freiluft-Athleten aller Disziplinen. Die reichlich durcherhitzte Ruderin Leonie Menzel war nach dem Vorlauf auf fremde Hilfe angewiesen, die leidenden Tennisspieler erhalten zusätzliche Pausen. Wer ein wärmendes Pferd unter sich hat, ist ganz schlimm dran. „Ich bin körperlich topfit“, sagte Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl, „aber bei der letzten Pirouette habe ich gedacht, puh, das ist richtig hart.“

Forscher haben ermittelt, dass die Spiele in Tokio die heißesten der Geschichte werden dürften. Bislang hält Los Angeles 1984 mit durchschnittlich 32,1 Grad den Rekord.

Eine Zumutung mit Ansage: „Die Spiele im Juli und August abzuhalten, war als Problem lange vor Corona bekannt“, meinte Haruo Ozaki von der Tokioter Mediziner-Vereinigung. Zwischen Juni und September 2019 waren in Japan 71.000 Menschen wegen Hitzschlägen in Behandlung, 118 starben.

Verlegung in Oktober? NBC sagt: Nein!

Seit 1900 ist die Durchschnittstemperatur im Land um 2,5 Grad gestiegen, dreimal stärker als im Weltschnitt. Dies zeigte ein Olympia-Report der British Association for Sustainable Sport (BASIS) unter dem passenden Titel „Rings of Fire“. Die heutigen Temperaturen liegen signifikant über jenen von 1964, als die ersten Tokioter Sommerspiele ausgetragen wurden.

Damals wurden die Wettbewerbe in den milden Oktober verlegt. Dass dies diesmal nicht geschah, hat eine zehnstellige Anzahl von Gründen: Der US-Sender NBC ist (ein) Hauptgeldgeber - im Oktober würde sich Olympia vor allem mit der Football-Season beißen. Beißen müssen somit die Athleten - in den sauren Brat-Apfel.

Nach der Hitze ein Tropensturm?

Dabei könnten sich die Sorgen zeitnah ins Gegenteil verkehren: Vor Japan hat sich Tropensturm „Neparak“ gebildet, am Mittwoch soll er auf Land treffen - was vor allem den Wassersportlern in der Bucht von Tokio Probleme bereiten könnte.

Dass Probleme bekanntlich aber auch nur dornige Chancen sind, weiß der australische Olympia-Surfer Owen Wright. „Es sind Wellen auf dem Weg“, schrieb er bei Instagram: „Let’s go!“

Alles zu den Olympischen Spielen 2021 bei SPORT1:


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