Hopp zum Vergleich mit Clemens: "Gabriel schon der Bessere"

Tobias Wiltschek
·Lesedauer: 5 Min.

Bühne frei für das nächste Darts-Highlight!

Von Donnerstag bis Samstag findet in der König Pilsener Arena in Oberhausen die European Darts Championship statt. (ab Donnerstag 16 Uhr täglich LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM).

Hopp 2018 im Halbfinale

Bei der inoffiziellen Darts-EM sind mit Max Hopp und Gabriel Clemens zwei Deutsche dabei. Vor allem Hopp hat gute Erinnerungen an das Major Event der PDC.

Vor zwei Jahren - damals fand das Turnier noch in Dortmund statt - war für ihn überraschend erst im Halbfinale Endstation.

Dies ist bis heute immer noch einer seiner größten Erfolge als Profi.

Vor der diesjährigen Ausgabe blickte der "Maximiser" im Interview mit SPORT1 auf die European Championship 2018 zurück und spricht über seine Beziehung zu Clemens sowie den Absturz eines ehemaligen WM-Halbfinalisten.

SPORT1: Herr Hopp, Glückwunsch zur Teilnahme an der European Darts Championship. Sie sind 2018 bei der EM im Halbfinale ganz knapp gescheitert. Welche Erinnerungen haben Sie noch daran?

Max Hopp: Daran habe ich sehr gute Erinnerungen, auch wenn ich damals drei Match-Darts auf die Doppel-20 gegen James Wade vergeben habe. Das war sicherlich eine der größten Chancen bisher, in meiner Karriere in ein EM-Finale einzuziehen. Letztes Jahr konnte ich mich nicht qualifizieren. Deshalb freue ich mich umso mehr, dass ich dieses Jahr wieder mit dabei bin.

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SPORT1: Wie hoch ist diese Halbfinal-Teilnahme in der Hitliste Ihrer persönlichen Erfolge einzuordnen?

Hopp: Sehr weit oben, fast auf einer Ebene mit dem Jugend-Weltmeistertitel. Das ist immer noch so der größte Erfolg. Aber sicherlich war das auch ein großer Schritt in meiner Karriere, weil er mir gezeigt hat, dass ich durchaus das Zeug dazu habe, bei den ganz großen Turnieren auch vorne mitzuspielen. Jetzt muss ich nur noch schauen, dass das öfters passiert und ich bei einem so großen Turnier auch mal das Finale erreiche.

SPORT1: Diesmal treffen Sie in der 1. Runde auf Jonny Clayton. Was erwarten Sie für ein Match?

Hopp: Ein spannendes, enges Spiel. Ich kenne Jonny Clayton ganz gut. Ich glaube, dass meine Statistik gegen ihn jetzt gar nicht mal so erfolgreich ist. Das ist ein klasse Spieler, der auch schon bei Major-Events im Finale stand. Es ist relativ ausgeglichen. Ich werde am Trainingsboard nochmal Vollgas geben und hoffe dann natürlich, gegen ihn zu gewinnen.

SPORT1: Worauf wird es im Endeffekt ankommen?

Hopp: Auf die entscheidenden Darts aufs Doppelfeld. Wer kaltschnäuziger beim Finishen ist, wird das Spiel für sich entscheiden. Scoren können wir beide relativ gut.

SPORT1: Mit Gabriel Clemens nimmt ein weiterer Deutscher an der EM teil. Gibt es da eher ein Gefühl der Rivalität zu ihm oder drücken Sie ihm auch die Daumen?

Hopp: Wir sind eher Kumpels. Vor dem Wochenende in Riesa war er noch mal bei mir. Da haben wir gemeinsam trainiert und sind dann von dort Kolonne nach Riesa gefahren. Auch beim World Cup of Darts in der nächsten Woche bilden wir ein Team. Es ist also schon so, dass man sich gegenseitig ein bisschen puscht, weil wir beide im Moment die spielstärksten Deutschen sind. Wir wollen es den Top-Jungs im Darts so schwer wie möglich machen.

"Clemens ist schon der Bessere"

SPORT1: Wer ist denn momentan besser?

Hopp: Das ist schon Gabriel Clemens. Das sieht man auch an der Ranglisten-Position. Von der Spielstärke ist Gabriel schon der Bessere, weil ich auch das eine oder andere große Turnier verpasst habe. Es ist aber auch immer saisonabhängig. Das geht mal so und mal so. Das kann sich auch jederzeit wieder ändern.

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SPORT1: Wer ist für Sie der Favorit auf den Titel?

Hopp: In den letzten Jahren war diese Frage in der PDC noch nie so offen. Es gibt derzeit keinen Spieler, der deutlich über dem Rest steht, auch nicht Michael van Gerwen. Man sieht, dass er Probleme hat, wie am Sonntag auch, ein Finale für sich zu entscheiden. Das hat ja Joe Cullen gewonnen (bei den International Darts Open, Anm. d. Red.). Es fehlen bei allen Top-Spielen im Moment auch die Averages im Bereich 105, 110 - also die absolute Weltklasse. Ich glaube, es ist relativ ausgeglichen. Jeder kann einem guten Tag jeden schlagen. Ich glaube aber, Gerwyn Price wird sich am Ende den Titel schnappen, weil er über die letzten Monate eine extrem gute Form hat. Dazu zähle ich aber auch Devon Peterson, der wie Phönix aus der Asche kam und einen Titel auf der European Tour holte, zu den Favoriten. Natürlich muss man aber auch mit van Gerwen, Rob Cross und Peter Wright rechnen.

SPORT1: Was halten Sie davon, dass in Deutschland und Österreich bei den Turnieren noch Zuschauer erlaubt sind, in England aber nicht? (In Oberhausen sind 250 Fans pro Session erlaubt, Anm. d. Red.)

Hopp: Darüber kann ich mir kein Urteil erlauben, weil ich die Anforderungen an eine Austragung mit Zuschauern nicht so genau kenne. Letztendlich finde ich es schön, dass in Deutschland zuletzt auch immer wieder Zuschauer waren, dass die Leute sich auch getraut haben, in die Halle zu kommen und natürlich auch Geld für die Tickets bezahlt haben. Das ist in dieser Zeit auch nicht selbstverständlich. Warum in England keine Zuschauer dabei sind, weiß ich nicht.

Hopp: "Muss Lewis in Schutz nehmen"

SPORT1: Wissen Sie, was mit Jamie Lewis los ist? Der WM-Halbfinalist von 2018 ist in der Rangliste abgestürzt und hat jetzt am Wochenende gegen Robert Marijanovic ein 0:6 kassiert.

Hopp: Das ist richtig. Aber ich muss Jamie Lewis da jetzt auch mal voll in Schutz nehmen. Er hat sich nach dieser 0:6-Niederlage Robert Marijanovic erstmals auch öffentlich über Twitter geäußert und berichtet, dass er an einer Angststörung leidet. Die hemmt ihn natürlich auch in seiner spielerischen Laufbahn. Auch bei Luke Humphries ist dieses Leiden aufgetreten. Er hat vor einem Jahr auch mal sehr offen darüber geredet, dass er sich in Therapie begeben hat.

Mit Lewis ist nun ein weiterer Spieler an die Öffentlichkeit gegangen und hat gesagt, der Leistungsdruck und die hohe mentale Anforderung, die unser Sport mit sich bringt, sind ihm einfach zu viel geworden. Er hat zum ersten Mal offen gesagt, er habe psychische Probleme. Deswegen könne er seine Leistung nicht abrufen. Für ihn ist es, glaube ich, die beste Lösung, etwas Abstand zur Tour zu gewinnen und sich in Behandlung zu begeben.