Horrorzahlen und Finanzkollaps: Barcas schlimmste Krise

Lukas von Hoyer
·Lesedauer: 4 Min.

Wer gehofft hat, dass nach einem turbulenten Sommer in Katalonien - der immerhin mit dem Verbleib von Superstar Lionel Messi endete - alles wieder wie früher werden würde, der sieht sich nach den vergangenen Wochen getäuscht. Im Gegenteil: Die Situation stellt einen echten Albtraum für alle da, die es mit dem FC Barcelona halten.

Barca strahlt momentan fast nichts von dem aus, was sie in den vergangenen Jahrzehnten zu einem stolzesten und vor allem auch erfolgreichsten Klubs der Welt gemacht hat. Wer einen Blick auf die Tabelle von La Liga wirft, der muss seinen Blick zunächst senken, um die Blaugrana zu finden.

Horrorzahlen für Koeman und Barca

Nach sechs Spielen steht der Klub mit nur acht Punkten auf Rang 12.

So wenige Zähler hatte Barca zu diesem Zeitpunkt der Saison letztmals in der Spielzeit 2002/03 unter dem niederländischen Coach Louis van Gaal gesammelt. Damals landete der Klub am Saisonende auf einem katastrophalen sechsten Rang.

Der Trainerwechsel zu van Gaals Landsmann Ronald Koeman - nach dem desaströsen Abschluss der letzten Spielzeit - scheint nahezu wirkungslos verpufft. 41 von 49 Trainern, die Barcelona in der Vereinsgeschichte trainiert haben, hatten nach sechs Ligaspielen eine bessere Ausbeute.

Die nächste Horror-Statistik für die Katalanen: In der Geschichte der Liga ist keine Mannschaft je Meister geworden, die nach sechs Spielen acht Punkte oder weniger auf dem Konto hatte.

Am Samstagabend erlebten die Katalanen beim 1:1 bei Deportivo Alavés die nächste herbe Enttäuschung. Beim Provinzklub aus dem Baskenland reichte auch eine 30-minütige Überzahl nicht zum Sieg.

Torwart Neto - der derzeit den verletzten Marc-André ter Stegen ersetzt - machte sich beim 0:1 regelrecht lächerlich. Der 31-Jährige verstolperte ein Rückspiel und schenkte den Gastgebern so den Führungstreffer. Der krasse Fehler passt ins Bild.

Messi ist nicht mehr die Konstante

Genauso wie der Fakt, dass Messi auswärts einmal mehr nicht treffen konnte. Der Argentinier war zwar bemüht und oftmals nah dran an dem Siegtreffer, es sollte allerdings nicht sein.

In seinen vergangenen 14 Partien hat der sechsmalige Weltfußballer nur drei Tore erzielt - davon war keines ein sonderlich wichtiges. Seit elf Monaten hat Messi in der Fremde keinen einzigen Siegtreffer mehr erzielt und auch kein Tor, das zu einem Unentschieden führte.

Es scheint, als sei Barca mit Messi derzeit auch eine Konstante weggebrochen, auf die sie sich über Jahre verlassen konnten. Wenn die Katalanen nicht gut spielten, dann rettete sie normalerweise Messi - der auch stets in wichtigen Duellen gegen andere Top-Klubs zur Stelle war - zumindest in der heimischen Liga.

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In den ersten sechs Spielen erzielte Messi aber bisher nur ein Tor. Weniger gelangen ihm nur in der vorigen Spielzeit (0), in der er aber auch die ersten vier Spiele wegen einer Verletzung verpasst hatte. Zwischen den Saison 2006/07 und 2018/19 hatte er in den ersten sechs Spieltagen immer zwischen drei und acht Toren gemacht. Eine unglaubliche Statistik, die da gerade ihr Ende findet.

Steht Barca vor der Pleite?

Gründe für die sportliche Misere sind wohl vor allem in der Vereinsführung zu suchen. Präsident Josep Maria Bartomeu trat jüngst - zur Freude von Messi - zurück. Er hinterlässt ein einziges Chaos.

Denn zu allem Überfluss sitzt Barcelona auch noch auf einem riesigen Schuldenberg, der durch die Coronakrise zu einer echten Bedrohung für die Existenz der Katalanen angewachsen ist. Laut dem Radiosender RAC1 muss Barca 190 Millionen Euro an Gehältern einsparen, um die Zahlungsunfähigkeit zu verhindern.

Demnach seien nur noch die Spieler in der Lage, den Verein durch Gehaltsverzicht zu retten. Erste Gespräche mit den jeweiligen Beratern soll es bereits gegeben haben, eine Einigung ist dem Bericht zufolge bis 5. November nötig. Das dürfte eng werden.

Die Nettoverschuldung von Barca soll bei satten 488 Millionen Euro liegen. Die prekäre Situation hat sich also schon lange angedeutet - reagiert hat von den Verantwortlichen darauf aber wohl niemand.

Der FC Barcelona - der nach seinem eigenen Motto "mehr als ein Klub" ist - befindet sich wohl in der größten Krise seit der Gründung im Jahr 1899. Im Moment ist noch nicht einmal die weitere Existenz gesichert.