Alarmstufe Rothose! Das Frühjahrsdrama des HSV

Tobias Holtkamp
Sport1

Hallo Fußball-Freunde,

der Hamburger SV tut, was er scheinbar tun muss, wenn die Saison auf die Zielgerade geht: er kriselt und beginnt zu stolpern. Der einstige Dino der Bundesliga, seit 22 Monaten zweitklassig, ist zwar immer noch Tabellendritter der 2. Liga, hat aus den letzten 13 Spielen aber nur vier Siege geholt.

Oh ja, das ist zu wenig für den Aufstieg - und genau das sorgt in Hamburg jetzt auch wieder für Alarm auf allen Fluren, inklusive dieser typischen Tendenz zur Selbstdemontage. In Hamburg sagt man Autsch.

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Dabei ist ja klipp und klar: Die schlechte Stimmung samt aufkeimender Zweifel, ob der sicher geglaubte Aufstieg nach den Niederlagen gegen die Mittelklasse-Mitbewerber St. Pauli und Aue nun doch wieder misslingt, hat sich der HSV einzig und allein selbst zuzuschreiben. Dieses Frühjahrs-Drama hätten sie vermeiden können, ohne große Sonderschichten, einfach mit ein bisschen mehr Einstellung und Konzentration. Doch die Delle ist noch auszubeulen.


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Der HSV hat einen herausragenden Kader, mit herausragenden Einzelspielern, die alle in der Lage sind, ihre Gegner in der 2. Liga zu beherrschen - wenn der Einsatz stimmt.

Wenn der Einsatz stimmt...

Geht es nach denen, die ihren Verein auf Schritt und Tritt verfolgen, die vielleicht mehr HSV im Herzen tragen als viele der vorübergehend Angestellten auf dem Rasen, dann stimmt, nach schleichender Erkrankung des Patienten in den vergangenen Monaten, im Moment nicht mehr so viel. In der aktuellen Formtabelle (letzte drei Spieltage) ist der HSV Letzter. Alarmstufe Rothose!

Vorstandsboss Bernd Hoffmann attestierte der Mannschaft "grottenschlechte" Leistungen und erhöhte den Druck: "Es gilt das schnell umzudrehen." Sportchef Jonas Boldt und Trainer Dieter Hecking sprach er die Rückendeckung aus, nicht selten auch eine Art Anfang vom Ende, und wiederholte seine Saisonvorgabe: "Klares Ziel ist die 1. Liga."


Auch die Fans diskutieren Dieter Hecking. Addieren seine vermeintlichen Fehler, bewerten seine Schwächen. Dabei sollten sie heilfroh sein, sowohl Hecking als auch Boldt in der Verantwortung zu haben. Hecking ist ein erfahrener Vollprofi, der den Unruheherd HSV mit seiner unaufgeregten Arbeit zumindest nach innen merklich beruhigt hat. Boldt hat das Mannschafts-Umfeld in nicht einmal zehn Monaten extrem professionalisiert, in fast allen Bereichen, von Scouting über Kaderverwaltung bis zur Etatplanung.

Die Highlights der Samstagsspiele am Sonntag ab 9 Uhr in Hattrick Pur - Die 2. Bundesliga im TV auf SPORT1 

Ein Aufstieg, egal mit welchen finanziellen Möglichkeiten, egal mit welchen Spielern, ist nie ein Selbstläufer, in keiner Liga. Der HSV kann sich die Bundesliga-Butter nur selbst vom Brot nehmen, wenn er jetzt wieder auf Unruhe schaltet - statt Mannschaft, Fans und die ganze Stadt einzuschwören. Es ist ja noch gar nichts verloren und der Wechsel in die Bundesliga trotz sportlichem (und selbst verschuldetem) Tief weiter zum Greifen nah.

In den nächsten Wochen kommen nacheinander die Topspiele gegen Arminia Bielefeld (1.) und den VfB Stuttgart (2.). Es gibt keine Zweifel, dass der HSV mit breiter Brust beide schlagen kann - doch dafür dürfen sie sich jetzt eben nicht kleinmachen! Sonst erledigen sie sich selbst.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".

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