Heynckes, Herzblut, Hype: Flicks Bayern-Anekdoten

Florian Plettenberg
Sport1

Volksfeststimmung in Feuchtwangen!

Rund 200 Fans haben Hansi Flick am Sonntag, bei dessen Fanclub-Besuch in Mittelfranken, gefeiert. Die "Bayern Bazis Romantische Straße" zogen das große Trainer-Los und empfingen Flick in einer Erlebnisscheune – mit Blaskapelle, lautem Jubel und jeder Menge warmen Worten.

Eines der erwarteten Themen: Bleibt Flick nur Trainer bis Weihnachten, bis Sommer oder sogar darüber hinaus?

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Fragen dazu kamen nicht, auch auf Wunsch des Vereins. Nach über zwei Stunden verabschiedete sich Flick aber dankend mit den Worten: "Ich hoffe, dass wir uns noch lange und oft im Stadion sehen."


Zuvor ließ dafür Karl-Heinz Rummenigge aufhorchen. Der Vorstands-Boss verkündete, dass man spätestens nach dem 21. Dezember, dem letzten Spiel des Jahres gegen den VfL Wolfsburg, Gespräche führen werde. Dann wolle man eine Entscheidung fällen, ob man mit Flick bis Sommer weitermache. Sogar noch länger? "Das werden wir mit ihm in aller Ruhe besprechen", sagte Rummenigge. Mit der Leistung Flicks sei man aktuell "sehr zufrieden", er passe "gut" zur Mannschaft, so der 64-Jährige.

Sehr zufrieden waren die Feuchtwanger auch mit ihrem prominenten Besuch!

Im urigen Beisammensein, zwischen einem Tannenbaum, viel Holzverkleidung, Bayern-Fahnen und einer Discokugel wurde der Kovac-Nachfolger empfangen wie ein Popstar. Flick gab sich gewohnt zurückhaltend, aber nahbar und sympathisch. Das kam bei den Fans gut an. "Die Art und Weise wie wir Fußball spielen ist so, wie ihr das wollt. Mit Leidenschaft, Initiative und Einstellung", sagte Flick zur Begrüßung.

Nach emotionalen Bildern seiner Karriere und einer Grußbotschaft seines ehemaligen Jugendtrainers aus seiner Heimat Neckargemünd-Mückenloch folgte der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Feuchtwangen, ein Gast-Auftritt beim "Thanner Bauernballett" und ein Torwandschießen (zwei Treffer) – zwei kleine Herausforderer ließ Flick gewinnen.

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Dann ging es unter anderem um Fragen der Fans.

Flick sprach über…

Hermann Gerland: "Er ist lange dabei. Ich kenne ihn sehr gut und wir haben schon immer ein gutes Verhältnis gehabt. Das Miteinander ist wichtig, bei uns beiden war es immer wertschätzend. Die Mannschaft kennt ihn, Hermann kennt die Abläufe. Das braucht der FC Bayern. Ich habe ihn direkt gefragt, ob er sich das vorstellen könne. Fünf Minuten später war er da. Er ist ein Glückgriff. Seine Erfahrung tut uns gut."


Jugendspieler vom Campus: "Das Ziel ist, dass in den nächsten Jahren wieder Spieler wie David Alaba oder Philipp Lahm rauskommen. Spieler aus der Jugend sind auch günstiger für den Profikader."

Seine Arbeit mit den Medien: "Mir macht das Spaß, aber die Fragen sind nicht immer einfach. Es ist wichtig, dass man eine Linie hat. Wenn man an erster Stelle steht, ist es was ganz anderes. Es ist Fußball, wir alle wollen Erfolg. Es ist aber nur Fußball. Wir sollten nicht alles so bierernst nehmen."

Die Zukunft von Javi Martínez (Rückkehr nach Bilbao im Winter?): "Was er die letzten Spiele gezeigt hat, war klasse. Er ist ein wichtiger Teil der Mannschaft und auf mehreren Positionen einsetzbar. Er macht seine Sache sehr gut und du kannst dich als Trainer auf ihn verlassen. Er geht für einen durchs Feuer."

Martínez' angebliche Tränen vor dem Spiel gegen Hoffenheim: "Er hat nicht geweint, das stimmte nicht. Er war traurig, dass er nicht gespielt hat. Es war einfach nur ein Gespräch, in dem ich ihm gesagt habe, dass es weitergeht und der Trainer nur elf Plätze zu vergeben hat."


Den Hype um seine Person: "Wichtig ist, dass man geerdet bleit. Es gibt Höhen und Tiefen. Die Mannschaft hat umgesetzt, was das Trainerteam gefordert hat. Ich nehme mich nicht so wichtig. Mein Umfeld gibt mir Kraft. Das brauche ich auch. Wenn wir gewinnen drehe ich nicht durch, wenn wir verlieren auch nicht. Erfolge werden oft mit einer Person verbunden, aber ich bin ein Teamplayer. Mein Team ist sensationell gut. Es geht nur im Team."

Die Herausforderung, den Kader bei Laune zu halten: "Es ist immer gut, wenn man die Wahrheit sagt. Ehrlichkeit gehört zu dem Geschäft auch dazu. Manchmal muss man auch kritisch sein, sagen, was man besser machen kann. Jeder Spieler bei Bayern will Erfolg haben. Das ist das Wichtigste, wenn man sich weiterentwickeln möchte."

Den Videobeweis: "Von der Gerechtigkeit her ist es schon gut für die Bundesliga, denn es geht um Abstieg und Meisterschaft. Es ist eine sinnvolle Ergänzung. Auch, wenn man nach einem Tor manchmal ein, zwei Minuten warten muss."

Die DFB-Ausbootung von Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels: "Ich habe mit allen dreien zusammengearbeitet. Sie waren zu dieser Zeit wichtige Stützen und haben sich immer vorbildlich verhalten. Für einen Trainer gibt es aber oft Situationen, an denen man an die Zukunft denkt. Diesen Schritt sind sie gegangen, daher will ich es nicht bewerten. Es gehört aber dazu, dass man auch mal eine andere Philosophie hat und dem Nachwuchs eine Chance gibt. Es sind aber alles Top-Spieler, die viel für den deutschen Fußball getan haben."

Jupp Heynckes: "Er war mein bester Trainer. Damals war er schon viel weiter als die Trainer, die ich auch danach hatte. Er hatte immer Empathie für die Spieler. Ich habe ihn mal zum DFB eingeladen, da sprach er zu den U-Trainern. Sie waren begeistert von seiner Art. Die soziale Kompetenz ist so wichtig in unserem Geschäft. Er ist noch agil und voll im Thema. Schön, dass man von ihm so viel Erfahrung mitnehmen kann."


Udo Lattek: "Er war mein erster Trainer und hat mir das Vertrauen geschenkt. Es war eine Sitzung und da hat er mir gesagt, dass ich gegen Leverkusen spiele. Das hätte ich nicht erwartet. Er sagte: ‚Mit der Mannschaft ist es wie in der Tierwelt: Wenn Altwölfe schwächeln und die Jungwölfe im Kommen sind, ist es auch Zeit, den Jungwölfen eine Chance zu geben‘."

Mario Götze: "Das Tor war einfach sensationell gemacht. Wir Deutschen sind da vielleicht zu nüchtern: 1:0 gemacht, gewonnen. Mario ist ein sehr, sehr guter Spieler und ich hoffe, dass er wieder an seine Leistungsstärke kommt. Er ist im letzten Drittel begnadet, bei Ballannahme und Mitnahme. Da hat er Qualitäten, die nur Wenige haben. Ich wünsche mir, dass er wieder zu seiner Stärke kommt."

Standardsituationen: "Es fehlt momentan die Zeit, dies zu trainieren und im Programm unterzubringen. Nächste Woche haben wir eine volle Woche vor uns, um uns auf Mönchengladbach vorzubereiten. Da werden wir auch Standards trainieren."

Uli Hoeneß: "Ich habe ihn als empathischen Menschen kennengelernt, der viel Wert auf das Miteinander legt, was heute im Fußball oft zu wenig vorhanden ist, weil eigene Interessen verfolgt werden. Er war und wird immer einer sein, der Bayern groß gemacht hat."

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