Der Hype um "die größte kleine Liga der Welt"

Sportinformationsdienst
Sport1

Daheim in den USA ist Ryan Carpenter plötzlich ein kleiner Star. Der Pitcher des nicht gerade schillernden Baseball-Teams Rakuten Monkeys aus Taiwan war bis vor wenigen Wochen höchstens Experten ein Begriff, nun schauen ihm Millionen Fans bei der Arbeit zu.

Und das nur, weil weltweit der Profisport wegen der Coronakrise still steht, die kleine Chinese Professional Baseball League (CPBL) in Taiwan aber wieder läuft.


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"Viele Leute in den USA warten sehnsüchtig darauf, dass der Sport zurückkehrt. Sie suchen verzweifelt etwas, das sie sich anschauen können", sagt Carpenter im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.

Live-Übertragungen von Baseball in Taiwan 

Die Lösung? Taiwan! Seit die gerade einmal vier Klubs der Liga ihre Spiele im Internet mit englischem Kommentar zeigen, wächst die Fangemeinde Tag für Tag.

Die Rakuten Monkeys aus Taoyuan hatten als erster Verein die Idee, alle Spiele im Netz auch auf Englisch zu übertragen. Mit ungeahntem Erfolg: Die ersten fünf Begegnungen verzeichneten fast fünf Millionen Zugriffe. Wenig später zogen die Chinatrust Brothers nach und erreichten an nur einem Tag mehr als eine Million Views, der Großteil davon aus den USA.

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"Das hier ist die größte kleine Liga der Welt - und von der noch nie jemand gehört hat", sagt Rob Liu gegenüber AFP. Die Zugriffszahlen seiner auf Englisch geführten Statistik-Homepage über die CPBL hat sich zuletzt verzehnfacht. Fast alle Besucher kommen aus den USA oder Kanada.

Und nicht nur das: In den CPBL-Stadien sind inzwischen sogar bis zu 1000 Zuschauer pro Spiel zugelassen. Der Schnitt der Liga liegt zwar eigentlich bei 6000, doch die Fans freuen sich über jede Lockerung. Neben jedem Zuschauer müssen zwar drei Sitzschalen frei bleiben, und auch das Mitbringen von Essen ist verboten - doch zumindest ist ein Teil wieder live dabei.

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Zuschauer lernen etwas über Taiwan

US-Wettanbieter haben die kleine Liga längst in ihr Angebot aufgenommen. Dabei hatte die CPBL 2009 unter einem Wettskandal gelitten, die Zuschauerzahlen sanken dramatisch.

Für Taiwan war das ein kleiner Schock. Baseball wurde schon vor 100 Jahren von den Japanern auf die Insel gebracht, heute ist der Sport die klare Nummer eins des Landes. Zuletzt stiegen die Zuschauerzahlen wieder, vor allem nach dem kurzen Gastspiel des MLB-Stars Manny Ramirez 2013.

Der Kanadier Wayne McNeill, einer der Live-Kommentatoren der Spiele, hofft nun auf einen kleinen Werbeeffekt für seine Wahlheimat.


"Ich glaube, dass die Zuschauer auch etwas über Taiwan lernen, Stück für Stück. Das ganze Feedback - wir haben über das Essen, die Menschen, den Kampf gegen Corona und all das gesprochen - ist auch ein bisschen Werbung für Taiwan", sagt McNeill: "Und das ist viel größer als Baseball."

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