Interview mit Gal Gadot: Eine Superheldin Hollywoods

Spätestens seit ihrem Superheldinnen-Film “Wonder Woman” ist Gal Gadot in aller Munde. Bei einem Treffen hatte unsere Kollegin Elizabeth Di Filippo die Gelegenheit, mit dem Star über das Frauenbild in Hollywood zu sprechen.

<em>Gal Gadot. (Foto von Axelle/Bauer-Griffin/FilmMagic)</em>
Gal Gadot. (Foto von Axelle/Bauer-Griffin/FilmMagic)

Gal Gadot sitzt auf einer makellosen weißen Couch in einer Hotelsuite in Manhattan und ist bereit, mit einer nicht enden wollenden Schlange von Journalisten zu sprechen. Trotz Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sieht Gadot in ihrem ärmellosen Jumpsuit in leuchtendem Blau aus, als ob sie bereit für den Sommer ist.

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Ich sitze also in der Lobby des Vier-Jahreszeiten-Hotels und vertreibe mir die Zeit, indem ich mich auf das Treffen vorbereite. Im Hintergrund läuft leiser Jazz, während die gefolgsamen Hotelangestellten hin- und hersausen, um ihren Gästen jeden Wunsch zu erfüllen.

<em>Foto mit freundlicher Genehmigung von Smartwater.</em>
Foto mit freundlicher Genehmigung von Smartwater.

Eine flüsternde Hotelangestellte führt mich einen langen Flur hinunter zu einer Hotelsuite und ich fühle mich plötzlich an die Unheil verheißende Szene in „Goodfellas“ erinnert.

„Sie ist am Ende des Flurs“, sagt die Frau sanft.

Gadot begrüßt mich und bittet mich, Platz zu nehmen. Es ist ihr letztes Interview an diesem Tag.

Mit ihren 1,78 Metern überragt Gadot den Rest der sich im Zimmer befindenden Frauen. Die frühere Schönheitskönigin und israelische Soldatin strahlt eine entwaffnende Schönheit und ein Selbstbewusstsein mit einer Wärme aus, die irgendwie dafür sorgt, dass man sich in ihrer Gegenwart nicht eingeschüchtert fühlt.

Gadot spricht langsam in dem wohlklingenden Akzent, für den sie bekannt ist, und wählt ihre Worte sorgfältig aus. Abgesehen vom Gespräch über ihre letzte Beziehung, merke ich schnell, dass Gadot keine typische Hollywood-Schauspielerin ist, die gern im Rampenlicht steht. Stattdessen ist sie eine Frau, die die Landschaft für Frauen im Film-Business grundlegend verändern will.

<em>(Foto von Stephane Cardinale - Corbis/Corbis über Getty Images)</em>
(Foto von Stephane Cardinale - Corbis/Corbis über Getty Images)

Seitdem sie 2015 über Nacht zum Superstar wurde, nachdem sie die Rolle von Wonder Woman im DC Film „Batman gegen Superman: Beginn der Gerechtigkeit“ ergattert hatte, zeigte Gadot schnell, dass sie mehr ist als nur eine Lasso-schwingende, amazonenhafte Prinzessin. Nach ihren Rollen in Patty Jenkins Blockbuster „Wonder Woman“ (2017) und dem von Kritikern verrissenen Streifen „Justice League“ (2018) machte sie sich zum Ziel, mehr kreative Kontrolle zu erlangen. Sie arbeitete erneut mit Jenkins für die in diesem Jahr erscheinende Fortsetzung „Wonder Woman 1984“ zusammen. Der Film soll am 4. Juni in die Kinos kommen und ist Gadots Produktionsdebüt.

„Dadurch habe ich die Möglichkeit, in die Anfangsphase und die Vision eines Projektes involviert zu sein, bevor ich als Schauspielerin ans Set komme und mit den Dreharbeiten beginne. Mir als Geschichtenerzählerin und Schauspielerin ist es sehr wichtig, etwas zu erzählen, das von Bedeutung ist und eine Wirkung auf mich hat“, sagt sie. „In Hollywood hatte ich schon lange Zeit das Gefühl, dass alle Drehbücher, die ich gelesen habe, gleich sind. Die Frau ist stark und tough, aber so knallhart, dass sie dadurch kalt wirkt. Ich empfand das als unrealistisch. Ich war auf der Suche nach mehr, denn ich weiß, was es heißt, eine Frau zu sein. Ich weiß, dass unsere Geschichten es wert sind, erzählt zu werden.“

<em>Gadot im Film “Wonder Woman 1984”, der in diesem Jahr in die Kinos kommt. Foto über Splash News.</em>
Gadot im Film “Wonder Woman 1984”, der in diesem Jahr in die Kinos kommt. Foto über Splash News.

Die Entscheidung, in die Produktion zu gehen, stellt für Gadot, die sich vehement für Frauenrechte einsetzt, auf vielerlei Weise eine Form von Aktivismus dar. Im Oktober 2019 gründeten Gadot und ihr Ehemann, Yaron Vasano, Pilot Wave Motion Pictures. Sie gaben ihre Pläne bekannt, nur Projekte zu produzieren, bei denen Frauen im Mittelpunkt stehen. Dazu gehört unter anderem eine Miniserie für Showtime über Hollywood-Legende und Erfinderin Hedy Lamar, ein Kinofilm über die polnische Heldin Irena Sendler aus dem Zweiten Weltkrieg und eine Verfilmung des Romans „All the Rivers“ von Autorin Dorit Rabinyan, der von der israelischen Regierung verboten wurde.

Trotz der gesellschaftlichen Abrechnung durch die „Time’s Up“-Bewegung, die dank der Stimmen vieler einflussreicher Frauen in Hollywood internationale Aufmerksamkeit erlangt hat, sieht es so aus, als ob die Unterhaltungsbranche weiterhin Filme ignoriert, die von Frauen gemacht wurden.

Sowohl die Golden Globes als auch die Academy Awards gingen an männliche Regisseure, obwohl bei einigen der gehypten Filme des Jahres („Honey Boy“, „The Farewell“, „Booksmart“) Frauen Regie geführt haben. Greta Gerwigs „Little Women“ wurde für sechs Oscars nominiert, einschließlich für die beste Verfilmung und die begehrte Auszeichnung für den besten Spielfilm. Gerwigs Rolle hinter der Kamera wurde dabei aber übersehen. In den Medien erschienen zahllose Artikel, in denen dem männlichen Publikum vorgeworfen wurde, Filme mit starken weiblichen Hauptfiguren nur widerwillig anzusehen.

<em>Gadot und ihr Ehemann Yaron Varsano. (Foto über Getty Images/Frazer Harrison).</em>
Gadot und ihr Ehemann Yaron Varsano. (Foto über Getty Images/Frazer Harrison).

Trotz der zähen Fortschritte und dem Mangel an Wertschätzung für ihre Arbeit bleibt Gadot weiterhin ihrem Ziel treu und kämpft wie eine Superheldin dafür, Frauen eine Stimme zu geben.

„Mein innerer Kompass stellt die Frage ‚Ist die Geschichte es wert, erzählt zu werden, oder nicht?‘. Viele dieser Geschichten sprechen mich mehr an, weil ich eine Frau bin, aber all diese Geschichten sind allgemeingültig“, sagt sie und neigt sich zu mir. Sie sieht aus, als ob sie bereit ist, zu kämpfen und mühelos die Decke aus Glas zerspringen zu lassen. „Je mehr Möglichkeiten wir Autorinnen und Filmemacherinnen geben, diese Geschichten aus der Perspektive von Frauen zu erzählen, desto besser.“

Gadots Worte hängen vor mir in der Luft und fühlen sich nicht nur für mich fast wie ein Trost an, sondern auch für alle anderen, die zuhören.

„Es wird sich etwas ändern“, sagt sie. „Langsam.“

<em>(Foto über Albert L. Ortega/Getty Images)</em>
(Foto über Albert L. Ortega/Getty Images)

Gadot ist ständig bemüht, trotz ihrer stressigen Karriere auch der Rolle als Mutter ihrer zwei gemeinsamen Töchter mit Varsano gerecht zu werden.

„Ich versuche immer, ein gewisses Gleichgewicht zu finden“, sagt sie. „Jede Mutter mit einer Karriere weiß, dass es ein permanenter Kampf ist, Zeit für alles zu finden, alles richtig zu machen, und dazu noch Zeit für sich selbst zu finden.“

Mit ihrem vollgepackten Terminkalender, in dem die Übernahme der Welt nur ein Eintrag ist, gibt Gadot an, dass körperliche Fitness ihr dabei hilft, geistig stark zu bleiben. Neben ausgewogener Ernährung und viel Wasser meditiert Gadot regelmäßig – sie verrät, dass sie das mit ihren Töchtern jeden Abend vorm Schlafengehen tut.

<em>Foto über Getty Images.</em>
Foto über Getty Images.

„Es ist meine Philosophie, dass die einfachsten Dinge den größten Einfluss haben. Sie sind es, die mich glücklich machen. Sport, gesundes Essen, genügend Wasser trinken, ein Strandspaziergang, ein schönes Lied hören oder meine Familie in den Arm nehmen und Zeit mit ihr verbringen“, sagt sie.

„Diese Dinge sind es, die mich entspannen, und mir neue Energie geben.“

Elizabeth Di Filippo

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