Das Drama einer unterschätzten Legende

Vincent Wuttke
·Lesedauer: 4 Min.
Das Drama einer unterschätzten Legende
Das Drama einer unterschätzten Legende

Wenn die Fans der Pittsburgh Penguins von Mario Lemieux sprechen, dann reden sie immer nur von ihrem "Super Mario". (Ausgewählte Spiele der NHL LIVE im Free-TV auf SPORT1)

Kein Wunder: Der Held der Anhänger sorgte in seinen 21 Jahren als Profi nicht nur für zwei Stanley Cups, sondern auch für die Rettung der Franchise. Nie spielte der Liebling für ein anderes Team und nie ließ er seine Franchise im Stich. Als der finanzielle Ruin drohte, da stieg der Ex-Star als Funktionär ein und rettete die Penguins.

Es folgten zwei Meisterschaften mit Boss Lemieux 2009 und 2016.

Für die Pittsburgh-Fans ist der Kanadier deshalb der beste Eishockeyspieler der Geschichte. (NEWS: Alles Wichtige zur NHL)

War Lemieux besser als Gretzky?

Und in der Tat hätte der Lemieux seinen Landsmann Wayne Gretzky wohl in vielen Statistiken überflügelt, wäre die Karriere nicht von so schweren Rückschlägen geprägt gewesen.

Die Zahlen wirken auf den ersten Blick jedoch auch so wie eine Bilderbuchkarriere.

Der am 5. Oktober 1965 in Montréal geborene Lemieux kam in 915 NHL-Spielen auf 690 Tore und verzeichnete 1.033 Assistpunkte. Dazu kamen weitere 107 Playoff-Auftritte, in denen er nochmals 76 Treffer und 96 Punkte schaffte. Der Lohn waren die Siege im Stanley Cup 1990 und 1991.

Hinzu kamen zahlreiche persönliche Auszeichnungen. Lemieux war zum Beispiel in sechs Saisons der Spieler mit den meisten Scorerpunkten!

Lemieux schreibt 1988 Geschichte

Seinen Platz in den Geschichtsbüchern fand der Kanadier bereits am 31. Dezember 1988, als er der erste und bis heute einzige NHL-Profi wurde, der aus allen Spielsituationen traf. Lemieux netzte in Gleichzahl, Überzahl, Unterzahl, per Penalty und ins verlassene Tor.

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Dennoch ist der Ausnahmekönner bei vielen Fans im tiefen Schatten von Gretzky verschwunden. Das liegt vor allem an den vielen Verletzungen von Lemieux, die noch größere Erfolgskapitel verhinderten.

Der Mann, der 1984 als 18-Jähriger in der ersten Draftrunde von den Penguins als schlechtestem Team geholt wurde und dies im Alleingang in eine Erfolgsära beförderte, hatte von Beginn an mit seinem Körper zu kämpfen.

Durch seine chronischen Rückenschmerzen und die im Karriereherbst immer mehr auftretenden Hüftprobleme verpasste der Superstar mehrere hundert Partien während seiner Laufbahn.

Lemieux besiegt den Krebs als Profi

Das schimmste Drama ereilte Lemieux 1993: Ärzte stellten damals bei ihm Lymphdrüsenkrebs fest.

"Das war der schwärzeste Tag in meinem Leben", erinnerte sich der NHL-Veteran später emotional. "Es ist wirklich eine ganz üble Erfahrung, wenn einem ein Arzt in seiner Praxis plötzlich damit konfrontiert, dass man Krebs hat. Mir ist es da sehr schwer gefallen nach Hause zu fahren und es meiner damaligen Freundin zu sagen. Ich musste auf der Fahrt mehrfach am Straßenrand anhalten und warten, da mir die Tränen schlicht die Sicht auf die Straße genommen hatten. Das war wirklich ganz schrecklich damals."

Doch der dreimalige NHL-Spieler des Jahres beförderte sich gerade durch seine Einstellung in die Herzen der Fans.

Denn: Nur einen Monat nach der Behandlung kehrte "Super Mario" zurück - und wie!

NHL-Boss schwärmt von Lemieux

Lemieux wurde trotz mehr als 20 verpasster Partien der beste Scorer der Liga. Er schwang sich endgültig zur Legende auf.

NHL-Commissioner Gary Bettmann kann es 28 Jahre später immer noch nicht fassen: "Diese Geschichte von damals wird bis heute noch nicht hoch genug bewertet. Man muss sich das einmal vorstellen, da bekommt Mario noch am Vormittag seine letzte Behandlung gegen den Krebs, fliegt dann nachträglich zur Mannschaft und spielt am Abend in Philadelphia für sein Team in der NHL. Das war wirklich unglaublich! Daran erkennt man auch, wie sehr er das Spiel wirklich geliebt hat!"

In der öffentlichen Wahrnehmung kam Lemieux dennoch nie an Gretzky vorbei.

Dabei gewann Lemieux seine beiden Meisterschaften ausgerechnet in der Dominanzphase seines Landsmannes und hatte dabei längst nicht so starke Mitspieler an der Seite wie Gretzky in dessen Titeljahren. (Spielplan und Ergebnisse der NHL)

Lemieux und Gretzky zaubern 1987 zusammen

Die Teams der beiden Legenden trafen übrigens während der gemeinsamen Zeit in der NHL 44 Mal aufeinander. Auf dem Eis begegnete sich das Duo jedoch nur 25 Mal - bedingt durch Lemieuxs Leidenszeiten.

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In der Nationalmannschaft zauberten die beiden sogar zusammen. Beim Canada Cup 1987 war das Duo nicht zu stoppen und führte Kanada zu Gold. In neun Partien gelangen Lemieux 18 Torbeteiligungen und der entscheidende Treffer im Finale gegen die Sowjetunion.

Die meiste Aufmerksamkeit bekam dennoch Rekord-Sammler Gretzky.

Doch als Lemieux am 24. Januar 2006 in Pittsburgh tränenreich seinen endgültigen Abschied vom aktiven NHL-Eishockey bekanntgab, da hatte er sich eine Bestmarke gesichert. Der Kanadier ist mit 0,823 Toren Pro Spiel und 2,005 Punkten pro Spiel der effektivste Spieler der Geschichte. (Tabellen der NHL)

Auch deshalb hängt sein Trikot mit der Nummer 66 heute in dem Consol Energy Center, das Lemieux als Verantwortlicher für seine Franchise bauen ließ.