Imola 1985: Als zu wenig Sprit im Tank nicht nur Senna den Sieg kostete

Juliane Ziegengeist
motorsport.com

Der Grand Prix von San Marino am 5. Mai 1985 ging als eines der kuriosesten Rennen in die Formel-1-Geschichte ein. In den letzten fünf Runden sah das Feld drei verschiedene Fahrer an der Spitze, doch keiner von ihnen sollte am Ende gewinnen.

Aber von vorn: Ayrton Senna, der auf der regennassen Rennstrecke von Estoril im Lotus-Renault gerade seinen ersten Grand-Prix-Sieg gefeiert hatte, war zuversichtlich, diesen Erfolg zu wiederholen. "Mein Auto ist gut, es hat sich seit Portugal verbessert", sagte er und ließ bereits im Qualifying Taten folgen.

Der Brasilianer sicherte sich die Pole-Position mit 0,027 Sekunden Vorsprung auf Keke Rosberg im Williams-Honda, warnte aber: "Die Pole ist hier in Imola nicht so wichtig wie auf einigen anderen Strecken. Es wird ein langes, hartes Rennen sein; hart für die Bremsen und den Benzinverbrauch." Und er sollte Recht behalten.

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Senna dominiert das Rennen, doch dann bleibt er stehen

Das damalige Reglement der Formel 1 galt für 1,5-Liter-Turbomotoren, die die stärksten - und durstigsten - Motoren waren, die der Sport je gesehen hat. Es gab jedoch ein striktes Benzinlimit von 220 Litern, sodass die Teams ihren Benzinverbrauch in die Rennstrategie einbeziehen mussten. Und Imola war bekannt für hohen Verbrauch.

Das hatte sich bereits ein Jahr zuvor gezeigt, als Elio de Angelis als eines von drei Autos auf dem Trockenen landete, wobei es ihm dennoch gelang, sich auf einen Podiumsplatz zu retten. In diesem Jahr war er entschlossen, es schlauer anzugehen.

Senna im Duell mit Alain Prost: Am Ende sollten beide den Kürzeren ziehen

Senna im Duell mit Alain Prost: Am Ende sollten beide den Kürzeren ziehen <span class="copyright">Motorsport Images</span>
Senna im Duell mit Alain Prost: Am Ende sollten beide den Kürzeren ziehen Motorsport Images

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Am Renntag übernahm zunächst sein Teamkollege Senna die Spitze und legte ein hohes Tempo vor, dem die anderen folgen sollten. Tatsächlich dominierte er das Rennen trotz eines Angriffs von Alain Prost (McLaren-TAG) zur Rennmitte und lag mehr als zehn Sekunden klar in Führung, als ihn ein folgenschwerer Benzinmangel ereilte.

Prost disqualifiziert, de Angelis erbt den Sieg in Imola

Vier Runden vor Schluss musste er aufgeben. "Es war schade, denn es war ein gutes Rennen. Prost war auf der Geraden schneller als ich, aber ansonsten waren wir gut in Form", resümierte Senna, dessen Führung nach dem Ausfall Stefan Johansson im Ferrari übernahm. Doch nur nach einer Runde an der Spitze blieb auch er stehen.

Das wiederum spülte Prost auf Platz eins, der ganz klar Benzin sparte und sich so über die letzten Runde zum Sieg rettete. Diesen behielt der Franzose allerdings nicht lange, denn sein McLaren lag bei der technischen Abnahme nach dem Rennen zwei Kilogramm unter der Mindestgewichtsgrenze (einschließlich zwei Kilo Toleranz).

Hier feierte Prost den Sieg noch auf dem Podest, dann folgt die Disqualifikation

Hier feierte Prost den Sieg noch auf dem Podest, dann folgt die Disqualifikation <span class="copyright">Motorsport Images</span>
Hier feierte Prost den Sieg noch auf dem Podest, dann folgt die Disqualifikation Motorsport Images

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Obwohl es zwei Stunden dauerte, bis die Stewards McLaren-Chef Ron Dennis davon überzeugen konnten, dass Prosts Auto zu leicht war, wurde er disqualifiziert und de Angelis erbte den Sieg. Er hatte die Ziellinie 38 Sekunden hinter Prost überquert.

Boutsen muss sein Auto über die Ziellinie schieben

"Der Motor hatte den Benzindruck selbst herunter geregelt, das hat mir wahrscheinlich geholfen, das Rennen zu beenden", gab der Lotus-Renault-Pilot zu."Später drehte ich ihn wieder hoch und es funktionierte gut, aber am Ende liefen die Bremsen heiß und in den letzten drei Runden hatte ich überhaupt keine Bremsen mehr."

Der Sieg in Imola 1985 sollte de Angelis' letzter in der Formel 1 sein - wenn auch einer, bei dem er nicht eine Runde in Führung lag. Thierry Boutsen (Arrows-BMW) wurde als Zweiter gewertet, obwohl auch ihm der Treibstoff ausgegangen war und er sein Auto eine Runde später als der Spitzenreiter über die Ziellinie schob.

Patrick Tambay (Renault) komplettierte das Podium als Dritter, gefolgt von dem amtierenden Weltmeister Niki Lauda, der mit dem Getriebe seines McLaren zu kämpfen hatte, Nigel Mansell (Williams) und Johansson, der trotz Benzinmangels aufgrund seiner zurückgelegten Distanz noch als Sechster klassiert wurde.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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