International: Halilovic: Vom Balkan-Messi zum Reservisten

Alen Halilovic wurde als "Messi vom Balkan" gefeiert, als er 2014 von Dinamo Zagreb zum FC Barcelona wechselte. Fünf Jahre später kämpft der kroatische Mittelfeldspieler um seinen Platz beim SC Heerenveen.

Scouts können mit ihren Talenteinschätzungen nicht immer richtig liegen. Auch bei Spitzenvereinen nicht. Ein unverbesserliches Beispiel dafür trug sich im Sommer 2014 zu, als der FC Barcelona den heutigen spanischen Nationalspieler Dani Olmo im Alter von 14 Jahren als "nicht gut genug" einstufte und an Dinamo Zagreb verscherbelte.

Im Gegenzug sicherten sich die Katalanen die Dienste eines Talents der Kroaten. Alen Halilovic, ein 17-jähriger Mittelfeldspieler, kam für 2,2 Millionen Euro in die katalanische Metropole. Mit vielen Vorschusslorbeeren und hohen Erwartungen.

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"Messi vom Balkan" nannten sie ihn in Spanien, nachdem einige eifrige YouTuber ein paar nette Compilation-Videos von dem Sohn des früheren bosnischen Nationalspielers Sejad Halilovic zusammengeschnitten hatten. Bis auf die ähnliche Frisur und Körpergröße sollte das vermeintliche Supertalent tatsächlich aber wenig mit Messi gemein haben. Das war spätestens ein Jahr später klar, als der Verein Halilovic nach 28 Einsatzminuten für die Profis nahelegte, sich erst einmal innerhalb Spaniens verleihen zu lassen.

Halilovic und der "große Fehler" HSV

Sporting Gijon gewann das Rennen um den damals noch begehrten Linksfuß. Der Deal machte sich für alle Beteiligten bezahlt. Halilovic kam in seiner ersten Saison in der Primera Division auf 37 Einsätze, wobei er zehn Scorerpunkte (fünf Tore, fünf Vorlagen) sammelte. Damit leistete er einen wesentlichen Beitrag zum Klassenerhalt, wenngleich sie bei Barca noch immer keine Verwendung für ihn fanden.

Gijon hätte ihn natürlich gerne fest verpflichtet, doch Halilovic verfolgte andere Pläne. Er wollte nicht gegen den Abstieg spielen, sondern lieber zu einem stärkeren Klub mit größerem Etat und dem Hintergedanken, eines Tages in Europa seine Klasse zu zeigen.

Umso seltsamer, dass er sich ausgerechnet für einen Wechsel zum Hamburger SV entschied. "Ein großer Fehler", wie Halilovic heute selbst sagt.

Halilovic: "Ein Spiel ist keine Chance"

Seine Zeit beim heutigen Zweitligisten entpuppte sich als riesiges Missverständnis. Sieben Mal stand er auf dem Platz, nur einmal von Anfang an, bis ihn Trainer Markus Gisdol aussortierte.

"Er sagte mir, dass ich nicht in sein System passe. Die ganze Situation war desaströs für mich", erinnert sich der immerhin fünf Millionen Euro teure Halilovic im Gespräch mit Voetbal International zurück. Gisdols Vorwurf an den Jungspund: Er arbeite zu wenig mit nach hinten.

"Es ist ein Problem, wenn der Trainer eine Sache denkt und der Spieler eine andere. Wenn ich eine Chance bekommen hätte - ich weiß nicht, ob ich gut oder schlecht gespielt hätte. Ich glaube, ein Spiel ist keine Chance", meint Halilovic.

Gattuso sortierte Halilovic nach drei Spielen aus

Der entmutigte Teenager suchte nach nur einem halben Jahr das Weite. UD Las Palmas, zu jenem Zeitpunkt noch in der ersten spanischen Liga vertreten, lieh ihn für eineinhalb Jahre aus. Von Erfolg gekrönt war bis auf einen anfänglichen Aufwärtstrend aber auch diese Etappe nicht, weil Halilovic nach acht Monaten eine schwere Knöchelverletzung erlitt.

Die 105-tägige Zwangspause warf ihn aus der Bahn, nach seinem Comeback war er nicht mehr der Alte. Las Palmas stieg nicht zuletzt deshalb in die Segunda Division ab und Halilovic musste erneut weiterziehen.

Über den AC Mailand, bei dem der damalige Trainer Gennaro Gattuso ihm nach nur drei Spielen die Tauglichkeit für sein Team absprach, ging es über Standard Lüttich zum SC Heerenveen.

Halilovic spielte zuletzt für die U21 von Heerenveen

Dort, in der niederländischen Provinz, versucht Halilovic dieser Tage seine stark beschädigte Karriere zu reparieren. Er ist jetzt 23, also immer noch jung genug, um den Durchbruch zu schaffen. An ihm haftet jedoch das Image des gescheiterten Talents. "Das hinterlässt Spuren", sagt Heerenveens Trainer Johnny Jansen.

In der laufenden Saison absolvierte der zehnmalige kroatische Nationalspieler nur 160 Spielminuten, wurde im September sogar zwischenzeitlich in der U21 eingesetzt. Jansen tut sich schwer, dauerhaft einen Platz im Mittelfeld für ihn freizuschaufeln.

Der sporadisch zum Einsatz kommende Halilovic habe zwar "beeindruckende technische Fähigkeiten", wie schon bei seinen vorherigen Arbeitgebern aber Schwächen im Spiel gegen den Ball. "Gelingt es ihm auch, für die Mannschaft zu arbeiten? Das ist die Frage", so Jansen.

Halilovic: "Kann immer noch so gut wie Modric werden"

Zudem wird abseits des Platzes deutlich, dass die frühen Vergleiche mit Messi und auch seinem kroatischen Landsmann Luka Modric kontraproduktiv für Halilovics Selbsteinschätzung waren. Selbst in seiner aktuellen Situation spricht er davon, dass er zumindest noch eine ähnliche Laufbahn wie Modric hinlegen könne.

"Er hat Dinamo Zagreb auch mit 23 erst verlassen und bei Tottenham zunächst Schwierigkeiten gehabt. Nach meinem Gefühl kann ich immer noch so gut werden wie er", so die Worte des 1,69 Meter großen Spielmachers.

Dafür muss er sich aber erst einmal beim Tabellenachten der Eredivisie behaupten.

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