International: Der Aufstieg und Fall des Imperators Adriano

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Sie verschmähten ihn als "Tombadour", verehrten ihn als "Imperator" und den perfekten Stürmer, erwarteten, dass er Fußballgeschichte schreibe. Doch es kam alles anders. Persönliche Tragödien, lange Partynächte, Depressionen und viel Alkohol sorgten für den tiefen Fall von Adriano. Die traurige Geschichte eines designierten Ronaldo-Erben, dessen Dämonen niemand vertreiben konnte.

Seite 1: Adrianos Durchbruch, märchenhaftes Inter-Debüt und die "Zona Adriano"

Im Fußball machen Schüsse unsterblich, unvergessen, erschaffen Götter oder Witzfiguren. Helmut Rahn 1954 wurde durch einen Schuss von der Sechzehnerkante zu einer Legende. Davon können auch Mario Götze oder der Uruguayer Alcides Ghiggia ein Lied singen. Aus Mario Gomez oder Roberto Baggio wiederum wurde mit einem Schuss das Gegenteil. Ein fataler Schuss, der sein Ziel verfehlte, war alles, was es dazu brauchte.

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Und so waren es Schüsse, die auch den Brasilianer Adriano Ribeiro Leite prägten - positiv wie negativ. Sie machten ihn einerseits zu dem Fußballer, der als 'Imperator' von den Fans gefeiert wurde, der Ronaldos Erbe antreten sollte, der "Fußballgeschichte schreiben" sollte, wie es Brasiliens Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira einmal sagte. So gut, so brutal, so kraftvoll war seine linke Klebe, mit der er aus gefühlt nahezu jeder Position ab der Mittellinie treffen konnte.

Doch gleichzeitig waren es auch Schüsse, die in Adriano Dämonen hervorriefen. Schüsse, die in Vila Cruzeiro, einem Elendsviertel von Rio de Janeiro, fielen und einen tragischen Einfluss auf die Karriere des heute 38-Jährigen hatten, den Roberto Mancini, Inter Mailands Trainer von 2004 bis 2008, einst als die perfekte Stürmer-Symbiose beschrieb.

Ein Stürmer, der "die Kraft von Gigi Riva, die Beweglichkeit von Marco van Basten und den Egoismus von Romario" gehabt habe, jedoch in Depressionen und Alkohol ertrank und nie sein ganzes Potenzial ausschöpfte.

Adrianos Schicksalsschlag: "Jener Tag veränderte mein Leben"

Spricht man auf diese Weise in der Retrospektive über die Karriere eines Mannes mit Superstar-Potenzial, wirft das eine entscheidende Frage auf: Wann war der Punkt, ab dem alles schiefzulaufen begann? In Adrianos Fall ist die Antwort auf diese Frage einfach.

Es ging bergab seit einer März-Nacht 1992 in der Vila Cruzeiro, als die Polizei das Armenviertel Rios stürmte, um mit einer Razzia gegen die dort ansässigen berüchtigten Drogenbarone des "Comando Vermelho" vorzugehen.

"Jener Tag veränderte mein Leben", sagte Adriano Jahre später in einem Gespräch mit fifaworld.com: "Mit einem Schlag wurde ich erwachsen." Der damals gerade zehn Jahre alte Junge hatte mit ansehen müssen, wie sein Vater Almir Ribeiro, ein Briefträger in den Favelas, von einer Kugel in den Kopf getroffen wurde.

Er überlebte knapp, doch die Kugel blieb in seinem Schädel, weil das Geld für einen operativen Eingriff fehlte. Sie sollte zwölf Jahre später ihr todbringendes Werk vollenden und einen schwelenden Brand in Adrianos Kopf legen, dem er am Ende fußballerisch erlag.

Adrianos Umschulung zum Stürmer: Der Anti-Brasilianer

Dass er zu jenem Zeitpunkt, als das Feuer unlöschbar in der Psyche loderte, überhaupt als Superstar galt, hatte er auch seinem Jugendtrainer bei Flamengo, Luiz Antonio Torres, zu verdanken, der ironischerweise selbst an einer großen Karriere des damaligen Verteidigers Adriano zweifelte.

"Kein besonderes Talent" habe er erkannt: "Er war zwar gut, aber nicht besser als seine Mitspieler", sagte Torres einmal. Überhaupt sei Adriano "schwerfällig, wenig trickreich", ergo ein Anti-Brasilianer gewesen, der nicht schwebe, "wie andere Jungs, wie die großen Spieler Brasiliens".

Doch als der 14-jährige Adriano bei den "Peneiras", den legendären Auswahlverfahren der Profiklubs in Brasilien, zu scheitern drohte, bat Torres den Auswahltrainer darum, Adriano mal ins Sturmzentrum zu stellen. Ein Schicksalsschlag im positivsten Sinne.

Der Anti-Brasilianer hatte seine Position gefunden und walzte fortan durch den Jugendbereich. Bei der U17-WM schoss er Brasilien zum Titel, ein Jahr später folgte sein Debüt für die Profis von Flamengo. Dort brauchte er nur fünf Minuten für seinen ersten von 14 Treffern in seiner ersten Profi-Saison. Zudem legte er drei weitere Tore auf. Sein Stern war endgültig aufgegangen.

Von seinem ersten Gehalt bei Flamengo kaufte er seiner Familie eine Wohnung in Rios Nobelviertel Barra da Tijuca. Da, wo auch sein Idol Ronaldo ein Haus besaß. "Im aufrechten Gang" habe er die Favelas und die darin schwelende Kriminalität, Mord und Totschlag hinter sich gelassen, sagte er später. Währenddessen erreichte die Kunde von seinem Talent auch einen gewissen Massimo Moratti, damals Haupteigentümer von Inter Mailand.

Adrianos märchenhaftes Inter-Debüt: Am Anfang war der Knall

Seine zweite Saison bei Flamengo spielte er nicht mehr zu Ende. Moratti bot den in Italien gescheiterten Vampeta plus fünf Millionen Euro für den bulligen Stürmer, Flamengo akzeptierte und Adriano schloss sich dem Klub an, bei dem der größte brasilianische Stürmer seit Pele spielte: Ronaldo.

Weil dieser noch mit den Folgen seines zweiten Kreuzbandrisses zu kämpfen hatte, kam Adriano nur drei Tage nach dem Wechsel schon zu seinem unverhofften Debüt in einem Freundschaftsspiel gegen Real Madrid. Es waren acht Minuten "reine Magie", wie die ortsansässige Presse hinterher schrieb.

Adriano machte mit Reals Aitor Karanka, was er wollte, tunnelte ihn sogar, ließ Abwehrchef Fernando Hierro wie einen Schuljungen stehen und trat in der 90. Minute zu einem Freistoß an, den er selbst herausgeholt hatte.

Mit nachgemessenen 180 km/h jagte der Unbekannte aus dem Armenviertel von Rio den Ball aus 16 Metern ins rechte obere Eck zum 2:1. . Ein Schuss, der ihm Tür und Tor in Italien öffnete.

Adriano auf Leih-Tour in der Serie A: Die "Zona Adriano"

Doch Ronaldos Comeback rückte näher und da waren ja auch noch Christian Vieri und Mohamed Kallon im Sturm der Nerazzurri. Also verlieh Inter den 1,90-Meter-Schrank im Winter erst nach Florenz und dann im Sommer 2002 zur AC Parma.

Die finanziell schwer angeschlagene Fiorentina sollte er im Jahr eins nach dem Abgang des legendären Gabriel Batistuta vor dem Abstieg bewahren. In 15 Spielen traf er sechsmal, oft sogar in letzter Minute wie gegen Chievo Verona und Milan. Auch deshalb liebten ihn die Tifosi in Florenz, weil er ein Spieler war, der die Hölle in den Himmel verwandeln konnte, so wie einst Renato Cesarini.

Der Juventus-Legende ist noch heute der geflügelte italienische Begriff "Zona Cesarini" gewidmet, der für Tore in letzter Sekunde steht. Die "Zona Adriano" gab es in Florenz jedoch nur ein halbes Jahr zu bestaunen. Am Ende der Saison stieg die Fiorentina ab, ging insolvent, bekam die Lizenz entzogen und Adriano wurde weiter nach Parma verliehen.

Dort glänzte er mit seinem kongenialen Partner Adrian Mutu, der wie Adriano später in seiner Karriere an sich selbst scheitern sollte. Das Duo harmonierte so gut, dass Parma für Adriano 14,5 Millionen Euro hinlegte. Als er in den ersten neun Spielen der Saison 2003/04 acht Treffer für Parma erzielt, holte Moratti Adriano im Winter auch auf Druck der eigenen Fans zurück.

Seite 2: Adrianos Absturz, Alkoholprobleme, Mafia, Schutzgeld und AK47-Bilder

Adriano bei Inter Mailand: Kurzer Stopp im Himmel

Während sie in Brasilien noch über Adriano spotteten und ihn verächtlich als "Tombadour", einen Stürmer im schlechtesten brasilianischen Sinne, bezeichneten, war er bei Inter besonders am Ende der Saison mit sechs Toren in den letzten sechs Spielen der gefeierte Held. "L'Imperatore", "Herrscher", nannten sie ihn aufgrund seiner körperlichen Dominanz in den gegnerischen Strafräumen.

Adriano reiste in Top-Form, jedoch mit einer besseren B-Nationalmannschaft Brasiliens ohne Ronaldo und Ronaldinho zur Copa America nach Peru. Doch er machte das Turnier zu seinem Turnier, wurde bester Spieler, mit sieben Treffern Torschützenkönig und im Finale gegen den Erzrivalen Argentinien zum Volkshelden.

Zweimal glich Adriano im Endspiel aus, das 2:2 schoss er in der 93. Minute, dann trat er auch noch zum ersten Elfmeter an und verwandelte. Brasilien gewann und Adriano widmete den Titel seinem Vater, der immer schwerer an den Folgen des Kopfschusses aus jenem März-Tag 1992 litt.

"Dieser Titel gehört meinem Vater", sagte er schluchzend in die TV-Kameras: "Er ist der beste Freund in meinem Leben. Mein Partner. Ohne ihn bin ich nichts." An diesem 25. Juli 2004 im Estadio Nacional in Lima war er im Himmel angekommen. Ein Volksheld auf dem Weg zum Superstar. Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira kündigte an: "Er wird Fußballgeschichte schreiben und die nächsten drei Weltmeisterschaften prägen, ganz sicher." Doch es sollte für Adriano nur ein kurzer Aufenthalt im Himmel sein.

Adrianos Karrierestatistiken bei Inter, Florenz, Parma und Co.

Verein

Spiele

Tore

Torvorlagen

Inter Mailand

177

74

27

Parma Calcio

45

26

-

Flamengo

38

23

9

AC Florenz

15

6

1

FC Sao Paulo

10

6

-

AS Rom

8

-

-

Coritnhians

4

1

-

Club Atletico Paranaense

3

1

-

Adriano und der Alkohol: "Die ganze Zeit voll"

Neun Tage nach dem Finale von Lima verstarb sein Vater an einer Herzattacke. Als Adriano in Mailand den Anruf erhielt, brach für ihn eine Welt zusammen. "Ich sah, wie er weinte. Er schmiss das Telefon weg und fing an zu schreien. Man kann sich diese Art von Schrei nicht vorstellen. Ich bekomme noch heute Gänsehaut", erzählte der langjährige Inter-Kapitän Javier Zanetti Jahre später im Interview mit Sempre Inter: "Von diesem Tag an haben Moratti und ich entschieden, auf ihn aufzupassen, als sei er unser Bruder."

Sie hatten auch allen Grund dazu. Schließlich sei es sein Vater gewesen, der nach Adriano gesehen und ihn auf Linie gehalten habe, wie Zanetti es formulierte. Es machte sogar den Eindruck, als hätten Zanetti und Moratti Erfolg bei Adriano, immerhin traf der in der Hinserie 2004/05 14-mal in 16 Ligaspielen. Beim Confederations Cup 2005 in Deutschland wurde er erneut Torschützenkönig und zum besten Spieler gewählt. Gemeinsam mit Kaka, Ronaldinho und Ronaldo war er Teil der fantastischen Vier, die ein Jahr später den sechsten WM-Titel Brasiliens holen sollten.

Doch der Schein trog. Längst hatten sich Trauer, Schmerz und Wut in Adrianos Kopf als stetige dämonische Begleiter eingenistet. "Er spielte zwar weiter Fußball, erzielte Tore und widmete sie seinem Vater im Himmel. Doch seit dem Anruf war es nicht mehr das Gleiche", sagte Zanetti. Ein Umstand, den Adriano selbst später bestätigte.

"Ich war allein in Italien. Isoliert, traurig und deprimiert. Also fing ich mit dem Trinken an", sagte er in einer TV-Reportage 2018. Er sei nur glücklich gewesen, wenn er trinken konnte. "Jeden Abend. Und ich trank alles, was mir in die Hände kam: Wein, Whiskey, Wodka, Bier. Verdammt viel Bier. Ich habe einfach nicht aufgehört. Ich war die ganze Zeit nur voll."

Adriano bei der WM 2006: Ein Schatten seiner selbst

Wenige Tage vor der Abreise zur WM nach Deutschland veranstaltete Adriano eine Party in Brasilien mit alten Freunden. "Er war immer noch meistens ein schüchterner, stiller Junge. Aber für uns war Didico (Adrianos Spitzname unter Freunden, Anm. d. Red.) ein Held", wurde ein enger Freund Adrianos von FourFourTwo zitiert.

Er erzählte von einer Party an einem geheimen Ort, damit auch die Freunde Adrianos kommen konnten, mit denen er einst barfuß in den Favelas Fußball gespielt hatte, die jedoch auf die schiefe Bahn geraten waren. Manche von ihnen seien sogar Teil des 'Comando Vermelho' geworden. Einer seiner engsten Freunde beispielsweise kam bei einer Schießerei mit der Polizei ums Leben.

Spätestens seitdem seien "Depressionen und Alkohol zum Teil seines Lebens" geworden. Bei der anschließenden Weltmeisterschaft traf Adriano zwar zweimal, doch er war nur ein Schatten des Stürmers, der einst die Verteidiger das Fürchten gelehrt hatte. Brasilien schied im Viertelfinale aus. Nichts war es mit WM-Held Adriano und dem sechsten Stern.

Adriano: "Wenn ich morgens besoffen zum Training kam ..."

Bei den Nerazzurri setzte sich der Teufelskreis, in dem sich Adriano befand, fort. Er feierte die Nächte durch, schlief nicht, weil er Angst hatte, das Training zu verpassen.

"Wenn ich morgens besoffen zum Training kam, schickten sie mich in die medizinische Abteilung, damit ich dort meinen Rausch ausschlafen konnte. Der Presse erzählten sie dann immer, ich hätte muskuläre Probleme", sagte Adriano. Er ignorierte die Anweisungen von Trainer Mancini, der ihn einst als die perfekte Stürmer-Symbiose beschrieben hatte, nahm 20 Kilo zu und verlor jegliche Selbstkontrolle.

2008 verordnete Moratti Adriano eine Art "Heimaturlaub", um sich selbst wiederzufinden. Ein Leihgeschäft mit dem FC Sao Paulo wurde ausgehandelt, welches trotz einiger Eskapaden - Adriano sah nach einem Kopfstoß Rot und wurde vom Klub nach einer heftigen Auseinandersetzung mit einem Fotografen sanktioniert - durchaus Anlass zur Hoffnung gab.

Mit der Empfehlung von 17 Toren in 28 Spielen kehrte er nach einem halben Jahr zu Inter zurück. Zu früh, wie sich herausstellte. Adriano verfiel in alte Muster, selbst Jose Mourinho, ein Experte im Umgang mit sensiblen Weltstars, scheiterte als Erziehungsbeauftragter. Nach einem Länderspiel im April 2009 kehrte Adriano nicht mehr zu Inter zurück. Er galt als verschollen, wenige Tage später erklärte er, dass er den Spaß am Fußball verloren habe. Damit riss auch Mourinhos Geduldsfaden und Adrianos Zeit in Mailand endete mit der Auflösung des Vertrags.

Adrianos endgültiger Absturz: Mafia, Schutzgeld, AK47-Bilder

Den letzten Schlag verpasste ihm ein Jahr später Nationaltrainer Carlos Dunga, als dieser ihn nicht in den WM-Kader 2010 berief, obwohl Adriano nach seiner Rückkehr zu Flamengo überzeugte und maßgeblich am Gewinn der Meisterschaft beteiligt war.

Für den labilen Imperator außer Dienst war das das Signal, sich endgültig von dem einst gefeierten Stürmerstar zu verabschieden. Es kursierten fortan immer kuriosere Gerüchte über Schlägereien in Nachtklubs, Drogen, angeblich soll er vor einem Nachtklub einer jungen Frau versehentlich mit der Waffe seines Bodyguards in die Hand geschossen haben. Adriano dementierte und gab der Frau die Schuld.

Was er nicht dementieren konnte, waren Bilder von ihm, die im Internet umhergingen. Darauf war er zu sehen, wie er . Gerüchte wurden laut, nach denen er Schutzgeld an Kriminelle zahlen musste und sich dem 'Comando Vermelho' angeschlossen habe.

"Ich habe es nicht nötig, mich wiegen zu lassen"

Ein Comeback-Versuch bei der Roma 2010 scheiterte ebenso wie ein Engagement in Brasilien bei Corinthians Sao Paulo. Dort riss er sich nach gutem Start die Achillessehne und gab sich wieder dem Alkohol und dem Nachtleben hin und wurde immer dicker. Als ihn sein Trainer auf die Waage gebeten haben soll, soll er geantwortet haben: "Ich bin Adriano und habe es nicht nötig, mich wiegen zu lassen."

Damit endete seine Zeit bei den Corinthians und 2016, vier Jahre später, bei Miami United dann endgültig eine Karriere, die mehr Fragen als Antworten hinterlässt. Was bleibt, ist die späte Reue des einst als Ronaldo-Erben gefeierten Imperators.

"Ich habe leider erst spät kapiert, dass das wirkliche Problem die Leute um mich herum waren", sagte der 53-malige Nationalspieler: "Ich hatte 'Freunde', die nichts anderes taten, als mich mit auf Partys zu nehmen und mit Alkohol und Frauen zu versorgen." Er sei nicht stolz darauf, "dass meine Laufbahn so zu Ende ging".

Es gab zwar jene, die Adriano aufhalten wollten, als dieser seine Karriere vorsätzlich vor die Wand fuhr, doch am Ende waren sie alle machtlos gegen die Dämonen in seinem Kopf. Dämonen, die schon lange vor Adrianos Debüt-Schuss gegen Real Madrid da waren. Neun Jahre um genau zu sein. Denn da traf ein Schuss den Kopf des Vaters, der den Fußballer-Sohn mit Verzögerung auch zerstörte.

"Wir haben ihn nicht von der Depression befreit und das ist vermutlich die größte Niederlage meiner Karriere", sagte Javier Zanetti einmal. "Es tut mir immer noch weh." Selbst Zlatan Ibrahimovic, mit dem Adriano von 2006 bis 2009 bei Inter aktiv war, bedauerte den traurigen Karriereverlauf des Brasilianers: "Als ich zum Klub kam, habe ich sofort zum Präsidenten gesagt: Den dürft ihr nicht verkaufen, mit Adriano will ich zusammenspielen! Der Typ war ein Tier. Er konnte alles, aus allen Lagen schießen, niemand konnte ihm den Ball abnehmen. Aber seine Karriere war zu kurz. Wohl weil Fußball zu 50 Prozent Kopfsache ist. Und wenn der nicht dabei ist, dann wird's schwer."

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