International: Zugedröhnt in der Disco! Absturz und Wiederaufstieg eines Real-Phänomens

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Er war das Lieblingstalent von Real Madrids Stürmer-Legende Alfredo Di Stefano, schaffte unter Bernd Schuster aber nie den Durchbruch bei den Königlichen. Dani Parejo stand sich in seiner Karriere oft selbst im Weg. Mittlerweile ist Fußball für den Kapitän des FC Valencia mehr als ein fürstlich bezahlter Zeitvertreib. Davon profitiert auch die spanische Nationalmannschaft.
Er war das Lieblingstalent von Real Madrids Stürmer-Legende Alfredo Di Stefano, schaffte unter Bernd Schuster aber nie den Durchbruch bei den Königlichen. Dani Parejo stand sich in seiner Karriere oft selbst im Weg. Mittlerweile ist Fußball für den Kapitän des FC Valencia mehr als ein fürstlich bezahlter Zeitvertreib. Davon profitiert auch die spanische Nationalmannschaft.

Er war das Lieblingstalent von Real Madrids Stürmer-Legende Alfredo Di Stefano, schaffte unter Bernd Schuster aber nie den Durchbruch bei den Königlichen. Dani Parejo stand sich in seiner Karriere oft selbst im Weg. Mittlerweile ist Fußball für den Kapitän des FC Valencia mehr als ein fürstlich bezahlter Zeitvertreib. Davon profitiert auch die spanische Nationalmannschaft.

"La Fabrica", die Fabrik, wie die Jugendakademie von Real Madrid genannt wird, hat ja schon so einige große Kicker hervorgebracht. Ein Großteil davon ist aber erst über Umwege zur Elite aufgestiegen. Im Fall von Dani Parejo war sich Alfredo Di Stefano sicher, dass es anders kommen würde. Die 2014 verstorbene Stürmer-Legende der Königlichen prophezeite dem heutigen Profi des FC Valencia einst eine große Zukunft im weißen Trikot.

"Der muss nirgendwo hin, der kann hier spielen, bei uns, im Santiago Bernabeu", sagte di Stefano damals. 2008 war das, als Parejo gerade einmal 19 war und noch regelmäßig für Real Madrid Castilla, die zweite Mannschaft des spanischen Rekordmeisters, in der dritten Liga auflief.

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Di Stefano schaute sich einige Spiele in dem nach ihm benannten Stadion in Valdebebas, dem im Norden Madrids gelegenen Trainingszentrum von Real, an. Wie sich später herausstellte nur wegen Parejo, diesem schmächtigen Lockenkopf, der im offensiven Mittelfeld spielte. "Er ist unser größtes Talent, ein Phänomen", jubelte der Ehrenpräsident, als der damalige Profitrainer Bernd Schuster den frischgebackenen U19-Europameister hin und wieder mit den Stars trainieren ließ.

Dani Parejo wird Lob von Alfredo di Stefano nicht gerecht

Di Stefano sah anders als Schuster aber nur den Spieler Parejo. Der Bursche Parejo war ein Spiegelbild seines Spielstils: frech, zügellos, ja fast schon arrogant. Und damit automatisch ein Problem in der von Alphatieren nur so wimmelnden Mannschaft von Schuster.

Führungsspieler wie Iker Casillas, Raul oder Guti, den Parejo bis heute als sein größtes fußballerisches Vorbild bezeichnet, sollen damals nicht allzu viel von dem Verhalten des Eigengewächses gehalten haben. Die Lobhudeleien von di Stefano trugen freilich nicht dazu bei, dass der Teenager aus dem Madrider Vorort Coslada seine Füße auf dem Boden behielt. Und so geriet er bei Real schnell ins Abseits, bis Schuster im Sommer 2008 überhaupt keine Verwendung mehr für ihn fand und auf Leihbasis zu den Queens Park Rangers nach England schickte.

Dort blieb Parejo jedoch nur ein halbes Jahr. Er habe sich ohne seine Familie und ohne seine Freunde "verloren" auf der Insel gefühlt, sagte er später. Hauptverantwortlich für seine schnelle Rückkehr war aber di Stefano, der sich fürchterlich über den Wechsel echauffierte und angeblich sogar drohte, er werde kein Spiel der Castilla mehr besuchen.

Juande Ramos, wegen sportlicher Misserfolge in der Hinrunde zum Nachfolger von Schuster erkoren, stellte Parejo mehr Chancen in Aussicht. Da Real im Frühjahr aber immer tiefer in die Krise rutschte, musste das Eigengewächs meist vorlieb mit der Ersatzbank nehmen. Zu fünf Kurzeinsätzen reichte es nur. Die Folge: Er verließ den Klub nur sechs Monate nach seinem Comeback.

Dani Parejo: Über Getafe nach Valencia

Sein Weg führte ihn aus dem Norden in den Süden der spanischen Hauptstadt, zum FC Getafe, der damals als eine Art Parkhaus für gescheiterte Real-Talente galt. "Ich habe es schon damals nicht bereut und werde es auch nicht bereuen", sollte Parejo einige Jahre darauf in einem Interview mit El Pais sagen. "Ich bin Real Madrid für alles dankbar, aber Chancen sind da, um ergriffen zu werden. Ich wollte einfach nur spielen und Spaß haben."

Den hatte er. Im Gegensatz zu anderen Talenten am Scheideweg nutzte Parejo "Geta" als Sprungbrett, er stach aus einem technisch limitierten Team hervor und empfahl sich auf Erstliga-Niveau schnell für höhere Aufgaben. 2011, nur zwei Jahre nach seinem Aus bei Real, verpflichtete ihn der FC Valencia für sechs Millionen Euro.

Dort steht Parejo noch heute unter Vertrag, ist Kapitän und Publikumsliebling. Diesen Status hatte er aber nicht auf Anhieb. Im Gegenteil: Seine ersten Jahre bei den "Fledermäusen" verliefen wie eine Achterbahnfahrt. Es gab sogar Zeiten, da beleidigten ihn Valencia-Fans auf der Straße.

"Das war für meine Frau noch härter als für mich", erinnerte sich Parejo an das dunkelste Kapitel seiner Laufbahn zurück. Die Vorwürfe der anspruchsvollen Anhängerschaft: Er sei nicht konstant genug, kein Spieler mit Persönlichkeit und Einsatzbereitschaft, sondern eher der typische Schönwetterfußballer, der sich zu schade ist, alles für das Wappen auf seiner Brust zu geben.

Party-Ärger um Dani Parejo wird zum negativen Höhepunkt

Dieser Eindruck verfestigte sich insbesondere in der Saison 2016/17, als Valencia überraschend gegen den Abstieg spielte und Parejo auch neben dem Platz negative Schlagzeilen schrieb. An seiner Seite war ein Mann, der Cesare Prandelli, den damaligen Trainer der Valencianos, aufs Übelste beschimpfte.

Parejo musste daraufhin zum Rapport bei den Klubbossen, denen er schwor, den Mann nicht zu kennen, der ihm dieses "große Missverständnis" eingebrockt hatte. Seine Kapitänsbinde musste er trotzdem abgeben. "Wenn ein Spieler nie etwas verlieren darf, dann seine Würde", meinte Prandelli vielsagend in Richtung Parejo, der gerne Alkohol trank und Wasserpfeife rauchte.

Die bisweilen zu lasche Arbeitsweise des launischen Rechtsfußes konnte der Italiener im Kampf um den Klassenerhalt offensichtlich nicht gebrauchen. "Die härteste Saison" seines Lebens sei das gewesen, sagte Parejo später und fügte selbstkritisch an, er sei zu dieser Zeit "mental nicht auf der Höhe" gewesen.

Erst unter Marcelino Garcia, der im Juli 2017 Trainer bei Valencia wurde, schien Parejo zu begreifen, dass Fußball doch mehr als ein fürstlich bezahlter Zeitvertreib ist. Er arbeitete vor allem an der Einstellung zu seinem Beruf, aber auch seinem Spiel. "Ich habe gelernt, mehr Defensivzweikämpfe anzunehmen. Ich freue mich über jeden gewonnenen Ball, früher standen auf dem Platz für mich noch andere Dinge im Vordergrund", sagte er erst kürzlich in einem Interview mit EFE.

Dani Parejo im Steckbrief

geboren

16. April 1989 in Coslada, Spanien

Größe

1,82 m

Gewicht

73 kg

Position

zentrales Mittelfeld

starker Fuß

rechts

Stationen

CD Coslada (Jugend), UD Espinilla (Jugend), Real Madrid (Jugend), Queens Park Rangers, Real Madrid, FC Getafe, FC Valencia

Profispiele/-tore/-vorlagen

474/76/69

Dani Parejo: Endlich komplett und konstant

Parejo ist ein kompletter Mittelfeldspieler. Und deshalb nicht mehr wegzudenken aus Marcelinos Team. Er gibt entweder an der Seite von Geoffrey Kondogbia oder Francis Coquelin den offensiven Sechser, weiß neben seinem verbesserten Defensivverhalten als Torschütze und Vorlagengeber zu überzeugen. Seine positive Entwicklung ist auch den Verantwortlichen der spanischen A-Nationalmannschaft nicht entgangen. Julen Lopetegui nahm ihn schon im vergangenen Jahr mit zur WM nach Russland, wo er jedoch auf keine einzige Spielminute kam. Dessen Nachfolger Luis Enrique und Robert Moreno luden Parejo seitdem aber immer wieder zur "Seleccion" ein.

Seine Berufung für die Spiele gegen Rumänien (Donnerstag, 20.45 Uhr) und die Färöer-Inseln (Sonntag, 20.45 Uhr) ist bereits die dritte in Folge. "Im Fußball ist es wie im Leben: Man muss Hindernisse überwinden. Bei mir waren es ein paar mehr", weiß der inzwischen 30 Jahre alte Parejo. Und auch wenn ihm nicht bei seinem Jugendverein Real der große Wurf gelungen ist: Alfredo di Stefano wäre stolz auf den Spätzünder. Auch, weil er 2018 einen Wechsel zu Barca, dem Erzrivalen der Madrilenen, ablehnte und damit jeden noch so kritischen Valencia-Fan auf seine Seite zog.

"Ich will hier nicht mehr weg. Was soll ich denn an einem Ort, an dem ich mich vielleicht gar nicht wohl fühle? Ich kann auch mit Valencia Titel gewinnen", erklärte Parejo. Diesen Worten ließ er im vergangenen Mai Taten folgen, als er mit Valencia die Copa del Rey gewann. Ausgerechnet gegen Barca.

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