Doppel-Transfer: Koslowski schildert bizarre Wendung

SPORT1, Daniel Höhr
Sport1

Der SSC Palmberg Schwerin nennt es selbst eine "bizarre Premiere" - und tatsächlich ist es ein unglaublich kurioser Vorfall, den es so wohl noch nie gegeben hat in der Volleyball-Bundesliga:

Diagonalangreiferin Kelsie Payne sollte den Rekordmeister eigentlich zur kommenden Saison verstärken - nun hat aber kurz nach der Einigung mit Schwerin auch Korea Expressway Corporation Hi-Pass aus Südkorea die 24 Jahre alte US-Amerikanerin als Neuzugang verkündet.

Wie kann das passieren? Payne hatte sich für einen Platz bei einer der sechs Damenmannschaften Südkoreas beworben - ohne Wissen des SSC, wie der Verein betont. (Die Volleyball-Bundesliga der Männer und Frauen LIVE auf SPORT1 und im STREAM)

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Diese Plätze werden per Los vergeben, da nur eine Spielerin nicht-koreanischer Herkunft pro Team zugelassen ist. Zudem winkt dort ein deutlich höheres Gehalt als in Deutschland.


"Ich kenne das Korea-Draftsystem. Da gibt es etwa 50 bis 60 Spielerinnen, die auf einer Liste zur Wahl stehen. Häufig sind die Spielerinnen dabei schon woanders unter Vertrag", erklärt Schwerins Coach Felix Koslowski bei SPORT1.

"Ich habe am Tag zuvor gesehen, dass Kelcie da drauf war, aber habe mir darüber keine Gedanken gemacht, weil Spieler und Manager normalerweise wissen, wer in der engeren Auswahl ist. Da sich bei uns niemand gemeldet hat und auch der Agent nichts gesagt hat, sind wir davon ausgegangen, dass alles seinen normalen Gang geht."

Agenten bieten neue Spielerinnen an

Der Trainer plant bereits voll mit dem Neuzugang: "Wir haben Ende April mit ihr den Vertrag fertig gemacht und beidseitig unterschrieben. Wir waren uns sicher, dass das den normalen Werdegang nehmen wird."

Als in der Nacht auf Donnerstag das Drafting in Korea stattfand, nahm die Situation für Koslowski eine kuriosen Verlauf. 

"Um 4.30 Uhr morgens hab ich eine Nachricht von einem Agenten bekommen, ob ich eine neue Diagonalangreiferin brauche, weil meine ja jetzt in Korea ist. Ich dachte erstmal, das ist nur Bla-Bla wie manchmal in diesem Business. Bis acht oder neun Uhr haben mir schon sechs Agenten eine neue Diagonalspielerin angeboten. Dann habe ich angefangen zu recherchieren und herausgefunden, dass sie dort unterschrieben hat. Dann ging die Kommunikation los."

Erst gegen "17 oder 18 Uhr" habe sich der Berater von Payne beim Verein gemeldet. "Er hat das erklärt, als ob es das Normalste der Welt wäre und gesagt, dass sie gerne aus dem Vertrag aussteigen würde. Wir haben gesagt, dass wir das nicht so lustig finden, zumal wir auch null Vorinformationen haben. Niemand hat mit uns gesprochen, sie haben uns nicht in diesen Prozess eingeweiht und haben sich das relativ leicht gemacht."

Spielt Payne für Schwerin oder nicht?

Und nun? "Aktuell liegt uns weder von der Spielerin noch seitens des Managements eine Kündigung unseres Vertrages vor", berichtet SSC-Teamleitungsmitglied Michael Evers.

"Welcher Vertrag nun gültig ist und wie es damit weitergeht, muss von übergeordneter Stelle geklärt werden", erklärte er weiter. Die Angelegenheit liegt nun beim Weltverband FIVB, der nun entscheiden muss.

Koslowski glaubt nicht an eine Zukunft von Payne in Schwerin. "Wir sind im Austausch und ich gehe davon aus, dass sie nächste Saison nicht in Schwerin spielen wird. Jetzt geht es um die Ablösesumme, der Verein ist in Kontakt mit dem Agenten und dem Weltverband. Sehr viele Leute sind in dem Prozess involviert, auch die Liga. Ich bin gespannt, was am Ende herauskommt."

Der 36-Jährige kündigte Konsequenzen an: "Es hat uns alle sehr getroffen und ich bin ein bisschen enttäuscht von der Arbeit mit dem Agenten. Mit der Agentur werden wir in naher Zukunft auch nichts mehr machen", sagte er bei SPORT1.

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