Ist Körperrasur notwendig, um beim Schwimmen eine bessere Geschwindigkeit zu erreichen?

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Laszlo Cseh aus Ungarn tritt bei den Olympischen Spielen Rio 2016 beim Schmetterling über 200m an (Foto: Adam Pretty / Getty Images)
Laszlo Cseh aus Ungarn tritt bei den Olympischen Spielen Rio 2016 beim Schmetterling über 200m an (Foto: Adam Pretty / Getty Images)

Heutzutage gibt es keinen olympischen Schwimmer, der mit Körperbehaarung zum Wettbewerb antritt. Aber wie sehr hilft dies, dabei Rekorde zu brechen?

Es gibt immer mehr Männer, die sich ihre Körperhaare entfernen. Die Schönheitsideale verändern sich im Laufe der Zeit. Dies liegt möglicherweise daran, dass man sich wohler fühlen will oder sich die Regeln der Ästhetik geändert haben. Einige mögen sagen, dass eine Rasur für ein jugendlicheres Aussehen sorgt oder einem einfach das Gefühl von Reinlichkeit und Komfort gibt. Im 21. Jahrhundert ist dies unter Männern beliebter denn je. Aber die Rasur des Körpers wird im Sport schon seit vielen Jahren praktiziert. Der erste Mann, der dies tat, war Radfahrer Giovanni Gerbi Anfang des 20. Jahrhunderts. Bei Schwimmern ist dies ebenfalls nichts neues und auch keine Modeerscheinung. Arme, Beine, der Torso und manchmal der Kopf wurden hier seit den 1950er Jahren rasiert. Im Jahr 1968 hieß es, dass es keine hieb- und stichfesten Beweise dafür gab, dass Rasieren die Leistung verbesserte. Der historische US-Schwimmtrainer James Counsilman sagte, dass die Sensibilität des Schwimmers zunahm, da er den Druck des Wassers spürte, und dass dies seine Koordination verbesserte.

Wie ist es heute?

Heutzutage ist die Körperrasur bei Schwimmwettbewerben weit verbreitet. Man kann auf den Fotos von olympischen Schwimmern klar und deutlich sehen, dass sie in den Bereichen, in denen Wasser für Reibung sorgen könnte, keine Körperbehaarung haben. Für die Wettbewerbe rasieren die Schwimmer ihre Arme, Beine, den Torso und manchmal den Kopf. Aber gibt es dafür eine wissenschaftliche Rechtfertigung? Erleichtert es das Schwimmen? Verbessert es die Leistung und insbesondere die Geschwindigkeit, die so wichtig ist bei den Olympischen Spielen? 

In einigen Publikationen wird darauf hingewiesen, dass Schwimmer sich rasieren, weil sie so im Wasser eine größere Gleitfähigkeit besitzen, weil sie es für praktischer halten, aus ästhetischen Gründen oder weil es einfacher ist, den Körper abzutrocknen. Aber was von all dem ist wahr und wissenschaftlich bewiesen? Wir sprechen hier über olympische Wettbewerbe, bei denen es darauf ankommt, Rekorde zu brechen, schneller zu schwimmen, besser als der Gegner zu sein, um mehr Medaillen zu gewinnen und dabei hat die Wissenschaft dem Sport geholfen, sich weiterzuentwickeln. Die Wissenschaft sucht durch wissenschaftliche Studien nach den besten Techniken, Trainings und Geräten, die eine bessere Leistung ermöglichen.

Gesetze der Physik

Beim Schwimmen herrschen die Gesetze der Hydrodynamik, denn der Körper gleitet im Wasser und muss daher den Widerstand des Wassers überwinden. Dabei beeinflussen mehrere Faktoren diesen Prozess: die Form des Körpers, der direkt mit dem Wasser Kontakt hat, die Körperfläche, die Dichte und die Position, die der Körper beim Gleiten einnimmt. Der Körper überwindet den Widerstand im Wasser durch Gleiten. Die laminare Reibungskraft des Wassers gegen die Körpersegmente hängt mit der Viskosität und der Reibung an der Körperoberfläche zusammen. Man kann also sagen, dass Behaarung auf dem Körper mehr Reibung verursacht und wenn diese entfernt wird, dieser besser gleitet.

Es gibt einige wissenschaftliche Studien, die dies belegen. Sharp und Costill führten dazu im Jahr 1988 eine Studie durch, da es zur damaligen Zeit keine wissenschaftlichen Veröffentlichungen darüber gab, ob Rasieren die Leistung verbessert. Sie fragten sich, ob diese Praxis dabei half, den Widerstand des Körpers im Wasser zu reduzieren. Die erste Studie wurde mit vier Männern und zwei Frauen durchgeführt. Dabei wurde herausgefunden, dass das Rasieren den physiologischen Aufwand bei Übungen reduzierte. Sie konnte aber nicht belegen, dass sich die Zeiten beim Schwimmen verbesserten. Man kam zu dem Schluss, dass man nicht sicher sein konnte, dass das Rasieren die Zeiten verbesserte, aber es verringerte den Aufwand aufgrund geringerer Reibung und es wurde auch auf die Möglichkeit einer erhöhten Empfindlichkeit hingewiesen.

Im Jahr 1989 veröffentlichten dieselben Autoren eine weitere Studie, die mit neun Schwimmern durchgeführt wurde. In dieser Studie wurde festgestellt, dass das Rasieren möglicherweise den Widerstand reduziert und den physiologischen Aufwand verringert. Es gibt zwar wenige Beweise dafür, dass die Rasur die Reibung verringert, aber die Verringerung des Widerstands soll im Vergleich zu unrasierter Haut eine Reduzierung der Stoßenergie bewirken. Woods (2004) erwähnt in seiner Masterarbeit, dass Schwimmer subjektive Empfindungen haben, wenn sie sich rasieren. Sie haben das Gefühl, dass ihre Körpermasse wie auch der Wasserwiderstand abnehmen, der Auftrieb zunimmt und sie haben das Gefühl, dass es einfacher ist zu schwimmen. Es wurde auch erwähnt, dass die Haarentfernung mehr einen Placebo-Effekt hat, weil man das Gefühl hat, durch das Wasser zu gleiten. Wir können trotz allem nicht behaupten, dass jeder Aspekt beleuchtet wurde. Es gibt immer noch einen Mangel an objektiven Beweisen, die belegen, dass das Rasieren weniger Reibung verursacht und dass dies zu verbesserter Leistung führt.

Die Geschwindigkeit des Körpers beim Schwimmen hängt vom Vortrieb und dem Wasserwiderstand ab. Ein Schwimmer kann sich also verbessern, wenn er die Vortriebskraft steigert und die Widerstandskräfte verringert. Die Wissenschaft hat sich mehr mit der Technik befasst, da sie die Vortriebskraft und den Widerstand verbessert, zudem wurden auch Neoprenanzüge hergestellt, die die Reibung reduzieren. Deshalb haben sie sich mit der Körperausrichtung, der Art des Schwimmstils, der Positionierung der Arme bei der Fortbewegung unter Wasser sowie mit den Stoffen, aus denen die Schwimmanzüge bestehen und der Art ihrer Herstellung beschäftigt.

Technik und Technologie, die wahre Antwort

Die Forschung hat sich in Bezug auf das Schwimmen vor allem auf Schwimmtechniken konzentriert. Vielleicht erinnern sie sich an Michael Phelps und seinen wunderbaren Delfin-Kick, immer wenn er ins Wasser ging oder er am Ende der Bahn die Richtung änderte. Er bleibt 12 bis 13 Meter unter Wasser, bevor er für den ersten Stoß auftaucht und diese Zeit verschafft ihm einen Vorteil. Es kommt auch darauf an, wo man die Arme anlegt, wenn man abtaucht oder auf die Schwimmstöße. Es scheint, dass der Zeitgewinn eher den technischen Anpassungen zuzuschreiben ist, denn Änderungen an der Technik verringern die Widerstandskraft und verbessern den Vortrieb.

Die Forscher haben sich auch auf die Anzüge konzentriert, sie machen sich Gedanken um den Stoff, die Nähte, die Form und die Größen, weil Anzüge den Widerstand reduzieren können. Im Jahr 2008 wurden Neoprenanzüge hergestellt, welche die Schwimmgeschwindigkeit erhöhten und bei einer einzigen Veranstaltung wurden 43 Weltrekorde gebrochen. Seit 2010 sind Ganzkörperanzüge nicht mehr erlaubt, da dies als technisches Doping gilt.

Obwohl es nicht genügend wissenschaftliche Beweise für das Rasieren gibt, wird es unter Schwimmern immer noch empfohlen und sie tun es auch bis heute. Denn am Ende eines olympischen Wettkampfs muss man alle Optionen in Betracht ziehen, die zu einem besseren Ergebnis führen könnten, da die Vorbereitung, um dorthin zu kommen, erschöpfend und umfangreich war. Athleten können nicht zulassen, dass eine Millisekunde den Sieg verhindert. Würden Sie nicht dasselbe tun?

Dr. Soledad Echegoyen Monroy / Fachärztin für Sportmedizin

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