Jacky Ickx: "Die Rallye Dakar ist eine intellektuelle Herausforderung"

Gerald Dirnbeck
motorsport.com

Nach Afrika und Südamerika hat die Rallye Dakar in Saudi-Arabien das dritte Kapitel aufgeschlagen. Aus sportlicher Sicht hat sich das Rennen über die Jahrzehnte verändert, denn es hatte sich schon in Südamerika zu einem Sprint entwickelt. Es wird um Minuten und Sekunden gekämpft und nicht mehr um Stunden.

Trotzdem ist die Rallye für Mensch und Material immer noch eine Herausforderung. Und auch die Gefahr fährt immer noch mit, wie der tödliche Sturz von Paulo Goncalves gezeigt hat. Mit Saudi-Arabien hat Dakar-Veranstalter Amaury Sport Organisation (ASO) einen Fünfjahresvertrag unterzeichnet. Mittelfristig bleibt man also im Nahen Osten.

Herrscht in Saudi-Arabien immer noch der Spirit der ursprünglichen Dakar? Thierry Sabine hatte die Rallye Ende der 1970er-Jahre als großes Abenteuer gegründet. "Man sollte niemals den Fehler machen und verschieden Epochen vergleichen", meint Jacky Ickx im Gespräch mit 'Motorsport.com'. "Wenn man älter ist, ist man immer in Versuchung zu sagen, früher war alles .... "

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Ickx glaubt an Dakar-Zukunft in Saudi-Arabien

Ickx kennt den Motorsport seit mehr als 50 Jahren aus erster Hand. Der Belgier war selbst ein leidenschaftlicher Dakar-Fahrer. Zwischen 1981 und 1992 war Ickx ununterbrochen mit einem Auto dabei. Danach folgten noch zwei weitere Starts. 1983 konnte er die Rallye mit einem Mercedes-Benz 280 GE gewinnen.

Zu Jahresbeginn weilte Ickx in Saudi-Arabien und machte sich ein Bild vom neuen Austragungsort. "Die Gegenwart ist wichtig. Es ist wichtig, dass die Dakar immer noch aktiv ist. Es ist wichtig, dass die Zukunft in Saudi-Arabien gut aussieht, vorausgesetzt der Nahe Osten steht nicht in Flammen. Um Saudi-Arabien herum gibt es viele dramatische Situation."

Jacky Ickx mit Ellen Lohr bei der Dakar in Saudi-Arabien

Jacky Ickx mit Ellen Lohr bei der Dakar in Saudi-Arabien <span class="copyright">Ellen Lohr</span>
Jacky Ickx mit Ellen Lohr bei der Dakar in Saudi-Arabien Ellen Lohr

Ellen Lohr

"Natürlich gibt es immer diese Fragezeichen und wir wissen nicht, wie es sich entwickeln wird. Es ist nun einmal so, dass ein Land nicht immer in Frieden bleiben muss. Viele Länder um Saudi-Arabien herum sind im Krieg. Wenn es hier ruhig bleibt, kann es hier eine tolle Zukunft geben und ich bin glücklich, ein Teil davon zu sein."

Deswegen bewertet der 75-Jährige den Wechsel nach Saudi-Arabien positiv: "Ich sehe hier eine Option und eine Zukunft für die Dakar. Es gab sie 30 Jahre lang in Afrika, zehn Jahre in Südamerika und ich hoffe, es werden zehn Jahre in Saudi-Arabien werden. Die Dakar ist ein außergewöhnliches Rennen, das sehr schwierig und lang ist. Dafür braucht man viel Erfahrung."

Die Rallye ist auch eine persönliche Entdeckungsreise

"Die Dakar hat ihre eigene Seele und alle, die hier mitfahren, sind danach nicht mehr dieselben. Es gibt einerseits das Rennen und andererseits die Erfahrung mit den Menschen in einem neuen Land. Man entdeckt so viel Neues. Es gibt also zwei Facetten dieses Rennens. Es ist ein Rennen, um sich selbst zu erden. Jeder der hier mitmacht, muss sich der Realität stellen."

"Die Bedingungen ändern sich regelmäßig und man muss auf die Probleme unterwegs reagieren. Es ist wirklich eine Erdung. Manchmal fühlt man sich alleine auf der Strecke, wenn man im Sand steckenbleibt oder etwas kaputt geht. Es ist eine Rallye, die viel fordert. Auf den Etappen kann immer etwas passieren, weshalb die Rallye zu keinem Zeitpunkt verloren ist."

1983 gewann Jacky Ickx die Rallye in Afrika mit einem Mercedes-Benz

1983 gewann Jacky Ickx die Rallye in Afrika mit einem Mercedes-Benz <span class="copyright">Daimler</span>
1983 gewann Jacky Ickx die Rallye in Afrika mit einem Mercedes-Benz Daimler

Daimler

"Zu meiner Zeit ging sie noch drei Wochen und sie war länger. Es ist eine intellektuelle Herausforderung. Sie hilft, deinen Horizont zu erweitern. Sie hilft, zu entdecken, was es um dich herum alles so gibt. Sie hilft, dass Menschen über sich hinauswachsen. Saudi-Arabien ist der perfekte Ort für die Rallye Dakar."

Chance der Öffnung für Saudi-Arabien

Ickx wurde zweimal Formel-1-Vizeweltmeister und hat sechsmal die 24 Stunden von Le Mans gewonnen. "Dann habe ich mich für die Dakar entschieden. Diese Rallye hat mir intellektuell für viele Dinge die Augen geöffnet", sagt der Belgier. "Das ist wichtig, wenn man persönlich wächst. Ich habe die Welt in einem ganz anderen Licht gesehen. Ich habe die Vergessenen und Unsichtbaren gesehen. Es war eine faszinierende Erfahrung."

International wird Saudi-Arabien vor allem für die Menschenrechtssituation kritisiert. Vor allem das Leben der Frauen wird stark eingeschränkt, obwohl es in jüngerer Vergangenheit Lockerungen der Beschränkungen gab. Als letztes Land der Welt wurde Ende 2017 Frauen erlaubt, den Führerschein zu machen und Auto zu fahren.

In Saudi-Arabien müssen die Fahrer große Wüstenabschnitte bewältigen

In Saudi-Arabien müssen die Fahrer große Wüstenabschnitte bewältigen <span class="copyright">KTM</span>
In Saudi-Arabien müssen die Fahrer große Wüstenabschnitte bewältigen KTM

KTM

Jüngst holte Saudi-Arabien immer mehr internationale Sportveranstaltungen ins Land. Ickx sieht das als Chance: "Es ist eine Möglichkeit, der Anfang der Öffnung dieses traditionellen Landes zu sein. Es ist gut, dass Menschen von außerhalb kommen und solch ein Event in das Land bringen. Die Menschen hier sind auch sehr glücklich, dass wir hier sind."

"Vor einem Jahr war hier noch alles anders, da gab es keine Musik, jetzt gibt es Konzerte. Die Dakar wurde hier herzlich willkommen geheißen. Sie haben Öl in Saudi-Arabien, aber sie haben gemerkt, dass der Tourismus ebenfalls ein wichtiger Teil dieses Landes werden könnte. Wenn man sich umschaut, sieht man, welchen Aufwand sie hier betreiben, um die Infrastruktur aufzubauen."

Mit Bildmaterial von X-raid.

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