Jahresrückblick Medizin: Diese sieben Entdeckungen machen Hoffnung

Moritz PiehlerFreier Autor
Im Jahr 2019 gab es in zahlreichen Bereichen der medizinischen Forschung spektakuläre Fortschritte. (Symbolbild: Getty)
Im Jahr 2019 gab es in zahlreichen Bereichen der medizinischen Forschung spektakuläre Fortschritte. (Symbolbild: Getty)

Den Nobelpreis für Medizin bekamen im Oktober die drei Wissenschaftler William Kaelin, Gregg Semenza und Peter Ratcliffe für ihre Forschung zum Sauerstoffgehalt in Zellen verliehen. Ihre Erkenntnisse könnten zahlreiche Behandlungsmethoden revolutionieren. Doch es gab 2019 in vielen Forschungsbereichen Erfolge zu feiern. Hier sind die sieben wichtigsten medizinischen Entdeckungen des Jahres.

Durchbruch bei Ebola

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Einen riesigen Durchbruch konnte die Wissenschaft auch in Sachen Ebola feiern. Zwei noch experimentelle Impfstoffe wurden bereits im Kongo eingesetzt, als im Sommer eine neue Epidemie in dem zentralafrikanischen Land auszubrechen drohte. Mit Hilfe der Lebendvakzine konnte so nicht nur die Verbreitung erheblich eingedämmt werden, auch die Überlebensrate bei bereits infizierten Patienten wurde auf nahezu 90 Prozent erhöht. Seit 2018 waren zuvor allein im Kongo mindestens 2100 Menschen an Ebola gestorben. Im November wurde der Impfstoff Ervebo (rVSV-ZEBOV) dann auch offiziell durch die EU-Kommission zugelassen, wenn auch zunächst noch unter Vorbehalt.

Behandlung von Prostatakrebs

Dr. Christopher Sweeney, der als Onkologe für das „Dana-Farber Cancer Institute“ in Boston arbeitet, gelang der Nachweis für eine erfolgreiche Krebsbehandlungsmethode. Bereits seit 2015 wurde an dem Institut mit 1,125 Versuchspatienten eine Studie durchgeführt, in der das neue Medikament Enzalutamide eingesetzt wurde. Das Medikament besetzt die Androgenrezeptoren und stoppt so das Wachstum von Krebszellen. Dazu werden durch die Unterdrückung von Testosteron Metastasen an der Prostatat bekämpft. In diesem Jahr konnte Dr. Sweeney nun vermelden, dass einer seiner schwierigsten Fälle tatsächlich durch die Behandlung krebsfrei sei. Das Medikament war bereits für andere Anwendungen durch die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA frei gegeben.

Bluttest für Brustkrebs

Wissenschaftler an der University of Nottingam in England haben einen Bluttest erfunden, der möglicherweise frühzeitig Brustkrebs entdecken kann. Der Test soll Zellveränderungen erkennen lassen und zwar bereits bis zu fünf Jahre bevor Knoten oder andere Symptome auftreten. In dem Verfahren wird nach Auto-Antikörpern gesucht, die der Körper als Reaktion auf Krebszellen entwickelt. Der Bluttest wäre weit günstiger und weniger aufwändig, als ein Mammogramm. Noch stehen Langzeitstudien aus, die englischen Forscher gehen von etwa fünf Jahren bis zur Marktreife aus. Ein vergleichbares Verfahren wird gerade auch in Schottland für die Früherkennung von Lungenkrebs getestet.

Hoffnung für Erdnussallergiker

Es klingt fast wie eine Wunderheilung. In einer neuen Studie der renommierten Stanford University in den USA konnten Allergie-Patienten nach nur einer einzigen Injektion mit einem Antikörper wieder Erdnuss-Proteine zu sich nehmen. Das Medikament Etokimab, das bereits gegen Asthma und Ekzeme zum Einsatz kommt, wies bei den Studienteilnehmer Erfolge schon nach nur zwei Wochen auf. Bisher ist die einzige Therapieform eine graduelle Steigerung von kleinen Dosen Erdnuss-Proteinen über ein Jahr unter medizinischer Aufsicht, wobei es dennoch häufig zu allergischen Reaktionen kommen kann. Die Allergie kann zu tödlichen Reaktionen führen und ist deshalb so gefährlich, weil in zahlreichen Lebensmitteln Spuren von Erdnüssen vorkommen können.

Alzheimerbehandlung

Nachdem die Studie schon einmal ausgebremst wurde, weil keine nachhaltigen Ergebnisse erzielt wurden, sind Wissenschaftler jetzt überzeugt von dem Alzheimer-Medikament Aducanumab. Die neuen Studienergebnisse, die im Oktober im „Nature“ Magazin veröffentlicht wurden, zeigten eine deutliche Minderung des kognitiven Rückgangs bei Alzheimer-Patienten. Die Verbesserung lag bei zwischen 15% und 27% im Vergleich mit den Patienten, die in der Studie ein Placebo-Medikament bekamen.

Genmodifikation mit Crispr

Das Gen-Modifizierungstool Crispr wird in der Wissenschaft bereits in vielen unterschiedlichen Bereichen eingesetzt. Mithilfe von Crispr können DNA und Gene verändert werden, in der Landwirtschaft wird es benutzt, aber auch in der medizinischen Forschung. In die Methode werden zukünftig große Hoffnungen gesetzt, beispielsweise bei der Behandlung von Malaria und HIV. Auch wenn diese Anwendungsmöglichkeiten noch in einiger Ferne liegen, kommt es jetzt zu ersten Fortschritten in medizinischen Studien. Auf einer Konferenz in Orlando, Florida wurde eine Krebs-Studie mit drei Patienten vorgestellt, die an Multiplem Myelom und Sarkom erkrankt waren. Ein weiterer Patient wurde mit Crispr erfolgreich gegen Sichelzellenanämie behandelt.

Therapie gegen Sichelzellenanämie

Gegen die Erbkrankheit gibt es auch aus anderer Richtung erfolgreiche neue Behandlungsmethoden. Nach über 70 Jahren Forschung steht ein Durchbruch bei der Behandlung von Sichelzellenanämie bevor. Die erbliche Erkrankung der roten Blutkörperchen kommt vor allem bei Patienten aus Subsahara-Afrika und dem Mittelmeerraum vor. Mithilfe einer Gentherapie gelang es nun bei zwei Patientinnen in den USA, nach nur einem Jahr Behandlung, Symptomfreiheit zu erreichen. Dabei wird den Erkrankten ihr eigenes genetisch verändertes Knochenmark injiziert. Dadurch wird die regelmäßige Produktion von eigenen, gesunden roten Blutkörperchen gefördert.


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