Jahresrückblick: Die Politik 2020 in Memes

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 5 Min.

Viele Memes schafften es dieses Jahr zu großer Internet-Berühmtheit. Weil sie lustig waren, aber auch, weil sie politische Themen pointiert zusammenfassten. Ein kleiner Jahresrückblick.

Markus Söder und Angela Merkel schippern auf dem Chiemsee. Das Bild, keine Frage, hat großes Meme-Potenzial. Und es fand auch entsprechend Verwendung. Foto: Peter Kneffel / dpa / Pool / dpa
Markus Söder und Angela Merkel schippern auf dem Chiemsee. Das Bild, keine Frage, hat großes Meme-Potenzial. Und es fand auch entsprechend Verwendung. Foto: Peter Kneffel / dpa / Pool

Den Anfang der Reise macht die Frau, die nicht nur besonders ironisch klatschen, sondern auch voll Verachtung Papier zerreißen kann: Nancy Pelosi. Anfang Februar hat die demokratische Sprecherin des US-Repräsentantenhauses das Manuskript der „Rede zur Lage der Nation“ zerrissen, die US-Präsident Donald Trump wenige Augenblicke zuvor gehalten hatte. Seine rund 90-minütige Redezeit nutzte er vor allem dazu, sich selbst zu loben. Wie zahlreiche Medien im Nachhinein übereinstimmend berichteten, bezeichnete Pelosi ihre Reaktion als die „höflichste Variante angesichts der Alternativen“.

Ungefähr zu gleichen Zeit wurde der FDP-Politiker Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten in Thüringen gewählt – mit Stimmen der Alternative für Deutschland, die geschlossen gegen ihren eigenen Kandidaten und stattdessen für Kemmerich votierten.

Dadurch konnte Bodo Ramelow, der bis dahin amtierende Linken-Politiker, abgewählt werden. Zunächst nahm Kemmerich die Wahl auch an, trat dann aber einen Tag später zurück – vor allem auf Druck seiner Parteispitze. Die Heute-Show kommentierte den Vorgang wie folgt:

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Und dann kam Corona...

Und dann folgte die Coronavirus-Pandemie. Zunächst ging es vor allem um den richtigen Umgang dem Virus. Hygienemaßnahmen wurden zu politischen Parolen. Wie etwa flatten the curve, social-distancing oder auch stay the fuck home:

Dabei sahen viele Menschen anfangs noch das Positive am politisch verordneten Lockdown, begrüßten die - wie sie es nannten - Entschleunigung, nutzten die vielfältigen digitalen Kulturangebote, verbrachten Abende mit der Familie oder Freunden in Zoom-Konferenzen. Doch das hielt nicht lange an:

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Systemrelevante Berufe hatten lange keine Lobby

Dazu kamen viele – mindestens fragwürdige – Entscheidungen von Arbeitgeber*innen, welche Jobs wirklich als „systemrelevant“ einzuschätzen seien und wer sich deshalb der Gefahr einer Ansteckung aussetzen sollte. Die Politik ließ die Unternehmen dabei weitgehend gewähren:

In zahlreichen Ländern wollten sich Menschen bei den Arbeitnehmer*innen in eben diesen (wirklich) systemrelevanten Berufen bedanken – und verabredeten sich zum gemeinsamen Klatschen. Was gesellschaftlich eine nette Geste war, legte gleichzeitig offen, wie lange viele dieser Berufe politisch ignoriert und wie viele Branchen beinahe kaputtgespart worden waren. Es dauerte Monate, bis auch erste finanzielle Wertschätzungen folgten. Bis dahin hieß es:

Maske auf oder Maske ab?

In vielen Ländern wurde die Masken-Frage gar nicht erst gestellt. Vor allem im asiatischen Raum galt es von Anfang an – und gilt bis heute – als selbstverständlich und rücksichtsvoll, eine Maske zum Schutz der Mitmenschen zu tragen. Anders in den USA. Da hat der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, in seinen regelmäßigen Pressekonferenzen anfangs stets eine lange Liste an Gründen präsentiert, wieso eine Maske sinnvoll sei. Irgendwann aber war er diesen wohl überdrüssig:

Maske: von mir aus. Aber wie genau?

Einige Länder wurden von der Pandemie besonders hart getroffen und mussten entsprechend strengere Maßnahmen ergreifen. Was vor allem Familien vor harte Entscheidungen stellte:

Das politische Highlight 2020: die US-Präsidentschaftswahl

Inmitten dieser, sowieso schon angespannten, Lage, zündelte US-Präsident Donald Trump und verbreitete Verschwörungstheorien zum Coronavirus. Es werde wie von alleine verschwinden, man solle sich vielleicht Desinfektionsmittel dagegen spritzen, schlimmer als eine gewöhnliche Grippe sei das Virus ohnehin nicht - um nur einige der zahlreichen Falschaussagen Trumps zu nennen. Der Spiegel kommentierte das wie folgt:

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Und dann folgte die Präsidentschaftswahl in den USA, das politische Ereignis des Jahres: Der demokratische Herausforderer Joe Biden gegen den amtierenden republikanischen Amtsinhaber Donald Trump. Die Social-Media-Profis von den BVG hatten dazu auch einen besonders neutralen Wunsch für den Ausgang:

Gewonnen hat Biden, überraschend war dabei der Ausgang in einigen sogenannten Swing-States. Bundesstaaten, die in der Vergangenheit immer wieder anders gewählt hatten. Dazu zählten etwa Georgia und Arizona:

Merkels letztes Jahr im Amt

Doch auch in Deutschland gab es ein politisch wichtiges Ereignis. 15 Jahre Kanzlerinnenschaft von Angela Merkel:

Ein potenzieller Nachfolger, der in der Corona-Pandemie überraschend hohe Zustimmungswerte erhalten hat, ist Markus Söder. Der bayerische Ministerpräsident hat sich vor allem durch eine harte Linie und strenge Führung Beliebtheit in der Bevölkerung verdient. Ob aber das allein ausreicht:

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Weihnachten und die Diskussion um die Maßnahmen

Derzeit wird politisch vor allem über das Weihnachtsfest und die Jahreswende diskutiert. Wie sehr dürfen herrschende Maßnahmen gelockert werden, ohne im Januar einen massiven Anstieg der Infektionszahlen zu riskieren? Schon jetzt sind viele Krankenhäuser und Intensivstationen am Anschlag, viel mehr Patien*tinnen können sie nicht verkraften. Deshalb fordern viele Politiker*innen jetzt schon vorgezogene Weihnachsferien:

Das letzte politische Streitthema des Jahres wird vermutlich Silvester - und damit ein mögliches Böllerverbot - sein. Ob sich das aber flächendeckend durchsetzen lässt? Viele Menschen hängen an der explosiven Tradition. Doch wie auch immer die Entscheidung ausfällt, immerhin eins ist sicher: Ob mit Raketen oder ohne, wird dann endlich dieses vermaledeite 2020 verabschiedet...